Der historisch starke EM-Start Deutschlands geriet nach dem 50-minütigen Basketball-Krimi gegen Litauen kurz in den Hintergrund. Als die 18 017 euphorisierten Fans in der ausverkauften Arena in Köln noch den überragenden NBA-Jungstar Franz Wagner und Co. feierten, liefen im Hintergrund schon die Debatten, ob das 109:107 (96:96, 89:89, 46:41) nach zweimaliger Verlängerung Bestand haben kann. Die Litauer legten Protest gegen die Wertung ein (siehe Info).

 Zunächst jedoch gab es statt Party in grün den nächsten Heimsieg vor euphorischem deutschem Publikum. Das Ticket zur Endrunde nach Berlin (ab 10. September) ist quasi gelöst. Und zur Schlüsselfigur gegen Litauen wurde Wagner, der mit seinen 32 Punkten an den jungen Dirk Nowitzki erinnerte. „Ich bin sehr stolz auf unsere Spieler, es waren harte 50 Minuten, aber wir haben es irgendwie geschafft. Ich weiß nicht, ob wir 55 Minuten geschafft hätten“, sagte Bundestrainer Gordon Herbert. 

Der 21 Jahre junge Matchwinner Wagner kommentierte: „Das hat extrem Spaß gemacht. Die Fans waren richtig crazy. Das Spiel ging hoch und runter. So ein Spiel zu gewinnen, ist unglaublich.“ Für Wagner war es gerade einmal das achte Länderspiel, er hatte im August erst debütiert. Noch nie zuvor – nicht mal in der Nowitzki-Ära – hatte es drei Siege zum Start in ein EM-Turnier gegeben.

„Keine Ahnung was da noch kommt“, sagte der vor allem in der Verlängerung wieder starke Maodo Lo zum litauischen Protest. „Ich denke, wir haben verdient gewonnen.“ Präsident Ingo Weiss hatte dem Aufbauspieler von Alba Berlin vor lauter Euphorie zugerufen: „Ganz schön viel Eier in der Hose.“ Lo hatte in den Schlussminuten mehrere Dreier verwandelt und so den Sieg mit eingeleitet. Auch Kapitän Dennis Schröder (25 Punkte, acht Assists) war trotz schwacher Wurfquote einer der Garanten.

Auch die weiteren deutschen Profis waren nach dem Krimi mit zahllosen Wendungen euphorisiert. „Das ist Wahnsinn. Ich bin ein bisschen sprachlos, denn es war sehr, sehr intensiv. Aber es war geil“, sagte Center Johannes Voigtmann. Wie intensiv es war, ließ sich in der Pressekonferenz der Litauer beobachten. Center Jonas Valanciunas musste diese unter Krämpfen verlassen, weil ihm die Partie so zugesetzt hatte.

Gegen die zuvor sieglosen Litauer, die wieder von tausenden in grün gekleideten Fans unterstützt wurden, war es von Beginn an hitzig und mitreißend. Der erst diese Woche von einer Knieverletzung genesene Center Daniel Theis steuerte die ersten fünf Punkte bei, Wagner war schon in den Anfangsminuten der auffälligste Akteur im deutschen Trikot: Er zog aggressiv zum Korb und zeigte auch in der Defensive mit einem Steal und einem spektakulären Block sein ganzes Repertoire.

Beeindruckend war, wie sich die Deutschen in der Zone gegen die Riesen Valanciunas (2,13 Meter) und Domantas Sabonis (2,11 Meter) behaupteten. Vorne war Wagner überall: Der 21-Jährige von den Orlando Magic traf aus der Mitteldistanz, attackierte den Ring und übernahm dann auch noch von der Dreierlinie.

Die Basketball-Begeisterung rund um die Multifunktionshalle in Köln ist enorm. Weit über 100 000 Zuschauer waren an den ersten drei Spieltagen bereits in der Arena, neben den deutschen Fans in Schröder- oder Nowitzki-Trikots waren vor allem die Litauer in riesiger Zahl vertreten und machten den Gastgebern am Sonntag sogar den Heimvorteil strittig. Auch Turnierbotschafter Nowitzki ist von der Festival-ähnlichen Veranstaltung am Rhein angetan. „Fast 19 000 Fans in der Halle, da kribbelt es schon ein bisschen“, sagte der 44 Jahre alte Superstar am Samstagabend im ZDF-„Sportstudio“, wo er ausführlich über sich und den aktuellen EM-Hype sprach. Dieser ist bislang vorrangig in Köln zu spüren und nicht bundesweit, denn die Partien von Schröder und Co. sind ausschließlich im Livestream bei Magentasport und nicht im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen. dpa

Litauen legt Protest gegen Wertung ein


Litauen hat gegen die Wertung des EM-Spiels gegen Deutschland Protest eingelegt. Im dritten Viertel hatte die deutsche Bank ein technisches Foul kassiert, den Litauern war jedoch ein zusätzlicher Freiwurf verwehrt worden. „Das ist kein Protestgrund. Der Schiedsrichter hat einen Fehler gemacht, und dieser Fehler hätte korrigiert werden können“, sagte Präsident Ingo Weiss vom Deutschen Basketball-Bund (DBB). Der litauische Nationaltrainer Kazys Maksvytis: „Ich verstehe immer noch nicht, wie uns die Schiedsrichter einen Freiwurf beim technischen Foul nicht ausführen lassen." Der europäische Verband wird sich mit dem Protest befassen. dpa