Am Flughafen in Stockholm wurde es am Mittwoch für die deutschen Biathleten kurz etwas hektisch. „Wenn man mit Waffen reist, ist alles immer ein bisschen komplizierter“, sagt Janina Hettich. Die Gewehre durften nämlich nicht zum ersten Weltcup-Ort nach Östersund durchreisen wie das restliche Gepäck, sondern mussten abgeholt und nochmal aufgegeben werden.

Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch. „Wir sind alle froh, dass es endlich losgeht“, sagt Janina Hettich. Mit Benedikt Doll und Roman Rees vertritt die 25-Jährige die Schwarzwald-Fraktion im deutschen Team. Dank ihrer konstanten Leistungen in der vergangenen Saison, gekrönt von Staffel-Silber bei der WM, war sie für den Weltcup-Auftakt gesetzt. Das brachte Ruhe in die Vorbereitung.

Sommer mit Schönheitsfehler

„Eigentlich war der Sommer richtig gut“, erzählt sie. Eigentlich. Denn nachdem Janina Hettich in Altenberg den deutschen Meistertitel im Sprint gewonnen hatte, kam ein Tiefschlag. Ein Ermüdungsbruch im Fuß. „Aber es war am Ende nicht so dramatisch, wie es sich anhört“, sagt die 25-Jährige. Sie wollte das auch nicht groß thematisieren. Denn zumindest geschah die Verletzung zu einem, wenn man so will, günstigen Zeitpunkt, nämlich am ersten Urlaubstag: „Meine Ärztin hat das gut hinbekommen. Ich konnte schon bald wieder leicht trainieren“, sagt sie.

Das Gros des deutschen Frauenteams hat viel Zeit miteinander verbracht. Man versteht sich, die Chemie stimmt. Das ist auch ein Grund, warum Janina Hettich nicht mehr zur Trainingsgruppe am Notschrei gehört. Was nicht heißt, dass sie am Bundesstützpunkt nicht weiterhin anzutreffen ist: „Wenn ich zuhause bin, schau ich halt, was besser passt.“ Zu ihrer Heim-Anlage in Schönwald, wo auch der baden-württembergische Nachwuchs trainiert, ist es von Lauterbach einfach näher. Dann sei sie auch mal in Ruhpolding, am Notschrei und vor allem viel auf Lehrgängen.

Zuletzt wurde in der Schweiz auf Schnee gelaufen, es folgte Obertilliach mit den ersten Testrennen. Janina Hettich startete nur bei einem, war da aber die Beste: „Da hatte ich ein gutes Gefühl, und es hat mir schon Selbstvertrauen gegeben, weil ich natürlich nicht genau weiß, wo ich nach der Verletzung stehe.“ Zum Weltcup-Auftakt in Östersund sind sieben Damen dabei, da Vanessa Voigt als IBU-Cup-Siegerin ein persönliches Startrecht hat. Am Wochenende drauf am gleichen Ort, muss eine zurück in die IBU-Cup.

Das große Ziel in dieser Saison sind natürlich die Olympischen Spiele im Februar. Jetzt gehe es aber erst einmal um einen guten Start. Sicherheit gewinnen, vor allem am Schießstand: „Im Laufen muss ich dann sehen, was geht.“  Das gilt auch für Benedikt Doll, der beim Schießen in der vergangenen Saison eher einer Wundertüte glich. Mit dem Selbstvertrauen tanken hat es zuletzt bei den Tests der Männer im finnischen Muonio für ihn in diesem Bereich nur bedingt geklappt: „Leider habe ich nicht so gut geschossen wie ich wollte.“ Da sei durchaus „Potenzial nach oben.“ Peking sei vorerst für ihn noch weit weg: „Mein Blick ist bis Weihnachten auf die Weltcups gerichtet.“

Hoffen auf Zuschauer

Wie alle Sportler hoffen die Biathleten auf eine weitgehend normale Saison. „Die Corona-Regeln sind fast dieselben geblieben. Alle sind sehr vorsichtig unterwegs“, erzählt Janina Hettich. Sie ist längst vollständig geimpft, getestet wird vor der Anreise trotzdem immer. „Ich wünsche mir  natürlich, dass auch Zuschauer dabei sein können. Aber ich kann das momentan schlecht einschätzen“, sagt die 25-Jährige.

Einen großen Unterschied mache es in jedem Fall: „Ich bin ja in Oberhof auch mit Zuschauern Weltcup gelaufen. Da hast du einfach Gänsehaut, wenn du da läufst. Letzte Saison war es am Birxsteig totenstill. Das war schon seltsam.“ Es sind aber auch Kleinigkeiten, die anders sind, verrät Hettich: „Wenn keine Zuschauer da sind, musst du in der Staffel ständig auf die Uhr schauen und kannst nur schätzen, wie weit sie sind. Sonst hört man das.“

In Östersund steht am Samstag ein Einzel-Wettkampf und am Sonntag ein Sprint an. Am 2. Dezember beginnt der zweite Block in Schweden. Dann sind auch die ersten Staffeln angesetzt.

Neue Gesichter und alte Recken


Verjüngt Im Team der Frauen ist mit Denise Herrmann (32) nur noch eine Sportlerin über 30 Jahre alt. Die Jüngsten sind Jule Frühwirt (23) und Vanessa Voigt (24). Die größten Hoffnungen trägt Franziska Preuß (27). Bei den Männern sind Erik Lesser (33) und Benedikt Doll (31) die „Senioren“. Justus Strelow, der sich wie Philipp Horn (27) in der internen Qualifikation durchsetzte, ist mit 25 Jahren der Jüngste.

IBU-Cup Im IBU-Cup sind die 21-jährige Lisa Spark (Traunstein) sowie Junioren-Weltmeister Philipp Lipowitz (22/Ulm) und Danilo Riethmüller (Clausthal) die Jüngsten. Auch Hanna Kebinger (Partenkirchen), die am Freitag 24 Jahre alt wird, zählt neben den erfahrenen um Franziska Hildebrand (Clausthal/34) zur jüngeren Garde.

International Die Norweger um Johannes Thingnes Bö und Sturla Holm Lägreid sind neben den Franzosen favorisiert. Bei der Saisoneröffnung in Sjusjoen schwächelten beide: Bö war krank, Lägreid noch nicht ganz fit.