Als die spontane Gummersbacher Aufstiegsparty ihren feucht-fröhlichen Höhenpunkt erreichte, machte sich Heiner Brand mit seiner Frau Christel aus dem Staub. „Ich wollte nüchtern bleiben“, sagte Brand am Mittwoch mit einem Augenzwinkern. Ein Pils hatte sich die Klubikone auf die Bundesliga-Rückkehr seines Herzensvereins nach drei schmerzhaften Jahren in der Zweitklassigkeit aber genehmigt. „Ich freue mich diebisch“, sagte Brand. „Der VfL Gummersbach gehört in die Handball-Bundesliga wie Schalke 04 in die erste Liga im Fußball.“ Die HBL, das ist seit dem „Sofa-Aufstieg“ der Gummersbacher am Dienstagabend sicher, ist ab der kommenden Saison wieder um eine Attraktion reicher. „Ich freue mich außerordentlich, dass mit dem VfL Gummersbach eine der großen Marken des deutschen Handballs in die stärkste Liga der Welt zurückkehrt“, sagte der legendäre frühere VfL-Keeper Andreas „Hexer“ Thiel. „Das tut der gesamten Bundesliga gut.“ Nach einem 27:27 (13:13) von Verfolger ASV Hamm-Westfalen beim TV Großwallstadt brachen in Gummersbach alle Dämme. Die Mannschaft von Trainer Gudjon Valur Sigurdsson hatte sich zum Public Viewing getroffen. Und als der erste Aufstieg der Klub-Geschichte besiegelt war, tanzte das Team um das deutsche Supertalent Julian Köster wild johlend durchs Lokal.

Nach 33 von 38 Spieltagen führt Gummersbach die Zweitligatabelle souverän mit elf Punkten Vorsprung uneinholbar an. „Der Trainer ist gut, der Geist ist gut, das Vertrauen der Zuschauer ist da“, sagt Brand, schickt eine Warnung aber gleich hinterher: „Das Wichtigste ist es nun, bescheiden zu bleiben. Oberstes Gebot ist zunächst der Klassenerhalt.“

Zwölfmaliger Meister

Szenen wie vor drei Jahren, als der große VfL, zwölfmaliger deutscher Meister und elfmaliger Europacup-Champion, der große Dominator der 1960er, 70er und 80er Jahre, erstmals in die Zweitklassigkeit rutschte, wollen sie im Oberbergischen nicht noch einmal erleben. Umso wichtiger wäre der Verbleib des erst 22-jährigen Ausnahmekönners Köster, der mit seinem unbekümmerten Spiel zum Gesicht des Gummersbacher Aufschwungs geworden ist. Architekten des neuerlichen Aufschwungs beim VfL sind der frühere Weltklassespieler Sigurdsson und Geschäftsführer Christoph Schindler. Sigurdsson zeichnet seit 2020 für das Sportliche verantwortlich, Schindler führt den Klub seit nunmehr fünf Jahren mit ruhiger Hand. Die Rückkehr ins Oberhaus war von Beginn an am Reißbrett geplant – nun, nach zwei vergeblichen Anläufen (Plätze 4 und 3), klappte es. Und so war es Schindler höchstpersönlich, der dem Team am späten Dienstagabend eine rauschende Party verordnete. sid