Dass sie nach 47 Jahren den ersten Weltmeistertitel für Deutschland in der Rhythmischen Sportgymnastik holen konnte, verdankt Darja Varfolomeev ihrem Fleiß, ihrem Talent und ihrer Mutter. „Wegen ihr habe ich einen deutschen Pass. Und deshalb sind wir vor drei Jahren zu zweit nach Deutschland gekommen“, erzählte die 15-Jährige schon vor der WM in Sofia. Dort gewann sie fünf Medaillen – darunter Gold mit den Keulen und Silber im Mehrkampf.

„Das ist ein sehr schöner Moment für mich und für ganz Deutschland“, sagte Varfolomeev: „Ich bin froh, dass ich gut durch alle Geräte gekommen bin. Ich kann gar nicht mehr sagen, denn meine Gefühle sind am höchsten Punkt angekommen.“ Für den Deutschen Turner-Bund sicherte die im westsibirischen Barnaul geborene Gymnastin einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. „Darja hat Nerven aus Stahl“, lobte Teamchefin Isabell Sawade.

Die deutsche Gymnastik-Szene ist dominiert von den Einflüssen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Varfolomeevs Weg nach Fellbach-Schmiden ist durchaus nicht ungewöhnlich. Mittlerweile sind Vater, Bruder und der Familienhund nachgekommen. Nur die Großeltern väterlicherseits sind in Sibirien geblieben. Varfolomeev: „Vor jedem Wettkampf rufe ich meine Oma an, damit sie genau weiß, wann sie die Daumen drücken muss.“

Nicht nur weil die deutsche Sprache für sie noch schwierig ist, mag sich Varfolomeev zur Situation ihrer früheren Trainingskolleginnen in Russland nur ausweichend äußern, direkte Kontakte gebe es nicht: „Ich lese, dass es ihnen schlecht geht – aber so ist es nun mal.“

Die anderen vier WM-Titel gingen an die Italienerin Sofia Raffaeli – die schon 2021 die einzige Einzelmedaille geholte hatte, die nicht nach Russland oder Weißrussland gegangen war. sid