Heidenheim / Manuela Wolf Am vergangenen Wochenende kamen über 800 Schwimmer zum sportlichen Kräftemessen in die Aquarena. Auch für Heidenheim gab es Medaillen.

Wenn die Stadtwerke Heidenheim und der SV Heidenheim 04 zum internationalen Schwimmfest in die Aquarena einladen, ist das ein Kraftakt sondersgleichen. Hunderte Schwimmer und Dutzende Helfer müssen koordiniert werden. Wer bringt Kuchen mit? Wurden alle Startgebühren bezahlt? Stehen ausreichend Kampfrichter zur Verfügung? Auf welcher Bahn schwimmt welcher Sportler? Viele Ehrenamtliche nehmen sich extra Urlaub, damit die zweieinhalb Tage Schwimmfest reibungslos verlaufen.

Auch für Karl Niederberger, einst erfolgreicher Wasserballer und nach wie vor Trainer beim SV Heidenheim 04, ist die Großveranstaltung mit viel Arbeit verbunden. Seit deren Gründung im Jahr 1992 ist er Mitglied im Organisationsteam und während der Wettkämpfe IT-Verantwortlicher und Protokollführer. „Es wird immer schwieriger, Helfer zu finden“, sagt er. „Früher war es für die Eltern selbstverständlich, mitzuhelfen. Heute wird der Verein als billiger Abstellplatz für Kinder gesehen. Neulich habe ich ein Kind gefragt, warum es ins Training kommt, wo es doch gar keine Lust auf diesen Sport hat. Die Antwort war, dass die Mama auch mal Zeit für sich braucht.“

Vereinskasse aufgebessert

Trotzdem wird es das Schwimmfest auch in den nächsten Jahren geben, sagt Niederberger. In der Hauptsache, weil sich damit das Geld verdienen lässt, das fürs Wettkampfschwimmen dringend benötigt wird. Pro Start werden sieben Euro Gebühr fällig, es gab über 4000 Starts am vergangenen Wochenende. Die Ausgaben liegen bei etwa 10 000 Euro. Man muss kein Rechenprofi sein um zu sehen, dass da ein ordentlicher Betrag übrigbleibt für die Vereinskasse.

Aber es geht natürlich auch um die Kinder. Wenn kein Verein mehr bereit ist, Wettkämpfe dieser Art auszurichten, findet dann das sportliche Kräftemessen nur noch per Austausch von gemessenen Schwimmzeiten statt? Für die SVHler undenkbar. So ein Platz auf dem Siegertreppchen macht doch erst dann richtig Spaß, wenn er erklommen und mit einer Medaille belohnt wird. Und davon gab es für die Heidenheimer Sportler einige.

Laurin Oberlader auf Platz eins

Wie erwartet, zeigte sich Laurin Oberlader leistungsstark. Er schaffte es auf Platz eins über 100 Meter und damit ins Finale, hier wurde er Fünfter. Ebenfalls in den Endlauf kam er über 50 Meter Freistil und schwamm schließlich auf Platz sechs. Auch über 100 Meter Schmetterling (Platz drei), 200 Meter Freistil (Platz fünf) und 200 Meter Lagen (Platz neun) behauptete er sich gegen die Konkurrenz aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz und erreichte gute vordere Plätze.

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Sein Jahrgangskollege Max Kiesel war mit zwei Finalteilnahmen ähnlich erfolgreich. Über 100 Meter Brust belegte er Platz drei und zog ins Finale ein, wo er als Siebter ins Ziel kam. In der offenen Wertung über 50 Meter Brust wurde er Achter und belegte im Endlauf Platz acht. Starke Leistung auch über 200 Meter Brust und Lagen, dort erreichte er jeweils Platz fünf, über 100 Meter Schmetterling wurde er Siebter. Die meisten Erstplatzierungen erkämpfte sich übrigens Alexander Schröder (Jahrgang 2009). Er siegte über 200 Meter Lagen, 100 Meter Brust, 200 Meter Freistil und 200 Meter Brust. Über 100 Meter Freistil wurde er Zweiter.

Hitze, Hitze, Hitze

Dass während des Schwimmfestes draußen die Sonne lachte, freute auch die Organisatoren drinnen. So konnten sich die Sportler auch im Freien aufwärmen oder Wartezeiten überbrücken, und diese Möglichkeit wurde rege genutzt. Rund um die Außenbecken, im Sauna-Freigelände und vor dem Haupteingang saßen Leute in der Sonne und ließen sich ihr Vesper schmecken. Denn drinnen war kaum mehr ein Plätzchen frei, überall Menschen, Campingstühle, Handtücher. Und dazu diese Hitze! Karl Niederberger klebt das T-Shirt am Leib: „Ein Glück, dass die Leute nach draußen können, ich will mir gar nicht vorstellen, wie es bei schlechtem Wetter wäre.“

Er hat in 28 Jahren Schwimmfest Routine wie kein Zweiter gesammelt. Aber an diese drückende Luft wird er sich wohl nie gewöhnen.