Heidenheim / Thomas Jentscher Für etwas Verwirrung sorgte bei den Fechtertagen eine neue Anordnung des Weltverbandes.

Im durchaus erstrebenswerten Bemühen, die Gefechte attraktiver zu Machen, hatten sich die Funktionäre des internationalen Fechtverbandes FIE etwas einfallen lassen – jedoch etwas recht kompliziertes.

Die Zuschauer kennen das: Nach ersten Aktionen führt ein Fechter mit zwei, drei Treffern. Nun will er diesen Vorsprung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, sein Gegenüber rätselt noch, was bisher schief gelaufen ist und sehnt die Pause nach den ersten drei Minuten herbei. Die Folge: Starre auf der Planche, beide Akteure belassen es bei Drohgesten. Um den Betrachtern die fechterische Immobilität zu ersparen, ist mittlerweile ein vorzeitiger Abbruch des Kampfdrittels erlaubt – entweder durch den Obmann oder durch ein Einverständnis der Duellanten, das sogenannte Abgrüßen.

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Doch das war dann auch nicht im Sinne der Funktionäre, schließlich soll dem (Fernseh-)Zuschauer auch ein gehöriges Maß an Kampfzeit geboten werden. Deshalb gilt nun: Wenn eine Minute kein Treffer fällt oder die Fechter Abgrüßen, wird eine Verwarnung verhängt. Beim ersten Mal eine gelbe Karte, dann eine rote (Straftreffer), noch eine rote und beim vierten Vergehen die schwarze Karte, die eine Disqualifikation nach sich zieht.

Bis hin zur Disqualifikation

Bei Gleichstand werden immer beide Fechter bestraft, sollte aber ein Akteur zurück liegen, so bekommt nur er die gelbe Karte zu sehen. Beim zweiten Vergehen sehen dann beide rot – das klingt nicht ganz schlüssig. So ganz ausgereift ist die Regel wohl noch nicht, auch bei den Obleuten gab es während der Heidenheimer Fechtertage verschiedene Auffassungen, wie die Anordnung umgesetzt werden soll. Die Regel gilt auch erst seit dem Wochenende, die Ergebnisse werden jetzt ausgewertet. Zwölf Monate vor den Olympischen Spielen muss dann alles klar sein.

Aber auch wenn noch Unsicherheiten bestehen: Die Regel erzielte bereits Wirkung, die Fechter zeigten sich allein durch die Unsicherheit deutlich aktiver, keiner wollte eine Bestrafung riskieren. Somit gilt: Klar ist noch nichts, aber der Zweck ist erfüllt.