Obwohl die vielen internationalen Athleten Heidenheim nach den Fechtertagen längst wieder verlassen haben, bleiben einige Gesichter in Erinnerung. Einer dieser Fechter ist Conrad Seibaek Kongstad. Der Däne erlebt aktuell die beste Saison seiner Karriere, die in der Vergangenheit nicht gerade geradlinig verlief. Beim Einzelweltcup in der Herbrechtinger Bibrishalle spielte er wieder eine gute Rolle in der Weltspitze und erreichte einen starken 16. Platz.
Seine sportliche Laufbahn begann er nicht mit dem Degen, sondern mit einer anderen Waffenart: dem Florett. In seiner Nachwuchszeit sammelte er beachtliche Erfolge, darunter einige Siege bei Junioren-Weltcups. Als Aktiver blieben die Topergebnisse aber zunächst aus. 2020 folgte der Wechsel zum Degen – eine Entscheidung, die sich auszahlen sollte. Auf die Topergebnisse musste er aber trotzdem noch einige Jahre warten. Sein Durchhaltevermögen sollte sich jedoch auszahlen: Im Januar dieses Jahres gelang ihm der langersehnte Befreiungsschlag. Beim Weltcup in Fujairah feierte Kongstad – der in Kopenhagen lebt und als Bautechniker arbeitet – seinen allerersten Weltcup-Sieg. Der Überraschungscoup in den Vereinten Arabischen Emiraten war zugleich der erste Erfolg eines dänischen Degenfechters in der Weltcup-Geschichte.
Wegen Geldmangel: Training ohne festen Nationaltrainer
Dieser Erfolg sowie ein starker siebter Platz im Mannschaftswettbewerb, bei dem sich das dänische Team unter anderem gegen den Weltranglistenersten aus Japan behauptete, gaben nicht nur ihm, sondern dem gesamten dänischen Fechtsport neue Hoffnung. Die Sportart durchlebt derzeit auch strukturell schwierige Zeiten. Die dänische Nationalmannschaft arbeitet wegen fehlender finanzieller Mittel ohne festen Nationaltrainer.

Unterstützung erhält das Team auf unkonventionelle Weise: Mia Maja Frederiksen, Ehefrau von Kongstads Teamkollege Patrick Jörgensen, bringt sich in die Arbeit der Mannschaft ein. „Wir haben mit ihr eine gute Synergie und ein gutes Verhältnis aufgebaut“, sagt der 29-Jährige. Ihr Fokus liegt auf dem Mentaltraining und auf der gemeinsamen Teamarbeit. Aufgrund ihrer Vergangenheit als ehemalige Profi-Handballerin bringe sie zudem ein hervorragendes Gespür für die Körpersprache und Bewegungsmuster der Gegner mit, sagt Kongstad.
Wiedersehen mit Ferenc Toth im Heidenheimer Fechtzentrum
Allerdings folgte nach dem Erfolg wieder ein sportlicher Dämpfer. Beim Grand Prix in Doha (Katar) kam Kongstad nicht über Platz 83 hinaus. Vielleicht kam dieser auch genau zur richtigen Zeit. Der kleine Rückschlag hat ihm nach eigener Aussage dabei geholfen, seine hohen persönlichen Erwartungen realistisch einzuordnen und den Druck etwas von ihm zu nehmen.

Wie Unfallchirurg Alexander Failenschmid bei den Heidenheimer Fechtertagen bei einem Notfall geholfen hat
Neue Impulse erhielt der Rechtshänder bei einem fünftägigen Trainingslager in Heidenheim. Im Fechtzentrum traf er bei mehreren intensiven Einheiten auf einen alten Bekannten. HSB-Trainer Ferenc Toth, der ihn in der Vergangenheit schon als dänischer Nationaltrainer betreut hatte, stärkte sein angekratztes Selbstbewusstsein – was sich in den Turniertagen auszahlen sollte. Nach einem überzeugenden Start und dem Erreichen des zweiten Wettkampftages unterlag er erst in der Runde der besten 16 dem japanischen Olympiasieger Koki Kano. Sein Fazit fiel trotzdem positiv aus: „Es ist der hochklassigste Weltcup der Saison, deshalb bin ich sehr zufrieden mit meiner Leistung.“
Heimatgefühle auf der Ostalb
Aber nicht nur das Turnier gefällt Kongstad, auch die Stadt Heidenheim hat es dem dänischen Nationalfechter angetan. „Wir sind in jedem Jahr in der gleichen Unterkunft, es fühlt sich fast wie eine zweite Heimat an“, sagt er. Außerdem schwärmte er vom Heidenheimer Herbst- und Winterdorf, das er während des Coupe d’Europe im vergangenen Oktober mit der dänischen Mannschaft besuchte.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt für den 23. der Weltrangliste aber im Rückblick. In der Woche vor den Fechtertagen wollte er mit seinen dänischen Teamkollegen das Finale der Handball-EM zwischen Dänemark und Deutschland in gemütlicher Runde schauen. Eine Sportsbar, in der sie inmitten vieler deutscher Fans ihre Nationalmannschaft tatkräftig unterstützen konnten, suchten sie aber vergeblich. Sportlich jedoch hat Conrad Kongstad in Heidenheim genau das gefunden, was ihm zuletzt gefehlt hatte: Stabilität und viel Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.


