dpa Der Italiener gewinnt in Nancy die vierte Etappe im rasenden Sprint. Teamkollege Julian Alaphilippe aus Frankreich verteidigt mit Erfolg das Gelbe Trikot. Erneut hat der Slowake Peter Sagan das Nachsehen.

André Greipel war wieder nur eine Randfigur, auch Peter Sagan streckte sich vergeblich: Die Ovationen gehörten beim ersten echten Sprint royal der 106. Tour de France in Nancy dem Italiener Elia Viviani. Mit einem unwiderstehlichen Antritt ließ der Radprofi aus dem Team Deceuninck-Quick Step die Konkurrenten fast stehen und feierte am Ufer der Meurthe den ersten Tour-Etappensieg seiner Laufbahn. Greipel verpasste einen Platz unter den besten Zehn und landete als bester deutscher Fahrer auf Rang zwölf. „Ohne starke Mannschaft ist es schwer. Es war chaotisch, jeder hat die Ellenbogen ausgefahren“, klagte Greipel über die aus seiner Sicht unzureichende Unterstützung im französischen Team Arkea-Samsic. Auch zum Auftakt in Brüssel war er an einem Top-Resultat vorbeigefahren.

Viviani setzte sich in dem aufregenden Hochgeschwindigkeitsfinale der vierten Etappe nach 213,5 km knapp vor dem Norweger Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) und dem Australier Caleb Ewan (Lotto-Soudal) durch und bescherte seiner Mannschaft nach dem Tageserfolg von Julian Alaphilippe in Epernay den zweiten Sieg in Folge. Alaphilippe behauptete das Gelbe Trikot und trägt es am Mittwoch in Richtung Colmar.

Einziger deutscher Etappensieger in Nancy bleibt Rolf Gölz (1988). „Ich freue mich über alles Positive bei dieser Tour, aber heute habe ich leider keine Lücke gefunden“, sagte Greipel. Der Slowake Sagan aus der deutschen Bora-hansgrohe-Mannschaft kam auf Rang vier und behauptete das Grüne Trikot. Das Teilstück am Dienstag war der nächste Beleg dafür, dass die deutsche Sprinterherrlichkeit erst einmal vorüber ist. Marcel Kittel und John Degenkolb fehlen dieses Jahr, der aufstrebende Pascal Ackermann wird frühestens 2020 sein Tour-Debüt feiern – und Greipel ist nicht mehr der Alte.

Der Rostocker ist anders als in den Vorjahren nur mit bescheidenen Zielen unterwegs. Der elfmalige Tour-Etappensieger fährt der Form der Vergangenheit hinterher. „Ich bin realistisch. Ich habe ein durchwachsenes Jahr hinter mir. Ein Etappensieg wird schwer“, hatte der 36-Jährige gesagt. Vor dem spannenden Finale hatte sich das für Flachetappen oft typisch eintönige Szenario entwickelt. Drei Profis, darunter der Schweizer Michael Schär, suchten ihr Heil in der Flucht – trotz der von vornherein ungünstigen Aussicht auf Erfolg. Im Peloton diktierte ähnlich wie am Montag der deutsche Zeitfahrspezialist Tony Martin (Cottbus) vom Team Jumbo-Visma über Stunden das Tempo und hielt den Abstand unter Kontrolle.

Ein Sturz etwa zur Etappenmitte sorgte bei Bora für einen kurzen Schreck, denn der österreichische Meister Patrick Konrad war betroffen, neben Emanuel Buchmann der Hoffnungsträger auf einen Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Konrad verletzte sich aber nicht ernsthaft.

„Der Sieg bedeutet mir eine Menge. Das war das große Ziel in diesem Jahr. Ich musste nur noch meinen Job erledigen“, sagte am Ende ein überglücklicher Viviani, der die italienische Serie in Nancy fortsetzte. Zum sechsten Mal bei 16 Ankünften siegte ein Fahrer aus Italien. Zweiter, Fünfter und nun Vierter – dem dreimaligen Weltmeister Sagan bleiben dagegen nur die so ungeliebten Trostpreise. Schon 2014 hatte er in Nancy den Sieg ganz knapp verpasst, damals sogar im Fotofinish. sid/dpa

Beliebtes elsässisches Etappenziel für die deutschen Fans

Die Sprinter hatten bei der 106. Tour de France bereits ihre Bewährungschance, am Mittwoch rücken die schnellsten Fahrer im Feld vorerst in den Hintergrund. Die 175,5 km lange fünfte Etappe von Saint-Die-des-Vosges nach Colmar (von 13.15 Uhr an/One und Eurosport) führt das Feld in das Herz der Vogesen – und prüft erstmals die Kletterfähigkeiten der Profis.

Vier Bergwertungen stehen auf dem Plan. Mit der Haut-Koenigsbourg und Trois-Epis sind dabei auch zwei Anstiege der zweiten und bislang höchsten Kategorie zu meistern. Das Terrain bietet einer Fluchtgruppe Chancen auf einen Tageserfolg. Saint-Die-des-Vosges feiert seine Premiere als Tour-Startort.

In Colmar, wo traditionell auch viele Zuschauer aus dem nahen Deutschland erwartet werden, macht die Tour de France bereits zum achten Mal Station. Die Stadt nahe der Landesgrenze gilt als ein Zentrum der elsässischen Weine. Im Jahr 2009 gewann hier Heinrich Haussler eine völlig verregnete Tour-Etappe.