Covid-19 und seine Folgen: Schwergewichtler Rizvan Abakarov liegt ungeimpft auf einer Intensivstation. Um anderen dieses Schicksal zu ersparen bitten seine Familie und seine Freunde: „Bitte lasst euch impfen.“

Vorneweg: Die Überlebenschancen des Familienvaters sind gering. „Aber es gibt immer wieder Wunder“, sagt sein gesetzlicher Betreuer Eduard Marker vom HSB, der ein enger Freund der Familie ist. Und genau dieses Wunder braucht Rizvan Abakarov, der seit dem 22. Oktober im künstlichen Koma liegt.

Als politisch Verfolgter flüchtete er 2012 gemeinsam mit seiner Frau, seiner Mutter und seinem damals achtjährigen Sohn aus der Republik Dagestan im Nordkaukasus nach Deutschland. Der Weg führte die Familie zunächst in ein Flüchtlingslager in Kassel. Kurz darauf wurden sie in ein Flüchtlingsheim in der Heidenheimer Voithsiedlung gebracht. Dort trafen HSB-Samboabteilungsleiter Eduard Marker und Rizvan Abakarov das erste Mal aufeinander.

Umzug nach Hermaringen

„Rizvan hat mir damals als ehrenamtlicher Trainer dabei geholfen, das Samboprojekt in Giengen aufzubauen“, sagt Marker. Kurze Zeit später wurde er Mitglied im HSB, um an Wettkämpfen teilnehmen zu können. Die Familie bekam ein zweites Kind und zog nach Hermaringen.

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Auch nach einem Kreuzbandriss war Abakarov weiter sportlich aktiv, zwar nicht mehr auf Wettkampfebene aber dennoch im Trainingsbetrieb. Er engagierte sich beim Projekt „Imbiss Blickfeld“, half bei der Samboabteilung als Übungsleiter aus und war bei Wettkämpfen dabei. Abakarov war vollkommen gesund, hatte keine Vorerkrankung. Das war auch mit einer der Gründe, warum der Mann sich hatte nicht impfen lassen. Jetzt liegt er seit knapp vier Wochen im Koma.

Sambosportler Rizvan Abakarov im HSB-Dress.
Sambosportler Rizvan Abakarov im HSB-Dress.
© Foto: HSB

Kurz zuvor hatte sein Sohn sich in der Schule mit Corona angesteckt. „Es begann mit Fieber und Kopfschmerzen und mein Sohn wollte nicht essen“, erzählt seine Frau Diana Abakarova über einen Übersetzer, da sie nahezu kein Deutsch spricht. Auch der Rest der Familie infizierte sich mit dem Virus. Während die sechsjährige Tochter als Einzige gesund blieb, erkrankten neben Rizvans Abakarov auch seine Frau Diana und seine Mutter.

„Bei Rizvan hat es mit Fieber und Husten angefangen“, sagt seine 37-jährige Frau. „Unserem Sohn ging es schnell besser und wir dachten, dass es bei Rizvan auch zügig wieder bergauf geht.“ Rizvan Abakarovs Husten wurde allerdings immer schlimmer und seine Kräfte verließen ihn. „Er war schließlich so schwach, dass er alleine nicht mehr aufstehen konnte“, erklärt Eduard Marker, der mit der Familie in ständigem Kontakt steht.

Mit dem Rettungswagen kam er ins Klinikum nach Heidenheim, wurde von dort aber nach Aalen gebracht und ins künstliche Koma versetzt. Auch Rizvan Abakarovs Mutter erkrankte so schwer, dass sie auf der Intensivstation im Heidenheimer Klinikum behandelt werden musste. Inzwischen ist ihr Zustand stabil.

Rizvan Abakarov: Wegen Corona an der Lungen-Maschine in Ulm

Während sich seine Mutter langsam erholte, ging es dem Sambo­sportler selbst immer schlechter. Um eine bessere Versorgung gewährleisten zu können, wurde er von Aalen aus ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm verlegt. Weil sich sein Zustand aber weiter verschlechterte, wurde er erneut verlegt und ist nun seit rund zwei Wochen an eine Lungen-Maschine (künstliche Lunge) in der Uniklinik Ulm angeschlossen.

Gerade weil Diana Abakarova kaum Deutsch spricht und der Sohn noch minderjährig ist, wurde Eduard Marker als gesetzlicher Betreuer bestellt, um in Absprache mit der Familie Entscheidungen im Interesse des 38-jährigen treffen zu können. Täglich telefoniert er mit der Corona-Intensivstation an der Uni Ulm und erkundigt sich nach dem Zustand von Rizvan Abakarov.

Wegen Corona auf Intensiv: Kaum Hoffnung für 38-Jährigen

Dessen Zustand ist äußerst kritisch. „Die Ärzte sagen, dass es kaum Hoffnung für ihn gibt“, erzählt Eduard Marker. Nur zwei von zehn ungeimpften Patienten, die intensiv liegen und invasiv beatmet werden, würden die Station lebend verlassen.

„Rizvan bekommt die bestmöglichste Behandlung, die Maschinen laufen auf 100 Prozent, die Mediziner tun wirklich alles, damit er wieder gesund wird – dennoch ist sein Gesundheitszustand auf dem untersten Level“, sagt Marker. „Seine Lunge arbeitet nicht mehr und er hat trotz der Maschine zu wenig Sauerstoff im Blut.“

Die Hoffnung, dass Rizvan wieder nach Hause kommt, wollen die Abakarovs nicht aufgeben. Weil die Familie ihn nicht besuchen darf, haben sie ihm nun Sprachnachrichten aufgenommen. Seine Mutter, die die Intensivstation selbst vor wenigen Tagen erst verlassen konnte, sagt ihm auf diesem Weg: „Mein Kind, ich bete jeden Tag für dich. Wir stehen alle unter Schock und sind sehr traurig. Möge Gott dir helfen um gesund zu werden.“

Und auch Eduard Marker hat einen Wunsch: „Bitte lasst euch impfen! Wenn ich sehe, wie die Familie leidet – zwischen ständigem Hoffen und Bangen, ob der Papa geht oder bleibt – kann ich allen nur dringend ans Herz legen, sich impfen zu lassen, damit anderen dieses Schicksal erspart bleibt.“

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Über 3300 Patienten auf Intensivstationen


Die Situation in den Krankenhäusern spitzt sich immer weiter zu. Nach Angaben des Intensivregisters DIVI mit Stand vom 17. November sind deutschlandweit 3367 Covid19-Patientinnen und Patienten (Erwachsene und Kinder) in intensivmedizinischer Behandlung. Rund 50 Prozent der der Erkrankten müssen derzeit invasiv beatmet werden. Allein in Baden-Württemberg stieg die Zahl der Patienten, die beatmet werden müssen auf 201 Personen.