dpa Trotz Aufholjagd und einiger extrem starker Leistungen wie den 7,11 Metern im Weitsprung durch Malaika Mihambo muss die deutsche Mannschaft bei der Team-EM Gastgeber Polen Platz eins überlassen.

Die deutschen Leichtathleten haben bei der Team-EM im polnischen Bydgoszcz trotz einer erneut überragenden Malaika Mihambo die erfolgreiche Titelverteidigung verpasst. Mit einem starken Schlusstag rückte die DLV-Auswahl zwar noch von Platz fünf auf zwei vor, hatte aber mit 317,5 Punkten deutlichen Rückstand auf den neuen Europameister Polen (345).

Die gebürtige Heidelbergerin Mihambo (LG Kurpfalz), die eine Woche zuvor bei der deutschen Meisterschaft in Berlin mit 7,16 Metern auf Platz drei der "ewigen" deutschen Bestenliste geklettert war, sorgte für einen der drei deutschen Einzelerfolge am Sonntag. Ihre Siegesweite von 7,11 m war allerdings einen Hauch zu stark vom Wind unterstützt (+2,2 Meter pro Sekunde), doch auch mit ihren beiden weiteren gültigen Versuchen von 6,88 und 6,86 Meter hätte die 25-Jährige gesiegt.

Im Ring nicht zu schlagen

"Es ist toll, mit so einem großen Vorsprung zu gewinnen", sagte Mihambo, die vor der Britin Abigail Irozuru (6,75) triumphierte: "Für mich ist die Team-EM etwas Besonderes, sonst treten wir immer für uns selbst an, hier für die Mannschaft." Sie deklassierte die Konkurrenz regelrecht,

Kugelstoß-Mama Christina Schwanitz war unterdessen im Ring nicht zu schlagen, und Hanna Klein aus Schorndorf lief über 5000 Meter allen davon. Dank geballter Frauen-Power haben sich Deutschlands Leichtathleten aus Bydgoszcz verabschiedet.

„Es hat viel Spaß gemacht. Ich freue mich, dass wir noch so weit nach vorne gerückt sind“, sagte Mihambo. Und DLV-Cheftrainer Alexander Stolpe lobte: „Das war eine große Aufholjagd.“ Nach zwei von drei Wettkampftagen hatte das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes nur auf Rang fünf gelegen.

Das erfolgreiche Frauen-Trio erhöhte am Sonntag das DLV-Konto auf insgesamt sechs Siege. Zuvor hatten Gesa Felicitas Krause über 3000 Meter Hindernis, Diskuswerferin Claudine Vita und Speerwerfer Julian Weber für Einzelerfolge gesorgt.

WM-Ambitionen untermauert

Für das absolute Glanzlicht sorgte Mihambo, die vor allem auch ihre (Gold-)Medaillenambitionen für die Weltmeisterschaften vom 28. September bis 6. Oktober in Doha noch einmal eindrucksvoll untermauert hat. „Ich denke schon, dass ich die Form halten kann, denn im Kraftbereich bin ich noch gar nicht am Maximum“, sagte die Baden-Württembergerin, die auch von ihrer außergewöhnlich großen Schnelligkeit profitieren kann. „Es sieht gut aus im Trainingsplan.“

Trotz ihres Erfolges nicht ganz zufrieden war Schwanitz, die mit 18,93 Metern erneut knapp die 19-Meter-Marke verpasste. „Es passt technisch noch nicht. Daran arbeiten wir bis Doha“, sagte die 33 Jahre alte Mutter von Zwillingen.

Eine gute Vorstellung lieferte Klein über 5000 Meter ab. In einem taktischen Rennen spielte die 26-Jährige ihre Stärken auf der Schlussrunde aus und lief in 15:39,00 Minuten als Erste durch das Ziel. „Das Rennen war wie erhofft nicht so schnell. Auf den letzten 300 Metern ist alles aufgegangen“, sagte Klein.

Auch Cindy Roleder strahlte nach ihrem zweiten Platz über 100 Meter Hürden in der persönlichen Saisonbestzeit von 12,87 Sekunden. „Ich bin super happy. Darauf kann ich aufbauen“, frohlockte die WM-Zweite von 2015. Diskuswerfer Martin Wierig trug als Zweiter mit 61,84 Metern ebenfalls elf Punkte zur deutschen Gesamtbilanz bei.

Viel „Spaß und Freude“ hatte Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause bei ihrem Sieg am Samstag. Die 27 Jahre alte deutsche Rekordlerin aus Frankfurt gewann in 9:36,67 Minuten vor Irene Sánchez aus Spanien. Am Sonntag drückte sie dann auf der Tribüne als Zuschauerin die Daumen – letztlich mit Erfolg. sid/dpa/eb

Als Sieger von Ulm zurück in die Heimat

Mit 5,81 Metern gewann der Pole Piotr Lisek am Freitagabend das erste Stabhochsprung-Meeting auf dem Ulmer Münsterplatz. Am nächsten Morgen um 6 Uhr machte sich der nationale Rekordhalter (6,02 Meter) auf den Weg zum Flughafen, um bei der Team-EM im polnischen Bydgoszcz seine Mannschaft auf dem Weg zum Gesamterfolg zu unterstützen – ebenfalls mit 5,81 als Sieger seiner Disziplin.

Auf Platz zwei in Ulm landete Bo Kanda Lita Baehre (Bayer Leverkusen) vor Ex-Weltmeister Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken). Beide übersprangen 5,61, Lita Baehre hatte aber weniger Versuche benötigt. Bei den Frauen siegte Stefanie Dauber vom SSV Ulm 1846 mit 4,36 Meter. ws