Eigentlich hätte Corona auch den Sportakrobaten des SV Mergelstetten so richtig die Laune vermiesen können. Da qualifizierten sich zwei Einheiten für die Weltmeisterschaft, dann fällt diese aus, da freut man sich auf eine deutsche Meisterschaft vor heimischer Kulisse, dann wird auch die ein Opfer der Pandemie. Und die zahlreichen jungen Mitglieder der Abteilung ohne Training bei der Stange zu halten, erschien auch wie eine schier unlösbare Aufgabe.

Aber den Kopf in den Sand zu stecken, ist nicht die Art der SVM-Akrobaten. Das Trainerteam um Stefanie Caro gab weiter Gas, und der Lohn ließ nicht auf sich warten. In der Zeit zwischen den Lockdowns wurde fleißig trainiert und Ende Oktober standen die Sichtungen zum Bundeskader an.

Neue Choreographie in 15 Minuten

Das gemischte Paar Finia Falch/Linus Monz war bereits in diesem illustren Kreis, beim Lehrgang in Düsseldorf startete dann auch das Damentrio mit Aelita Schelhorn, Christina Lust (beide 15) und Oberfrau Diana Lust (13) einen Anlauf.

Die Aufgabe war dabei äußerst anspruchsvoll, unter anderem mussten die jungen Sportlerinnen in nur fünfzehn Minuten eine vorgegebene Choreographie lernen, in diese dann zunächst ihre Balanceübungen und am nächsten Tag die Tempoelemente einbauen und schließlich noch selbst einen Schluss erfinden.

Trainer waren skeptisch

„Wir Trainer dachten schon, das klappt nie“, berichtet Stefanie Caro. Sie und ihre Kollegen wollten sich schon neben die Wettkampffläche positionieren, um bei Stürzen sichern zu können.

„Aber die Mädchen haben das super gemacht. Der Vorteil ist, dass sie schon so lange zusammen sind. Die streiten dann nicht, die machen einfach“, lobt die Trainerin. Der Lohn für die gute Leistung war die Aufnahme in den Bundeskader.

Das Trio und das gemischte Paar dürfen damit – natürlich unter Corona-Bedingungen – auch jetzt trainieren. Beim SVM ist übrigens Celine Caro für die Kadermitglieder zuständig. Sie war viele Jahre selbst erfolgreich auf internationaler Ebene am Start und gehört dem Lehrteam des deutschen Verbandes an. Die Motivation ist groß und beide Einheiten haben nun Welt- und Europameisterschaft im Visier. Dafür müssen sie sich neu qualifizieren, die Chancen stehen aber nicht schlecht.

Training per Internet

Doch auch für die anderen Mitglieder, insgesamt sind es 54 Aktive, die von acht Trainern betreut werden, hat man sich etwas einfallen lassen. „Wir wollten den Kindern zeigen, dass wir etwas anbieten, dass wir uns weiter um sie kümmern“, sagt Stefanie Caro.

Während des ersten Lockdowns fand zweimal pro Woche ein Online-Training statt, nun gibt es sogar jeden Werktag die Möglichkeit, per Internet an den Übungsstunden teilzunehmen. So wird manches Wohnzimmer zur Akrobatikhalle und wie Stefanie Caro weiß, machen bei vielen „sogar die Eltern mit“.

Manchmal sind kleine Wettbewerbe dabei und um die Gemeinschaft zu betonen, wurden auch neue Trikots und Trainingsanzüge angeschafft, mit Unterstützung mehrerer Sponsoren. So blieben bisher trotz Corona fast alle Sportakrobaten des SVM ihrem Sport treu und die Abteilung hofft auf ein wiederum erfolgreiches Jahr 2021.

Sieg beim deutschen Online-Wettkampf


Die deutsche Meisterschaft fiel wegen Corona aus, dafür haben die Sportakrobaten einen Online-Wettkampf ausgetragen und hier konnte sich das Damentrio des SV Mergelstetten mit Aelita Schelhorn, Christina und Diana Lust gegen alle Konkurrenten ihrer Altersklasse durchsetzen. Es gab also doch noch so etwas wie einen nationalen Titel zu bejubeln.

Bei dieser Veranstaltung nahmen alle Teilnehmer ein Video mit einer Übung auf, dieses wurde von den internationalen Kampfrichtern Deutschlands bewertet. Den anderen Teil der Wertung machten „likes“ im Internet aus. Die acht besten Formationen aus dieser gemischten Wertung traten dann nochmals von null startend zum Kampf um „likes“ und Kampfrichterstimmen an. Hier siegten die drei Mädchen des SVM deutlich.

Bis man wieder richtige Wettkämpfe austragen darf, sollen mehrere solche Wettkämpfe stattfinden, um die Sportler ein bisschen im Wettkampfmodus zu halten.