Heidenheim/Küpfendorf / Thomas Jentscher Markus Westhäuser hat nach dem Titel im Straßenrennen nun mit einem beeindruckenden Alleingang auch die deutsche Mountainbike-Meisterschaft gewonnen.

Zwei deutsche Meistertitel in einem Jahr – was will man mehr? Markus Westhäuser hat die Antwort: „Na einen dritten, in zwei Wochen bei der Berg-DM.“ Der 47-Jährige sprüht gerade vor Energie, fährt nicht nur auf zwei Rädern, sondern auch auf einer Erfolgswelle. Nach seinem Titel im Straßenrennen holte sich das Radsport-Ass vom Heidenheimer Bike-o-Rado-Racing-Team nun auch die deutsche Meisterschaft im Mountainbike.

Ausgefahren wurde die beim Vulkan-Bike-Eifel-Marathon in Daun, Westhäuser startete wieder bei den Senioren 2 (40 bis 50 Jahre). Um 8:30 Uhr wurden bei Nieselregen die über 1500 Starter in den verschiedenen Klassen auf die 101 km (2300 Höhenmeter) lange Strecke geschickt.

Von Beginn an hohes Tempo

Da keine langen steilen Berge auf der Strecke waren, wurde von Beginn an ein hohes Tempo angeschlagen. Das „Sägezahnprofil“ kam Westhäuser, der als ausgezeichneter Kletterer meistens die Gegner auf langen Anstiegen abhängt, nicht unbedingt entgegen.

So hielt er sich auch die erste Zeit zurück, um auf seine Chance zu warten. Nach 10 km fuhr der 47-Jährige an die Spitze und versuchte am ersten Anstieg die Gruppe zu dezimieren. Ein kurzer Blick zurück zeigte, dass nur ein Fahrer – der ehemalige Giro-d’Italia-Teilnehmer Uwe Hardter – dicht folgen konnte. Zwei weitere hatten schon ordentlichen Abstand, vom Rest fehlte bereits jede Spur.

Westhäuser und Hardter wechselten sich in der Führungsarbeit ab und bauten kontinuierlich ihren Vorsprung aus. Nach rund 50 km konnte sich Westhäuser an einer steilen Rampe auch noch von Hardter lösen, der durch den Temporitt schon sichtlich gezeichnet war.

Die restlichen 50 km musste Westhäuser nun allein bestreiten. Im Gegensatz zum Straßenrennen spielt beim Mountainbike der Windschatten kaum eine Rolle, Alleingänge sind häufiger. Trotzdem gilt es, in jeder Sekunde aufmerksam zu bleiben. „Eine Lenkbewegung kann über Sieg und Niederlage entscheiden“, sagt Westhäuser, der mit erstklassig vorbereitetem Material und der richtigen Reifenwahl auf dem rutschigen Kiesboden der Eifel aber gut zurechtkam.

So fuhr er weiterhin ein sehr hohes Tempo – 27,5 km/h im Durchschnitt und oft auch einmal über 60 km/h – und baute so seinen Vorsprung weiter aus. Das Problem ist, dass man nie weiß, wo die Konkurrenz steht, Infos von Betreuern wie bei den großen Teams hatte Westhäuser natürlich nicht.

„Am Anfang hörst du noch wie sie atmen, wenn sie schalten oder wenn sie fluchen, aber dann fährt man allein und darf nicht den Fehler machen, sich zurückzulehnen“, erklärt der Küpfendorfer. Seine Devise: „Ich schaue dann nicht mehr nach hinten, der Feind fährt immer vorn.“

So schloss er zu den Gruppen der jüngeren Fahrer auf, hatte am Ende unglaubliche sieben Minuten Vorsprung auf Hardter und holte die Goldmedaille bei den Senioren 2. Insgesamt benötigte Westhäuser nur 3:32:42,5 Stunden, belegte damit Rang neun im Gesamtfeld. Im Ziel begrüßte ihn seine Frau Sandra Zein dann auch recht erstaunt mit den Worten: „Du bist schon da?“

Wieder im weißen Trikot

Zwei DM-Titel in einem Jahr gelangen Westhäuser bereits vor zwei Jahren, aber erstmals wurde er mit dem Mountainbike drei Mal in Folge deutscher Meister. Damit darf er erneut das begehrte weiße Trikot mit den Querstreifen tragen, das (nach strengen Vorschriften) nun mit seinen Sponsoren bedruckt wird.

In zwei Wochen könnte Westhäuser nun das Triple holen. Dann geht’s wieder aufs Rennrad, allerdings müssen bei der deutschen Bergmeisterschaft innerhalb von 84 km knackige 2400 Höhenmeter überwunden werden. So wie es gerade läuft, hat Westhäuser noch einiges vor, obwohl er ja in seiner Altersklasse gegen überwiegend jüngere Konkurrenz fährt. Im Mai 2020 kann er den Mountainbike-Titel beim Rennen in Heubach, also quasi vor der Haustür, verteidigen.

Leicht wird das allerdings nicht, denn vor allem Hardter hat ihm den Kampf angesagt. Dabei haben die Radsportler einen unverkrampften Umgang miteinander. „Nach dem Rennen habe ich ihm Tipps für das Training gegeben“, berichtet Westhäuser und sagt: „Bei ihm mache ich das schon, er ist ein richtig fairer Sportsmann.“