Görlitz / Edgar Deibert Der Küpfendorfer setzte sich in Görlitz durch und ist in der Form seines Lebens.

Der Puls rast, die Muskeln verkrampfen. Durch die flache Atmung hechelt man nur noch vor sich hin und kommt kaum nach, Luft aufzunehmen. Jeder Hobbysportler kennt dieses Gefühl, wenn man am Anschlag ist. Nicht so Markus Westhäuser.

Der Mann selbst ist eine Maschine. Bei einer Körpergröße von 1,75 Metern wiegt der Küpfendorfer (bei Steinheim) 65 Kilogramm. Ein Großteil davon geht auf seine Oberschenkel (Umfang von 50 Zentimetern) und seine Waden zurück. Sein Lungenvolumen liegt bei 6,5 Litern. In seinem Alter und bei seiner Körpergröße wären etwa 3 Liter normal.

Westhäuser ist sich dieser Stärke bewusst. Zudem hat er einen weiteren genetischen Vorteil: Seine Muskeln ermüden erst spät, was die Übersäuerung verhindert. Momentan sei er in der Form seines Lebens („Der Motor funktioniert einwandfrei“), sagt der 47-Jährige, der sich sowohl Straßen-, als auch Mountainbike-Rennen verschrieben hat.

Die Zahlen belegen das. In diesem Jahr hat Westhäuser in der Region fast alle Seniorenrennen (40 bis 50 Jahre) gewonnen und kürte sich in Görlitz erneut zum deutschen Meister.

Dies hatte der gelernte Kupferschmied, der als Industriemechaniker im Dreischicht-Modus arbeitet, bereits 2017 geschafft. Im vergangenen Jahr wurde er Dritter. Nun waren die Voraussetzungen gut, denn Westhäusers Hauptkonkurrent und Vorjahressieger, Micha Kopf, konnte verletzungsbedingt nicht antreten. Was allerdings nicht hieß, dass Westhäuser auf den 121 Kilometern (bei 1200 Höhenmetern) freie Fahrt hatte.

Bei sehr windigen Bedingungen war das Rennen von Beginn an taktisch geprägt. Schon in der zweiten von sieben Runden konnte sich Westhäuser mit sieben Fahrern vom Feld absetzten. Während der Küpfendorfer die Führungsarbeit übernahm, lauerten die restlichen Fahrer in seinem Windschatten.

Westhäuser besann sich aber auf seine Stärken,
beschleunigte an jedem Berg und konnte so die Gruppe auf nur noch drei Fahrer dezimieren. Seine beiden ärgsten Konkurrenten waren zwar deutlich jünger (jeweils 40), überließen Westhäuser aber auch weiterhin die Tempoarbeit.

„Wenn der Wind von vorne kam, waren wir nicht schneller als 25 km/h. Bei Rückendwind ging’s auf 60 km/h hoch“, beschreibt Westhäuser. Immer wieder versuchte auch er zu taktieren und fuhr versetzt, damit auch die beiden anderen Fahrer „im Wind standen“. Westhäuser beschreibt das als „psychologische Kriegsspielchen“.

Der Vorsprung auf das Hauptfeld war mittlerweile auf über drei Minuten angewachsen, sodass die Spitzengruppe den Sieg unter sich ausmachen sollte. Seine beiden Verfolger seien aber nur mit Halbgas gefahren, also nur 50 Prozent „auf der Kurbel“ gehabt.

Zwei Radlängen Vorsprung

Bis zum Zielsprint gelang es Westhäuser allerdings nicht, sich seiner beiden Kontrahenten zu entledigen. „Es ist immer schade, wenn man lange Zeit vorne fährt, aber auf den letzten Metern aufgrund kaputter Beine verhungert“, erklärt Westhäuser, fügt aber an: „Ich habe an sämtlichen Schräubchen gedreht und konnte meine beste Leistung abrufen.“

Auch im Zielsprint legte er sogar noch einmal zu. „Man muss wissen, wann’s gilt“, betont Westhäuser. Knapp 300 Meter vor dem Ziel habe er ein letztes Mal kurz hinter sich geschaut. „Das Rad des ersten Verfolgers klebte an mir. Er kam aber nicht richtig heran. Also habe ich reingehalten und bin weg.“ Letztlich siegte Westhäuser nach drei Stunden und zwei Minuten Fahrtzeit mit knapp zwei Radlängen Vorsprung.

Somit freute er sich über den erneuten deutschen Meistertitel in der Seniorenklasse II. Und durfte „zur Belohnung“ gleich zur Dopingkontrolle. Westhäuser musste Blut (zwei Ampullen) und Urin (120 ml) abgeben. „Das hat mich etwa eineinhalb Stunden gekostet. Aber alle, die sauber sind, finden die Kontrollen super.“ So wie er selbst auch. Zuletzt sei er im April getestet worden. Von Dopern gerne genommen werden zum Beispiel Blutverdünnungsmittel. Das Blut soll dadurch schneller im Körper zirkulieren und den Sauerstoff in die Muskeln transportieren. „Umso später ermüden die Muskeln“, sagt Westhäuser und fragt: „Wieso sollte ich etwas einnehmen und so meine Gesundheit kaputt machen?“

Keine hohe Siegprämie für den deutschen Meister – Arbeits- als Trainingsstrecke

Eine Siegprämie von 90 Euro kassierte Markus Westhäuser für seinen Sieg bei der deutschen Meisterschaft in Görlitz. Im Schnitt fuhr Westhäuser 40 km/h. Zugleich verzichtete er für dieses Rennen auf einen Start in Nattheim beim Mountainbike-Marathon.

Die knapp zehn Kilometer zu seiner Arbeitsstelle bei der Firma Voith fährt Westhäuser jeden Tag mit dem Rad und sieht es als Training an.

Als nächstes tritt er beim Rems-Murr-Pokal in Schorndorf an (Drei-Tage-Rennen mit dem Rennrad), Anfang September möchte Westhäuser seinen Titel bei der deutschen Marathon-Mountainbike-Meisterschaft in Daun (in der Eifel) verteidigen.