Es war eine Erfolgsgeschichte – für die Heidenheimer Fechter und für Zimmermann selbst. Dass er überhaupt Fechttrainer wurde, lag an seiner Tante und nicht zuletzt an der Bundeswehr. Ohne Maya Knodel, damals eine erfolgreiche Fechterin, wäre der aus Wiesloch bei Heidelberg stammende Zimmermann wohl nicht zu seinem Sport gekommen.
So aber nahm die Tante ihn und seinen Bruder mit in die Halle und dort zeigte sich schnell das Talent, das Thomas Zimmermann als Schüler bis zu den deutschen Meisterschaften führte. Nach seiner Lehre zum Industriekaufmann stand für ihn die Bundeswehr an und hier sah er die Möglichkeit, über das Fechten in die Sportfördergruppe zu kommen.
Die Bundeswehr als Wegbereiter
Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zimmermann landete in Tauberbischofsheim beim späteren Bundestrainer Berndt Peltzer und durfte im Stützpunkt gleich einmal Fecht-Ikone Alexander Pusch als Trainer vertreten. „Da hieß es halt: Du kannst das, mach‘ mal. Den Übungsleiterschein habe ich dann erst später gemacht“, erinnert sich Zimmermann. Er gab sowohl für den Degen- als auch für den Florett-Nachwuchs Lektionen und trainierte in dieser Zeit unter anderem Anja Fichtel – die zweifache Olympiasiegerin wurde später zu einer der erfolgreichsten Fechterinnen aller Zeiten.
Es folgten, noch während der Bundeswehrzeit, B- und A-Schein, und Peltzer überredete ihn dann 1982, die Trainerakademie in Köln zu besuchen. Diese absolvierte Zimmermann mit Erfolg, doch so wie man es sich in der Fechthochburg vorgestellt hatte, lief es nicht, denn unmittelbar nach der Ausbildung fing Zimmermann am 1. Oktober 1983 in Heidenheim an.

„Tauberbischofsheim war mir einfach zu groß und es war alles vorbestimmt – ich wollte etwas Eigenes machen“, erklärt der Fechttrainer, der auch nicht viel Zeit zum Nachdenken hatte. Von Köln ging es zurück nach Wiesloch und schon zwei Tage später an die Brenz. „Ich habe die Koffer nicht einmal ausgepackt“, berichtet Zimmermann von seinem Start beim HSB.
Der Kontakt war natürlich über Heidenheims Fechtlegende Paul Gnaier zustande gekommen. Mit ihm hat Zimmermann nach eigenem Bekunden über all die Jahre stets gut zusammengearbeitet. Und so spontan die Entscheidung war, sie erwies sich als goldrichtig. In Heidenheim und bei der Fecht-Familie auf dem Galgenberg wurde Zimmermann heimisch. Hier lernte er seine Frau Insa kennen, hier wurden die drei Kinder geboren, von denen zwei ebenfalls fechten, hier wird er auch im Ruhestand bleiben.
In Heidenheim eine Heimat gefunden
„Ich habe es nie bereut“, betont Zimmermann, der bald auch Landestrainer wurde und viele herausragende Heidenheimer Fechterinnen und Fechter betreute. Da war zu Beginn noch ein Arnd Schmitt dabei, der später nach Leverkusen wechselte und zweimal mit dem Degen olympisches Gold holte, auch Kerstin Kelenföldi sowie Kristiana (geborene Metzler) und Fábio Cedrone – um nur einige zu nennen – gingen durch Zimmermanns Schule.
Und natürlich Ralf Bißdorf. Die Zusammenarbeit mit dem Schnaitheimer Florett-Ass, mittlerweile äußerst erfolgreicher Trainer der amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft, gipfelte in der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. „Er war immer unerschrocken, egal gegen wen er gefochten hat – und er hat schnell gedacht“, berichtet Zimmermann, für den die Gefechte ohnehin „zu 80 Prozent im Kopf“ entschieden werden.
Ein vertrauensvolles Verhältnis hatte er zu all seinen Schützlingen, nicht selten ist der Trainer auch als Ratgeber gefragt. Allein bei den Fahrten zu den zahlreichen Turnieren bot sich viel Zeit zum Reden. „Die Busse fuhren ja nicht so schnell und damals gab’s noch keine Handys“, so Zimmermann schmunzelnd.
Die Faszination am Fechten
Als Trainer wollte Zimmermann, der stets ruhig und besonnen auftrat, immer gewinnen. Aber es zählten nicht nur die großen Titel, gefreut haben ihn auch kleinere Meisterschaften, Erfolge auf württembergischer Ebene. „Geärgert hat mich nur, wenn einer sein Potenzial nicht ausgeschöpft hat, wenn einfach der Wille gefehlt hat.“ Die Faszination an diesem Sport lag für ihn stets im Kampf. Auch wer nicht die Bewegungen der Klingen nachvollziehen könne, spüre doch die Dynamik und Spannung bei den Duellen auf der Bahn. Und diesen Kampfgeist hat er stets versucht, an seine Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.
Gleichzeitig veränderte sich das Heidenheimer Fechtzentrum. „Als ich kam, war ich verblüfft, dass es in der Trainingshalle noch nicht einmal Metallbahnen gab“, erinnert sich Zimmermann. Schritt für Schritt ging es voran und 1999 folgte mit der Einweihung des neuen Fechtzentrums ein weiterer Meilenstein.

Nicht zuletzt wegen seiner kaufmännischen Ausbildung war Zimmermann bei den HSB-Fechtern früh im organisatorischen Bereich eingebunden. So zählte er von Beginn an zu den leitenden Kräften, irgendwann kam der Titel Cheftrainer dazu, auf den er keinen besonderen Wert legt. Gefragt waren seine Fähigkeiten zudem – lange Zeit in leitender Funktion – beim jährlichen Höhepunkt, den Heidenheimer Fechtertagen.
Einst wurden diese von einem externen Veranstalter organisiert, dann übernahm der HSB selbst die Regie. Wobei diese letztlich beim Weltfechtverband F.I.E. liegt, der genaue Vorstellungen über die Durchführung und Präsentation der Gefechte hat. „Die Anforderungen sind mittlerweile sehr hoch, es werden immer noch mehr Gespräche im Vorfeld“, berichtet Zimmermann. Von Donnerstag bis Samstag kommender Woche ist es wieder so weit, dann findet die 72. Auflage dieses Degensportspektakels statt – wegen der Renovierung der Karl-Rau-Halle nochmals in der Herbrechtinger Bibrishalle. Dabei darf Matthias Henkelmann, mittlerweile Organisationschef der Fechtertage, dann neben den üblichen Observateuren und Kampfrichterbetreuern auch eine Eventmanagerin der F.I.E. begrüßen. Übertragen werden die Turniere auf einem eigenen Stream des Verbandes.
Keine Zeit für Melancholie
Für Zimmermann sind es die letzten Fechtertage als Cheftrainer. Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte er angesichts der vielen Arbeit noch nicht. „Ich bin bisher nicht melancholisch, aber das kommt vielleicht noch“, sagt der HSB-Coach, der im März seinen 66. Geburtstag feiert, und nach wie vor an jedem Arbeitstag auch auf der Planche steht. „Ich wollte trotz der organisatorischen Dinge auch immer in der Halle sein, der Sport war mir immer wichtiger.“
Nach Saisonende ist dann aber Schluss und Zimmermann will einen klaren Schnitt machen. „Man kann mich natürlich jederzeit etwas fragen, aber ich bin keiner, der ständig da ist und meint, es besser zu wissen als die Jungen“, betont er. Die weitere Entwicklung des hiesigen Fechtsports wird er natürlich weiter mit großem Interesse verfolgen – und ist dabei optimistisch. „Der Fechtsport ist in Heidenheim verwurzelt, die neuen Trainer machen ihre Sache gut und es gibt genügend Jungs und Mädchen mit großem Potenzial.“
Wieder sind die weltbesten Degenfechter zu Gast
Die 72. Heidenheimer Fechtertage stehen vor der Tür, vom 5. bis zum 7. Februar kreuzen wieder die besten Degenfechter aus aller Welt im Brenztal die Klingen. Wegen der Renovierung der Karl-Rau-Halle wird das große Sportspektakel des Heidenheimer Sportbundes nochmals in der Herbrechtinger Bibrishalle ausgetragen.
Los geht es am Donnerstag, 5. Februar, um 8 Uhr mit den Vorrunden des Weltcupturniers um den Heidenheimer Pokal. Dabei ist wieder alles am Start, was im Herrendegensport Rang und Namen hat, beim Gastgeber HSB freut man sich, mit Matthew Bülau, Horant Kummer und Rudi Hummel drei Fechter ins Rennen schicken zu können.
Am Freitag, 6. Februar, ab 9 Uhr wird der Heidenheimer Pokal mit der Runde der besten 64 fortgesetzt, das Finale der letzten vier Fechter ist ab 17 Uhr in der Bibrishalle zu sehen. Am Samstag, 7. Februar, geht es dann von 8 Uhr an mit dem Mannschaftsweltcup (Voith Cup) weiter. Hier kämpfen die Nationalteams um wichtige Punkte, das Finale ist ab 19 Uhr zu sehen.

