Stefan Horngacher ist entweder ein guter Schauspieler –  oder eine verdammt coole Socke. Von Nervosität ist beim neuen Skisprung-Bundestrainer kurz vor dem Weltcup-Auftakt nichts zu spüren. „Die Aufregung ist so wie immer“, sagt der neue Bundestrainer.

Dabei hätte der Österreicher vor dem Saisonstart allen Grund, zumindest ein bisschen nervös zu sein. Schließlich beginnt für die DSV-Adler um den dreifachen Seefeld-Weltmeister Markus Eisenbichler nach der goldenen Werner-Schuster-Ära an diesem Wochenende im polnischen Wisla eine neue Zeitrechnung. Unter Schuster hatten deutsche Skispringer WM-Titel und Olympiasiege gefeiert.

Horngacher freut sich, von seinem Landsmann und ehemaligen Chef „ein funktionierendes System“ zu übernehmen. „Er setzt andere Reize“, sagt Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler und erklärt: „Im Krafttraining ist er extrem, er hat da den Daumen drauf. Man hat schon gemerkt, dass es schnell wirkt.“

Zudem setzt Horngacher auf mehr Zentralisierung und weniger Verantwortung für Heimtrainer. „Es findet eine lückenlosere Überwachung des Trainings statt“, erklärt der Tiroler, der sich als Typ von Schuster unterscheidet. Dieser hatte es auch als persönliche Aufgabe angesehen, seinen Sport in der Öffentlichkeit zu erklären. „Der „Stef“ ist ein Mensch, der sich gerne kurz hält, der einfach nur Fakten benennt“, erklärt Karl Geiger. „Er hält die Ansprache kurz und knackig.“

In Horngachers Premieren-Winter als DSV-Chefcoach sind der Oberstdorfer Geiger und vor allem Flug-Spezialist Eisenbichler als Leistungsträger besonders gefordert. In Olympiasieger Andreas Wellinger und David Siegel fallen zwei starke Springer mit Kreuzbandrissen lange aus – Wellinger definitiv für die komplette Saison. Der von mehreren Knieverletzungen gebeutelte frühere Gesamtweltcupsieger Severin Freund arbeitet noch an seinem Comeback.

Nach einem alles andere als optimalen Sommer kommt dem Auftaktwochenende in Polen aus Horngachers Sicht eine ganz besondere Bedeutung zu. „Wir sind auf einer Kreuzung, in Wisla sehen wir, wo wir hingehen“, sagt er. Mit Blick auf Peking 2022 will er neue, junge Springer aufbauen. Und das ganz unaufgeregt.  dpa