Ulm/Dortmund / Carsten Muth Im Test gegen Argentinien erhält der Torwart des FC Barcelona endlich seine Bewährungschance. Derweil beklagt die DFB-Elf etliche Ausfälle. Von Carsten Muth

Mit 4:0 hat der FC Barcelona am Sonntagabend gegen den FC Sevilla gewonnen. Superstar Lionel Messi und Louis Suarez trafen, hinten hielt Marc-André ter Stegen seinen Kasten mit einigen Klasseparaden sauber. Wieder einmal. 200 Pflichtspiele hat der inzwischen 27 Jahre alte Torwart für den Weltklub aus Spanien bestritten. Das Prädikat Weltklasse hat sich der frühere Mönchengladbacher längst verdient. In der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aber muss sich ter Stegen nach wie vor hinten anstellen. An Stammkeeper Manuel Neuer – dem Kapitän der DFB-Elf, dem Keeper von Bayern München, dem mehrfachen Welttorhüter, dem Weltmeister von 2014 – gibt es bislang kein Vorbeikommen.

13 Spieler fallen aus

Am Mittwoch (20.45/RTL) trifft die deutsche Nationalmannschaft in Dortmund auf Argentinien, den Gegner im WM-Finale 2014. In dem Testspiel darf der 1,87 Meter große Schlussmann endlich wieder einmal ran. Bundestrainer Joachim Löw gibt ter Stegen (bislang 22 Länderspiele) eine weitere versprochene Bewährungschance. Alle Augen werden also auf ter Stegen gerichtet sein. Stammtorwart Neuer (aktuell 90 Länderspiele) nimmt derweil auf der Bank Platz.

Vor wenigen Wochen hatten ter Stegens Aussagen, wonach er unzufrieden mit seiner derzeitigen Situation im DFB-Team sei, heftige Reaktionen ausgelöst. Vor allem Bayern Münchens Bosse schalteten sich ein. Der Bundestrainer müsse sich klar hinter Manuel Neuer  stellen, den aufmüpfigen ter Stegen in die Schranken weisen, hieß es aus München.

Dabei hat Löw Neuer mit Blick auf EM 2020 bereits eine Stammplatzgarantie gegeben. Ter Stegen akzeptiert die Entscheidung eigenen Angaben zufolge. Er denkt sich aber auch: Wer weiß, was noch so passiert in den kommenden Monaten?  „Für mich gilt es, bestmögliche Leistungen zu zeigen, mich zu beweisen, um ihm die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen“, sagt der 27-Jährige und kündigte an, perspektivisch alles dafür geben zu wollen, die Nummer eins im deutschen Kasten zu werden.

Sollte er jedoch im kommenden Jahr im Falle einer erfolgreichen Qualifikation bei der Europameisterschaft tatsächlich nur die Bank drücken, will er sich einreihen, keinen Ärger machen. Ter Stegen betont: „Über allem steht das gemeinsame Ziel, das ist ein erfolgreiches Turnier.“

Das Verhältnis zu DFB-Stammkeeper Manuel Neuer sei trotz der jüngsten Torwartdebatte unbelastet, versichert der Barca-Keeper. „Es gibt es keine Diskussion, keinen Streit, keinen Moment, wo wir sagen: Wir müssen unbedingt sprechen. Wir reden jeden Tag und haben ein gutes, professionelles Verhältnis.“

Ter Stegen wird am Mittwoch im Tor einer Mannschaft stehen, die personell arg gebeutelt ist. In den vergangenen Tagen sagte ein Spieler nach dem anderen ab. 13 Akteure stehen nicht zur Verfügung, darunter Toni Kroos (verletzt), Timo Werner (grippaler Infekt) und Ilkay Gündogan (Muskelblessur). Der Einsatz des angeschlagenen Dortmunder Kapitäns Marco Reus vor heimischen Publikum ist gefährdet. „So viel Absagen hat es in der Vergangenheit selten gegeben“, sagt der Bundestrainer. Er will das Beste aus der kniffligen Situation machen. So werden der Berliner Niklas Stark und Freiburgs Stürmer Luca Waldschmidt erstmals in der Startelf stehen, kündigte Löw an.

Der Bundestrainer wird sicher auch schon an das kommende Wochenende denken. Am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) muss sein Team in der EM-Qualifikation ran – es geht in Tallinn gegen Estland. Dann soll Manuel Neuer wieder im Tor stehen. mit dpa

Lionel Messi muss gesperrt passen

Auch für Deutschlands Gegner Argentinien ist das WM-Finale 2014 längst Vergangenheit und eine verheißungsvolle Zukunft noch nicht abzusehen. Wie das DFB-Team stecken die Gauchos im Neuaufbau, müssen in Dortmund das Beste aus einem Verlegenheitskader herausholen.

Nationaltrainer Lionel Scaloni muss nicht nur auf seinen gesperrten Superstar Lionel Mesi, sondern auch auf einige andere Stammkräfte verzichten. Mit dabei sind dafür Bayer Leverkusens Profi Lucas Alario, den Scaloni nach den Länderspielen im September als möglichen Neuner erneut beobachten will. Und Nicolas Gonzalez von Zweitligist VfB Stuttgart. Es lohnt sich zudem, ein Auge auf Lautaro Martinez zu werfen. „El Toro“, der Stier, ist Scalonis Toptorjäger, erzielte zuletzt beim 4:0 gegen Mexiko einen Dreierpack und kommt auf neun Treffer in den ersten 13 Länderspielen.