Im Alter von 86 Jahren starb vergangene Woche Roland Schönhaar, der in Heidenheim nicht nur in Sportlerkreisen über Jahrzehnte bekannt war und in 64 Jahren Wettkampfsport zahlreiche Erfolge feiern konnte.

Geboren wurde Schönhaar in Ludwigsburg, spielte als Kind Fußball, schlug dann aber eine andere Richtung ein. Seine Laufbahn begann als Schwimmer und Kunstspringer, den ersten Titel gab’s beim Gauturnfest 1950 in Nagold über 100 Meter Brust. 1961 zog Schönhaar nach Heidenheim, schaffte es in die baden-württembergische Spitze, startete auch für Gmünd in der Schwimm-Bundesliga.

1963 gründete er zusammen mit Hugo Schneider die Heidenheimer Wasserballmannschaft, mit der er 1976 süddeutscher Meister wurde und Aufstiegsspiele zur Bundesliga bestritt. Insgesamt spielte er 37 Jahre Wasserball, war noch bis zu seinem 65. Lebensjahr aktiv.

Überhaupt startete er gerade im etwas fortgeschrittenen Alter noch einmal richtig durch. Insgesamt wurde Schönhaar 32 Mal deutscher Meister im Schwimmen und Kunstspringen, holte sich Goldmedaillen bei den Senioren-Europameisterschaften in Blackpool, Turku und Coventry.

Seine Stärken hatte er auch im Modernen Fünfkampf. Nach mehreren zweiten und dritten Plätzen bei Weltmeisterschaften erfüllte sich 2004 hier sein Wunsch nach einer WM-Goldmedaille – im ungarischen Pecs stand er mit der Mannschaft ganz oben auf dem Treppchen. Großen Spaß machte ihm ebenso die winterliche Variante des Fünfkampfs, hier startete er fürs Team der Bundeswehr-Universität München. Auf Langlauf- und Abfahrtsskiern war er genauso sicher wie im Sattel der Pferde, beim Schießen, Fechten, Laufen und Schwimmen.

Beruflich brachte es Schönhaar ebenfalls zu hoher Anerkennung. Nach fast 20 Jahren als Kfz-Meister und Werkstattleiter im Autohaus Zanzinger machte er sich 1983 selbstständig, wurde Gesellschafter und Betriebsleiter bei SST-Automobile in Nattheim. Zudem engagierte er sich bei der Kfz-Innung im Kreis.

Von 1980 bis 1983 war er als Ausbildungsmeister am Aufbau der Kfz-Werkstatt im Metall-Ausbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft beteiligt, zudem stellvertretender Obermeister und seit 1987 Pressesprecher der Innung – ein Amt, das er bis zuletzt inne hatte.

Auch als Trainer im Kunstspringen war Schönhaar äußerst erfolgreich, seine Schützlinge holten zahlreiche Medaillen auf Landes- und Bundesebene. Rekordverdächtig sind seine Vereinsmitgliedschaften, vorn liegt hier die DLRG, der er 68 Jahre angehörte. In allen Sportarten zusammen nahm Schönhaar an acht Weltmeisterschaften, 14 Europameisterschaften, vier deutschen Turnfesten und über 40 deutschen Titelkämpfen teil.

Seinen letzten Einsatz hatte er bei der Senioren-WM in Montreal, wo er nach vier Sprüngen sogar noch führte. Dann machten sich aber erstmals seine Probleme mit dem Hüftgelenk bemerkbar, am Ende reichte es zum fünften Rang. Nach einer Operation mit anschließenden Komplikationen musste er dann kürzer treten, verlor sehr viel an Gewicht. Doch der Träger der goldenen Münze der Stadt Heidenheim blieb kämpferisch, nahm sogar seine Tätigkeit als Trainer wieder auf, ehe er von Corona ausgebremst wurde.

Aufgeben kam für Schönhaar nie in Betracht, auch wenn der Vater von zwei Söhnen in seinem Leben einiges mitmachen musste. Sein Vater fiel im 2. Weltkrieg, seine geliebte Frau starb viel zu früh. „Man muss immer an den Sieg glauben, aber man muss auch Niederlagen akzeptieren. Das lernt man im Sport und das gilt überall", lautete Schönhaars Botschaft an die jüngeren Jahrgänge und nach diesem Motto lebte er bis zum Ende seines Lebens.