dpa Tagelang wird in München nur über den vermeintlichen Heilsbringer Coutinho gesprochen. In Gelsenkirchen zieht dann der 31-jährige Pole die große Show ab.

Selbst die neue Bundesliga-Attraktion Philippe Coutinho trat komplett in den Hintergrund und verneigte sich vor Robert Lewandowski. „Das ist einfach aufregend“, sagte Coutinho zum überragenden Saisonstart von Bayern Münchens Super-Torjäger und Alleinunterhalter Lewandowski. „Er ist eine Legende.“ Und diese wird den Bayern wohl noch einige Jahre erhalten bleiben. In Kürze soll der bis 2021 gültige Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert werden. Dies sei „zu 95 Prozent klar“, bestätigte Lewandowski.

Seine Bedeutung unterstrich der 33-jährige Pole beim 3:0 des deutschen Fußball-Rekordmeisters bei Schalke 04 mit den Bundesligatoren 205, 206 und 207 im 292. Spiel. Mit einer Torquote von 0,7 pro Partie ist Lewandowski der einzige Spieler in 56 Jahren Bundesliga, der annähernd an den großen „Bomber“ Gerd Müller (0,85) herankommt. Dies scheint bei den Gehaltsgesprächen nicht die schlechteste Verhandlungsposition zu sein.

„In jeder Saison kann ich alleine etwas Besonderes machen, aber ich versuche, der Mannschaft zu helfen“, sagte Lewandowski nach seinem zweiten persönlichen Gala-Auftritt binnen einer Woche. Schon beim 2:2 zum Saisonauftakt gegen Hertha BSC hatte er doppelt getroffen. Damit schoss Lewandowski alle fünf Bayern-Tore in der noch jungen Spielzeit allein. Wohl noch in dieser Spielzeit dürfte Lewandowski in der ewigen Torjägerliste an Manfred Burgsmüller (213 Tore) und Jupp Heynckes (220) vorbeiziehen. Der Pole ist zudem früh auf Kurs in Sachen dritter Torjägerkanone am Stück und der fünften insgesamt.

„Robert Lewandowski war natürlich sensationell gut. Seine Effizienz und seine Kaltschnäuzigkeit sind einzigartig“, meinte Trainer Niko Kovac. An diesen Stellenwert erinnerte Lewandowski mit seinem Auftritt, nachdem tagelang eigentlich nur noch über Coutinho gesprochen wurde. Der 27 Jahre alte Brasilianer soll ein Mosaikstein auf dem Weg zum vor allem auch von Lewandowski ersehnten ersten Champions-League-Titel seiner Karriere sein. „Unser Kader ist optimal“, sagte Lewandowski nach den Ausleihen Coutinhos vom FC Barcelona und Ivan Perisics von Inter Mailand.

„Es sieht wirklich sehr gut aus. Wir konnten heute in der zweiten Halbzeit zwei Wechsel machen und dann kam frisches Blut rein, das hat mich sehr gefreut“, sagte Lewandowski. Immer wieder hatten er und andere Führungsspieler in den vergangenen Wochen noch Verstärkungen gefordert. Nun dürfte es auch im Hinblick auf die vorzeitige Vertragsverlängerung schnell gehen.

Schon in den vergangenen Monaten machte Lewandowski angesichts des sich abzeichnenden letzten Karriereabschnitts bei den Bayern eine bemerkenswerte Wandlung durch. In der Vergangenheit galt er auch im polnischen Nationalteam eher als Einzelgänger: Im Bewusstsein, den europäischen Henkelpott wohl nur noch mit den Bayern holen zu können, wandte sich Lewandowski in München dem Team zu und übernahm als Vize-Kapitän von Manuel Neuer auch mehr Verantwortung. „Alleine kann man ein Spiel gewinnen, aber mit der Mannschaft gewinnst du Titel“, sagte Lewandowski nun.

Die Hoffnung ist da, mit Coutinho, den die Bayern im Sommer für 120 Millionen Euro fest verpflichten können, auch in Europa wieder nach der Krone greifen zu können. „Das ist ein großer Klub. Wir kämpfen um alles“, meinte Coutinho, der angesichts seines Fitnessrückstands auf Schalke nur gut 30 Minuten lang seine Fähigkeiten andeuten konnte. Der Ausnahmekönner selbst wollte nicht lange reden. Im Mittelpunkt stand ja nicht der Brasilianer, sondern Lewandowski. dpa

Handspiel: Diskussionen gehen weiter

Allen Präzisierungen zum Trotz sorgt die Handregel weiter für Diskussionen. Nach zwei umstrittenen Entscheidungen beim Topspiel in Gelsenkirchen bleibt beim ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer „ein ungutes Gefühl“. „Hier hatte Schalke Pech“, schrieb Kinhöfer in seiner Kolumne in der „Bild am Sonntag“ und gab zu: „Es hätte auch durchaus Argumente für ein strafbares Handspiel gegeben. Erst bekam Bayerns Abwehrspieler Benjamin Pavard – mit dem Rücken zum Spielfeld – einen Kopfball an den abgespreizten Arm, fünf Minuten später lenkte Ivan Perisic in der Mauer stehend mit dem Unterarm einen Freistoß ins Toraus. Beide Male gab es keinen Elfmeter, Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) sah sich die Szenen trotz Rücksprache mit dem Video-Assistenten nicht noch einmal selbst an.

Richtig machte es Referee Stegemann bei der Partie der Hoffenheimer gegen Bremen. Weil Werder-Torjäger Füllkrug vor seinem vermeintlichen Tor zum 2:2 den Ball mit der Hand berührt hatte, nahm Stegemann den zunächst gegebenen Treffer nach Aufforderung aus Köln und eigener Ansicht der TV-Bilder zurück. dpa