Als Fechterin war die langjährige HSBlerin Monika Sozanska, die auch immer wieder als Model tätig war, sicher herausragend und ist in Heidenheim noch gut bekannt. Nun hat sie unter ziemlich ungewöhnlichen Umständen den Degen an den Nagel gehängt. Es ist sozusagen ein Karriereende im Paradies, denn die 37-Jährige sitzt durch die Corona-Pandemie auf der Ferieninsel Bali fest und fasste dort den Gedanken, ihre so erfolgreiche Laufbahn zu beenden.

Von 2004 bis 2013 ging die gebürtige Polin für den Heidenheimer Sportbund auf die Planche, in diese Zeit fiel auch ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen (siehe Info). Für dieses Jahr hatte Sozanska, die bis vor Kurzem noch Mitglied der Sportfördergruppe war, immer noch große sportlichen Pläne, hoffte auf einen Start in Tokio.

Wegen Corona wurden die Flüge gestrichen

Doch dann kam alles anders. Eigentlich war nur ein Kurzurlaub geplant, Sozanska wollte mit Freunden auf Bali ihren Geburtstag feiern. Während ihres Aufenthaltes im März überschlugen sich aber plötzlich die Ereignisse in Sachen Corona, zahlreiche Flüge wurden gestrichen.

Schließlich bot sich die Möglichkeit, über das auswärtige Amt mit einem Regierungsflieger nach Deutschland zurückzukehren. „Als ich zur Botschaft kam, habe ich so viele Menschen gesehen, die in einer schwierigeren Situation als ich waren. Menschen mit kleinen Kindern oder ältere Personen. Deshalb habe ich auf meinen Platz verzichtet“, berichtet die junge Frau.

Piotr Sozanski, bis heute Trainer beim HSB, feierte mit seiner Tochter zahlreiche Erfolge bei internationalen Großereignissen.
Piotr Sozanski, bis heute Trainer beim HSB, feierte mit seiner Tochter zahlreiche Erfolge bei internationalen Großereignissen.
© Foto: Aufusto Bizzi

Sie selbst fühlt sich auf Bali wohl, ist mit ihren Freunden in Canggu gut untergebracht. Und alle Fechtwettkämpfe waren zu diesem Zeitpunkt ohnehin abgesagt. So beschloss sie, zunächst vor Ort zu bleiben und sich fit zu halten.

Sei es beim Joggen durch die Reisfelder, beim Schwimmen und Tennis spielen, bei Übungen mit einer Yogalehrerin sowie recht phantasievollen fechterischen Übungen. Mittlerweile hat sie auch Surfen und Wakeboarden gelernt und nutzt die Ruhe, um an ihrem Schmucklabel Mosiks zu arbeiten, bei dem sie natürlich auch Anleihen an den Fechtsport nimmt.

Nach 20 Jahren macht Monika Sozanska Schluss mit dem Leistungssport

Vor allem aber blieb ihr auf Bali viel Zeit zum Nachdenken. „Es kam einiges zusammen“, erklärt ihr Vater und Coach Piotr Sozanski, der weiterhin beim Heidenheimer Sportbund Aktive und Jugendliche trainiert. Die Pandemie, der Rückschlag durch den Kreuzbandriss vor zwei Jahren, die Verschiebung der Olympischen Spiele – all dies habe bei seiner Tochter zu dem Entschluss geführt, nach 20 Jahren Leistungssport einen Schlussstrich zu ziehen.

Am Sonntag machte Monika Sozanska dies nun öffentlich und schrieb auf ihrem Instagram-Kanal: „Ich habe vor einigen Monaten beschlossen meine aktive Fechtkarriere zu beenden und heute möchte ich das auch der Öffentlichkeit mitteilen."



Auf Bali hatte die ehemalige HSB-Fechterin Monika Sozanska Zeit zum Nachdenken – und hängte den Leistungssport schließlich an den Nagel.
Auf Bali hatte die ehemalige HSB-Fechterin Monika Sozanska Zeit zum Nachdenken – und hängte den Leistungssport schließlich an den Nagel.
© Foto: privat

„Ein bisschen traurig bin ich schon, aber es war eine schöne Zeit. Ich bin sehr froh, dass meine Tochter den gleichen Sport wie ich gewählt hat und wir so viel Zeit zusammen verbringen konnten“, sagt Sozanski und ist zuversichtlich, dass seine Tochter, die auch einen Trainerschein hat, dem Fechten in irgendeiner Form erhalten bleibt.

Der 56-Jährige, der acht Jahre lang auch Bundestrainer war, hat beim HSB noch viel vor. „Ich bin zufrieden, arbeite viel mit den Kindern. Das Feuer ist immer noch da“, so Sozanski. An Weihnachten, so seine Hoffnung, wird er seine Tochter dann wieder sehen.

Die Olympischen Spiele waren der Höhepunkt


Monika Sozanska wurde 1983 in Bolesławiec (Polen) geboren und kam mit ihrer Familie 1994 nach Deutschland, zunächst lebten sie in Weinstadt. In dieser Zeit begann sie auch mit dem Fechten, zunächst mit dem Florett, dann mit dem Degen. 2004 wechselte das außergewöhnliche Talent zum Heidenheimer Sportbund und feierte dort in knapp zehn Jahren zahlreiche Erfolge.

Neben mehreren Siegen bei Weltcupturnieren holte sie eine Silber- und zwei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften (jeweils mit der Mannschaft). Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 war ihr persönliches Highlight. In London wurde die Fechterin Zehnte im Einzel und Fünfte mit dem deutschen Nationalteam.

Dem Abschied aus Heidenheim ging eine Auseinandersetzung mit einem Verbandsfunktionär zuvor. Sozanska wechselte nach Leipzig und 2017 dann zum FC Offenbach, sie lebt in der Nähe von Stuttgart.