Als Emma Aicher in den vergangenen Tagen bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo auf dem Skihang gleich zu zwei Silbermedaillen gerast ist, drückte Katharina Haas fest die Daumen. Die frühere Skifahrerin des SC Gerstetten konnte die Auftritte ihrer ehemaligen Teamkollegin im Kader des Deutschen Skiverbands (DSV) aber nur mit einem Auge verfolgen. Denn trotz ihres Karriereendes steht die 23-Jährige in diesen Tagen selbst viel auf zwei Brettern. „Ich mache gerade meine Ausbildung zur staatlich anerkannten Skilehrerin“, erzählt sie. Deshalb könne sie die olympischen Ski-Alpin-Wettbewerbe aktuell nur am Rande verfolgen, über die deutschen Erfolge habe sie sich „wahnsinnig gefreut“, so Haas. Und war auch ein wenig überrascht.

„Dass Emma Aicher eine so gute Speedfahrerin geworden ist, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet“, blickt sie zurück. Denn als die 22-Jährige sich in der Saison 2020/21 für den Wechsel ins deutsche Team entschieden hatte, gehörte sie gemeinsam mit Haas zu den Spezialistinnen in den Slalom-Disziplinen. „Sie hat sich nach der Ankunft aus Schweden schnell zurechtgefunden, wir sind dann ein Jahr im C-Kader zusammengefahren“, sagt sie. Mit der Silbermedaille in der Abfahrt hat Aicher, die einen deutschen Vater und eine schwedische Mutter hat, eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch auf den längeren Skiern schnell unterwegs sein kann. Und nicht nur die starken Leistungen, sondern auch die Lockerheit ihrer ehemaligen Mitstreiterin bei diesen großen Rennen hat Katharina Haas beeindruckt. „Sie nimmt das viel gelassener, als ich das getan hätte“, sagt sie.
Olympisches Flair bei der Universiade im Vorjahr
Das olympische Flair hat Katharina Haas im vergangenen Jahr selbst erlebt. In ihrer letzten Saison startete sie bei der Universiade – den Olympischen Spielen der Studierenden – in Turin. „Es waren die Athletinnen und Athleten aller Nationen in einem Hotel, das waren schon tolle Eindrücke“, erzählt Haas, die in Bardonecchia in ihren Spezialdisziplinen, dem Slalom und Riesenslalom, auf Zeitenjagd ging.

Nach einem Sieg im Rahmen eines FIS-Rennens und zwei Starts im Europacup beendete Katharina Haas im Sommer zwar ihre aktive Karriere, die Ski an den Nagel hängen wird sie aber noch lange nicht. „Ich liebe den Sport immer noch“, sagt sie. Deshalb schaut Haas nicht nur gerne zu, sondern verbringt aktuell auch jede freie Minute auf der Skipiste. „Aktuell ist der Lehrgang, und im März folgen die Prüfungen, da ist noch einiges zu tun“, sagt die Gerstettenerin, die seit einigen Jahren in Oberstdorf lebt.
Als Skilehrerin in den Semesterferien auf den Brettern
In dem deutschen Wintersportzentrum in den Alpen begegnet sie hin und wieder einem weiteren deutschen Athleten, der jüngst in Italien für Furore gesorgt hat. Der frisch gebackene Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund lebt – wenn er nicht gerade auf den Schanzen der Welt unterwegs ist – ebenfalls in Oberstdorf. „Er trainiert in einem anderen Kraftraum, aber man läuft sich schon manchmal über den Weg“, sagt sie.

Und das könnte auch in den kommenden Wintern weiter passieren. Wenn es mit der Prüfung klappt, wird Haas nämlich weiter als Skilehrerin arbeiten – aber nur in den Semesterferien. Die meiste Energie steckt sie in ihr Projektmanagement-Studium. „Mir fehlt nur noch die Bachelorarbeit, danach möchte ich den Master machen“, sagt Haas – die in den kommenden Tagen trotz der fordernden Lehrgangseinheiten bestimmt weiter fleißig mit den deutschen Olympia-Skiassen mitfiebern wird.



