Soll man in einem Jahr mit nur wenig Wettkämpfen und Ligabetrieb zur Sportlerwahl aufrufen? Diese Frage haben auch wir uns gestellt – und uns schließlich doch dafür entschieden. Denn es gab auch 2020 herausragende Leistungen von Sportlerinnen, Sportlern und Mannschaften aus dem Kreis.

„Am Ende haben uns unsere Leserinnen und Leser recht gegeben, rund 3500 haben sich beteiligt – das sind mehr als im Vorjahr“, verkündete Redaktionsleiter Thomas Zeller bei der Siegerehrung am Mittwochabend. Diese fand natürlich nicht im Congress-Centrum, sondern wie fast alles in diesen Tagen virtuell statt.

Das hat sogar Vorteile, denn die oft auf professionellem Level trainierenden Topsportler konnten in den vergangenen Jahren manchmal nicht an der Ehrung teilnehmen, da sie schon wieder bei Wettkämpfen weilten. So etwa die Dritte bei den Damen, Katharina Haas. Die herausragende Skifahrerin des SC Gerstetten lebt (bis zum Abitur im Frühsommer) im Internat in Oberstdorf und ist dort auch täglich auf der Piste.

Die Sieger der HZ-Sportlerwahl

Bildergalerie Die Sieger der HZ-Sportlerwahl

Für die 18-Jährige lagen 2020 Glück und Pech eng beisammen. Sie qualifizierte sich für die Olympischen Jugendspiele, riss sich dann das Kreuzband, gab aber nicht auf und schaffte sogar den Aufstieg in den C-Kader. In einer Woche, so verriet die Gerstetterin, bestreitet sie sogar wieder ihr erstes Rennen.

Zweite wurde eine Newcomerin bei der Wahl, die Läuferin Antonia Schüßler von der TSG Schnaitheim. Sie gewann 2020 den Nattheimer Maultaschenlauf und wurde Zweite in Lauingen. Zu ihrem Sport kam sie durch ihren Vater, den sie anfangs bei dessen Joggingrunden auf dem Fahrrad begleitete. „Am Anfang dachte ich immer, das schaffe ich nie. Mittlerweile will er nicht immer mit mir laufen“, schmunzelte Schüßler. An welchen Läufen sie dieses Jahr teilnehmen kann, ist noch unsicher, auf jeden Fall aber will sie über zehn Kilometer die 40-Minuten-Marke knacken.

Erst qualifiziert, dann abgesagt

Den Sieg holte sich bei den Damen die Turnerin Elisa Kuen vom HSB. Sie schaffte 2020 die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft – und musste dann mitanschauen, wie die Titelkämpfe wegen der Pandemie gestrichen wurden. Besonders bitter: Für die DM in diesem Jahr muss sich die 23-Jährige wohl erneut qualifizieren. „Das war schon ärgerlich, aber man kann es nicht ändern“, sagte die Hermaringerin, die in diesem Jahr einen neuen Anlauf startet, aber im Moment noch gar nicht weiß, wann überhaupt Qualifikationswettkämpfe stattfinden. Immerhin: Trainieren darf sie unter den üblichen Auflagen, muss dafür allerdings immer vom Studienort Ulm nach Heidenheim fahren.

Rang drei bei den Herren ging an Malte Kolb von der TSV Herbrechtingen. Der herausragende Läufer schaffte es nach mehreren Anläufen erstmals aufs Treppchen – der Lohn für viele gute Leistungen wie zum Beispiel die baden-württembergische Vizemeisterschaft über 3000 Meter.

Ein weiterer Internatsschüler ist Jan Andersen, der ebenfalls erstmals unter die Top drei kam. Kein Wunder nach seinem siebten Rang bei den Olympischen Jugendspielen. Der Nordische Kombinierer vom SC Königsbronn meldete sich aus Furtwangen, war aber auch schon wieder auf dem Sprung: Am Morgen nach der Ehrung machte sich der 18-Jährige auf nach Finnland, denn er steht im Team des Deutschen Skiverbandes für die Junioren-Weltmeisterschaft. In Lahti sind ihm weite Sprünge – im Training hat Andersen schon über 140 Meter geschafft – und schnelle Zeiten in der Loipe zu wünschen.

Über den Sieg freute sich der Heidenheimer Windsurfer Maxi Räuchle, der nach seinem zwölften Rang im Herren-Weltcup (Zweiter der U 21) auch auf die höchste Stimmenzahl in allen Kategorien kam. Ein kurzes Video vermittelte einen Eindruck von den Fähigkeiten des gerade erst 18 Jahre alt gewordenen MPG-Schülers, der dank Foil mit seinem Surfbrett regelrecht übers Wasser schwebt. Ein weiterer Star des am Gardasee gedrehten Films: Hündin Nala. „Die ist immer ganz begeistert, aber halt ein bisschen wasserscheu“, berichtet Räuchle, der übrigens wie Haas und Andersen vor seinem Abitur steht. Was danach kommt, ist noch offen, der Traum vom Surfprofi lebt aber weiter.

Dritte wurden sie in der vergangenen Zweitligasaison, Dritte auch bei der Sportlerwahl: Die Fußballer des 1. FC Heidenheim. Mannschaftskapitän Marc Schnatterer blickte zurück auf ein ebenso ungewöhnliches wie ereignisreiches Jahr. „Trotzdem war es unser erfolgreichstes Jahr. Nur schade, dass es kein Happy End gab, es wäre in beiden Spielen etwas drin gewesen“, erinnert Schnatterer an die Relegation gegen Werder Bremen. Aber natürlich geht der Blick längst wieder nach vorn und Heidenheims Fußballlegende hat einen großen Wunsch: „Dass wir wieder vor Zuschauern in der Voith-Arena spielen können.“

Nach Rang zwei in der Verbandsliga und Rang zwei in der laufenden Runde landeten die Fußballerinnen des FFV Heidenheim auch bei der Sportlerwahl auf dem zweiten Platz. Mannschaftskapitänin Verena Hörger sieht das Team gut gerüstet, jetzt sollte nur einfach wieder gespielt werden. „Wir hoffen, dass es bald wieder losgeht und dass wir den Aufstieg schaffen“, so Hörgers Ansage.

Und dem deutschen Meister gebührt der erste Platz: Zum sechsten Mal standen die Baseballer der Heidenheim Heideköpfe ganz oben auf dem Treppchen. Auch für Teamcaptain Simon Gühring war 2020 ein verrücktes Jahr: „Es war sehr herausfordernd, weil wir lange nicht wussten, ob wir überhaupt spielen dürfen. Dann lief aber alles so weit gut und es war ein Mix aus erfahrenen und jungen, sehr talentierten Spielern, der den Erfolg möglich gemacht hat.“ Die Ziele für dieses Jahr sind klar: Wieder Meister und beim Championscup Erster werden.

Youtube Sportlerwahl der Heidenheimer Zeitung

Alle Platzierungen im Überblick:

Sportlerinnen

Platz eins: Elisa Kuen, HSB, Turnen, 646 Stimmen

Platz zwei: Antonia Schüßler, TSG Schnaitheim, Laufen, 580 Stimmen

Platz drei: Katharina Haas, SC Gerstetten, Skifahren, 555 Stimmen

Platz vier: Carla Schweizer, RV Heidenheim, Reiten, 389 Stimmen

Platz fünf: Karin Elsholtz, TSG Giengen, Laufen, 259 Stimmen

Platz sechs: Sofia Wolf, HSB/1. FC Donzdorf, Leichtathletik und Fußball, 220 Stimmen

Sportler

Platz eins: Maximilian Räuchle, Windsurfen, 1124 Stimmen

Platz zwei: Jan Andersen, SC Königsbronn, Nordische Kombination, 471 Stimmen

Platz drei: Malte Kolb, TSV Buigen Runners, Laufen, 392 Stimmen

Platz vier: Marvin Staudenmaier, RKV Herbrechtingen, Kunstradfahren, 361 Stimmen

Platz fünf: Markus Westhäuser, Biko-o-rado Racing-Team Heidenheim, Radfahren, 287 Stimmen

Platz sechs: Tobias Bühner, HSB, Leichtathletik, 284 Stimmen

Mannschaften

Platz eins: Heidenheim Heideköpfe, HSB, Baseballer, 850 Stimmen

Platz zwei: FFV Heidenheim, Fußballerinnen, 469 Stimmen

Platz drei: 1. FC Heidenheim, Fußballer, 437 Stimmen

Platz vier: TV Steinheim, Handballer, 307 Stimmen

Platz fünf: FV Burgberg, Keglerinnen, 215 Stimmen

Platz sechs: 1. FC Heidenheim, A-Junioren, Fußballer, 81 Stimmen

Sonderpreis der Kreissparkasse Heidenheim


Auch bei der 42. Heidenheimer Sportlerwahl gab es wieder einen Sonderpreis von der Heidenheimer Kreissparkasse für die beiden erfolgreichsten Nachwuchssportler. Ausgezeichnet wurden dieses Mal die Leichtathletin und Fußballerin Sofia Wolf sowie der Kunstradfahrer Marvin Staudenmaier.