Heidenheim / Kathrin Schuler Als junger Mann war Hans Knoth selbst erfolgreicher Athlet. Als Lehrer und Trainer prägte er Hunderte junger Sportler und brachte den HSB entscheidend voran.

Ein paar Jungs spielen in den 50er-Jahren am Wedelgraben Fußball. Die halbwüchsigen Jugendlichen kicken den Ball hin und her, als ein junger Mann auf dem Fahrrad neben ihnen anhält. „He, ihr da!“, ruft er, habt ihr nicht Lust, mal was anderes auszuprobieren?“ Emil Schwarz heißt er, und er will eine Handballmannschaft gründen.

Hans Knoth ist einer der Jungs vom Wedelgraben und damals 13 Jahre alt. Dass dieser Tag der Beginn seiner sportlichen Karriere sein würde, hätte er damals nicht gedacht: „Wir haben einfach alle mitgemacht.“ Ziemlich schlecht sei ihre Handballmannschaft allerdings in der ersten Saison gewesen – getroffen haben die Jungs am Anfang nicht viel.

Doch zwei Jahre später, im Jahr 1954, wird die Mannschaft mit Trainer Emil Schwarz bereits Kreismeister, spielt in der Oberliga und misst sich erfolgreich mit heutigen Spitzen-Vereinen wie Frisch Auf Göppingen.

Vom Handball zur Leichtathletik

Über den Handball kam Knoth dann zur Leichtathletik. Interessiert habe ihn der Sport schon immer – und dann suchten die Speerwerfer Verstärkung: „Wer einen Ball werfen kann, bekommt auch einen Speer in die Luft hieß es damals.“

Und es stimmte: Auf Anhieb schleuderte Hans Knoth einen Speer mehr als 40 Meter weit – und kam von da an nicht mehr von der Leichtathletik los. „Im Hochsprung und im Sprint war ich auch ganz ordentlich – und schon war ich in der Mannschaft“, erzählt er.

Morgens auf dem Handballfeld, mittags beim Wettkampf

Knoth trat nicht nur in den Einzeldisziplinen an: Am meisten reizte ihn der Zehnkampf. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Mit 19 wurde er zum ersten Mal baden-württembergischer Meister mit der Mehrkampf-Mannschaft des HSB, nach kurzer Zeit stand er auf dem vierten Platz der Landesbestenliste und wurde in den Kader aufgenommen.

Mit 25 hängte der Sportler schließlich den Handball an den Nagel, nachdem die Sportarten jahrelang parallel gelaufen waren: „Morgens stand ich auf dem Handballfeld, mittags bin ich mit dem Fahrrad zum Wettkampf – das vertrug sich irgendwann nicht mehr so gut“, erzählt Knoth.

Von da an konzentrierte er sich ganz auf die Leichtathletik. Seine Lieblingsdisziplin und Stärke blieb der Speerwurf, da waren für Knoth die meisten Punkte zu holen. Auch die Kurzdistanz lag ihm – ganz im Gegensatz zum 1500-Meter-Lauf: „Das war immer eine rechte Plackerei für mich!“

Ein Leben für den Sport

Am Freitag, 9. August 2019, feiert Hans Knoth seinen 80. Geburtstag. Seit seiner Jugend hat der Sport ihn geprägt – und er prägt das sportliche Heidenheim noch heute. Denn Knoth war nicht nur als Sportler erfolgreich, sondern beeinflusste ganze Generationen junger Athleten: als Trainer und als Lehrer.

Sport war für Knoth mehr als ein Hobby. Er richtete sein ganzes Leben danach aus, krempelte auch seine berufliche Laufbahn um: Vom gelernten Technischen Zeichner schulte er Mitte 20 um zum Technik- und Sportlehrer. „Andere zum Sport zu motivieren war schon damals meine große Leidenschaft und das Land suchte dringend Lehrkräfte – also hab ich’s gemacht“, erzählt Knoth, der bis zum Ruhestand an der Adalbert-Stifter-Realschule unterrichtete.

Unzählige deutsche Meister lernten bei ihm

Knoth trainierte beim HSB zahlreiche Handballmannschaften, war Gründungsmitglied der Tennisabteilung und Sportwart, Skilehrer – und vor allem eines: Immer mit vollem Einsatz dabei.

Doch nirgends war sein Einfluss so prägend wie als Leichtathletik-Trainer. Mit dem Heidenheimer Speerwerfer Helmut Schreiber, der später die 90 Meter knackte, brachte er 1973 seinen ersten deutschen Jugendmeister hervor – und er sollte nur einer von vielen sein.

Unzählige Athleten auf höchstem sportlichem Niveau gingen durch seine Schule, denn Knoth war nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus in verschiedenen Disziplinen als Landestrainer des Württembergischen Leichtathletik-Verbands tätig.

Nicht nur in sportlicher Hinsicht prägend

Nicht immer fiel es Hans Knoth leicht, als Trainer plötzlich nur noch am Rand dabei statt mittendrin zu sein. „Herr Knoth, waren Sie früher auch mal gut?“, fragten ihn viele seiner Schützlinge. Doch für ihn zählten nicht allein die sportlichen Erfolge. „Man lernt nie aus“, lautete stets Knoths Devise als Trainer, der die persönliche Herausforderung schätzte und immer noch stolz ist, seine Athleten nicht nur in sportlicher Hinsicht geprägt zu haben.

Mit dem Fahrradunfall war plötzlich alles vorbei

Mehr als vier Jahrzehnte lang war Knoth als Trainer tätig, mehr als 500 Sportler wurden von ihm betreut. 2008 hörte er in der Leichtathletik auf – doch auch dann noch drillte er zumindest die HSB-Fechter in Sachen Schnelligkeit.

Bis 2013: Mit seinem schweren Fahrradunfall war mit einem Schlag alles vorbei. Viele Monate saß Hans Knoth im Rollstuhl – und nur dank seines Sportsgeists schaffte er es wieder heraus: „Ohne den antrainierten eisernen Willen und mein Durchsetzungsvermögen hätte ich das nicht geschafft.“

Obwohl der Unfall ein Schlag für ihn war, hat Knoth nie mit seinem Schicksal gehadert: Stattdessen beschäftigt er sich mit neuer Technik, verbringt viel Zeit mit der Familie und trifft sich mit seinen Handballkameraden von damals zum Stammtisch. Und um sich fit und beweglich zu halten, macht er Gymnastik: „Das ist jetzt mein Leistungssport.“

Vielfach geehrt und ausgezeichnet

Für sein Engagement und seine mehr als 40-jährige Tätigkeit als Trainer wurde Hans Knoth bereits vielfach ausgezeichnet. Beim Heidenheimer Sportbund ist er seit seinem Ausscheiden als Trainer 2008 Ehrenmitglied. Die Stadt Heidenheim zeichnete ihn mit der Goldenen Münze für sein Lebenswerk aus. Vom Württembergischen Leichtathletik-Verband erhielt er die goldene Ehrennadel, den Ehrenbrief vom Württembergischen Landessportbund und er wurde mit dem LSV-Trainerpreis ausgezeichnet.