Herbrechtingen / Edgar Deibert Im Finale des Team-Weltcups setzten sich die Ungarn knapp gegen die Franzosen durch. Im Anschluss nahmen sich András Rédli und Yannick Borel Zeit für ein Interview., dass teilweise auf Deutsch geführt wurde.

Das Siegerinterview hätte er am liebsten auf Deutsch gegeben: Die Mutter von András Rédli ist in seinem Heimatland Deutschlehrerin. Kein Wunder also, dass der 36-Jährige damit kein Problem hat, mit Schwäbisch allerdings eher.

Nach Ungarns 45:43-Finalsieg im Team-Weltcup gegen Frankreich war Rédli aber vor allem eins: total müde. Nach drei anstrengenden Tagen in der Herbrechtinger Bibrishalle stand er dennoch der HZ Rede und Antwort.

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Und zeigte sich hochkonzentriert. Denn gewonnen haben die Ungarn – eigentlich – noch gar nichts. „Wir wollen uns als Team für Tokio qualifizieren“, erklärte Rédli im Hinblick auf die Olympischen Spiele. Noch fehlen allerdings einige Schritte, zwei Weltcups stehen aus. „Wir sind in einer guten Form“, sagte der Budapester, allerdings im fast perfekten Englisch. „Olympia ist nun viel realistischer.“

Die Gefechte gegen Frankreich hätten dabei immer einen Derbycharakter, so Rédli, der das Interview, nun auf Deutsch, so beendete: „Gutes neues Jahr und alles Gute!“

Britta Heidemann kommentiert

In der Tat war es ein äußerst spannendes Finale, das wie gewohnt von Michael Banz für die knapp 500 Zuschauer kommentiert wurde. An seiner Seite nahm Britta Heidemann, Olympiasiegerin 2008 in Peking, Platz und fungierte als Co-Kommentatorin.

Schnell gingen die Ungarn um Einzel-Weltmeister Gergely Siklósi gegen den amtierenden Mannschafts-Weltmeister in Führung und lagen zwischenzeitlich sogar mit 20:12 vorne. Doch die Franzosen blieben dran, ehe Yannick Borel im sechsten Gefecht gegen Rédli nicht nur ausglich, sondern seine Mannschaft auch mit 29:28 in Front brachte.

Da in der Folge keines der Teams sich entscheidend absetzen konnte, blieb es bis ins abschließende Gefecht spannend. Hier führte Borel gegen Daniel Berta zwischenzeitlich mit 39:37, doch der Ungar kam heran und drehte dieses Gefecht zum 45:43.

Borel anfangs ohne eine Lösung

„Ich hatte am Anfang keine Lösung gegen ihn und diese erst gegen Ende gefunden. Aber da war es schon zu spät“, erklärte Borel, der einst mit dem Fechten anfing, nachdem er „Zorro“ im Fernsehen gesehen hatte. Dennoch hatten die Franzosen allen Grund zum Feiern. „Wir haben uns gerade für Olympia qualifiziert“, so Borel stolz. „Wir haben den Job erledigt!“

Der 31-Jährige war dabei bereits zum zehnten Mal bei den Heidenheimer Fechtertagen im Einsatz. Viel von der Umgebung gesehen habe er allerdings noch nicht. Vor allem darum, weil die Wettbewerbe sehr zeitintensiv und kraftraubend seien. Eines habe er sich aber vorgenommen: „In meinem letzten Jahr werde ich Niklas Multerer oder Stephan Rein bitten, mir die Stadt zu zeigen.“

Bundestrainer Mario Böttcher: „Das war natürlich ein Schlag“

Das deutsche Nationalteam belegte bei seinem Heimweltcup wie im Vorjahr den zehnten Platz. Ohne HSBler Stephan Rein (Fußverletzung). „Das war natürlich ein Schlag, den wir verkraften mussten“, so Bundestrainer Mario Böttcher. „Es tut uns schon weh, dass so jemand, der international erfahren und weit vorne in der Weltrangliste ist, auf einmal nicht mehr im Team ist.“ Zugleich blickte Böttcher Richtung des Grand Prix in knapp zwei Wochen: „Wir hoffen, dass wir ihn für Doha fit kriegen.“

Mit dem Abschneiden beim Team-Weltcup könne man im deutschen Lager zufrieden sein. „Ärgerlicherweise sind wir wieder im 16er ausgeschieden und konnten nicht um die Medaillenplätze mitfechten“, sagte Böttcher zum 34:45 gegen die Schweiz in der zweiten Runde. In den Platzierungsgefechten unterlag das deutsche Team um Nikolaus Bodoczi (Offenbach), Richard Schmidt (Tauberbischofsheim) und Lukas Bellmann (Leverkusen) nach Siegen gegen Argentinien (39:45) und Hongkong (44:27) den Japanern mit 35:45. „Hinten raus ist uns ein bisschen die Puste ausgegangen“, so Bundestrainer Böttcher. Nach dem ersten Drittel lagen die Deutschen vorne, ehe Satoru Uyama gegen Schmidt Japan in Front brachte.