Der Sprung ins kalte Meer kam erst nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Noch in den Wettkampfuniformen rannten die Cheerleader der Highland Highlights vom Campingplatz aus in die Adria, den Siegerpokal fest in den Händen. Wenige Stunden zuvor hatte die Formation „HHC Universe“ im kroatischen Novigrad ihren ersten Europameistertitel gewonnen – und das nach zwei Vizetiteln in den Jahren zuvor. Dass ausgerechnet diese Mannschaft ganz oben stehen würde, hatten wenige Wochen zuvor wohl die wenigsten erwartet.
Denn die Saison hatte alles andere als nach Gold ausgesehen. Bei der deutschen Meisterschaft war die Enttäuschung groß gewesen. Fehler auf der Matte, Rang vier statt Medaille lautete das ernüchternde Ergebnis. „Wir waren mental gar nicht ready“, erinnert sich Luci Schettkat. Nach mehreren erfolgreichen Jahren sei im Team etwas eingeschlafen gewesen. Statt den Rückschlag hinzunehmen, setzte sich das Team zusammen. Ein Training wurde gestrichen, stattdessen wurde offen gesprochen. Die Frage lautete: „Wollen wir die Europameisterschaft wirklich?“

Die Antwort fiel eindeutig aus. „Wenn wir fahren, dann geben wir alle 100 Prozent“, beschreibt Schettkat den Wendepunkt. Plötzlich war die Energie zurück. Obwohl die Vorbereitung mitten in der Urlaubszeit stattfand und Verletzungen Umstellungen nötig machten, zog jeder mit. „Jeder Schweiß, jede Träne im Training hat sich gelohnt“, sagt Schettkat.
Als Team zusammengewachsen
Die Reise begann wenig erholsam. Nach dem Abschlusstraining ging es für Trainerin Sonja Steiger und einen Teil der Mannschaft bereits um drei Uhr morgens Richtung Kroatien. Eine Vollsperrung in Slowenien kostete Zeit, andere Teammitglieder reisten später nach. Auf einem Campingplatz bezog die Gruppe vier Mobilheime mit Pool direkt vor der Tür. Nach organisatorischem Stress mit Formularen folgte am Abend die Eröffnungsfeier. Vom Hafen zog ein langer Tross mit Musik und Fahnen durch Novigrad. „Am Straßenrand standen viele Leute und haben uns zugejubelt“, erzählt Steiger.

Der Samstag vor dem Wettkampf fühlte sich fast wie Urlaub an. Hebefiguren im Pool, ein Ausflug ans Meer, Pizza am Strand und gemeinsame Fotos standen auf dem Programm. „Das hätten wir bei einem Wettkampf in Deutschland nie gehabt“, sagt Steiger.
Genau diese Stunden abseits der Matte machten den Unterschied. „Ich sehe viele aus dem Team seit Jahren zwei- bis dreimal pro Woche“, erzählt Verena Gambuti. „Aber an diesem Wochenende habe ich manche erst richtig kennengelernt.“ Zusammen wohnen, kochen, essen und den ganzen Tag miteinander verbringen, habe das Teamgefühl auf eine neue Ebene gehoben. „Unser Teamgefühl ist nach dem Wochenende einfach noch einmal ganz anders geworden“, sagt sie.

Der Hitze getrotzt
Am Sonntag wurde es dann ernst. Die Halle war trotz Klimaanlage drückend heiß. Im Aufwärmbereich lief der Schweiß in Strömen. „Wir haben so geschwitzt, dass wir die Uniform kaum anziehen konnten“, berichtet Steiger. Magnesia sorgte dafür, dass die Hände bei den Hebefiguren nicht wegrutschten. Zunächst zeigten die „HHC Black Lights“ beim Group Stunt eine starke Vorstellung und belegten Rang vier. Viel Zeit zum Verschnaufen blieb den vier Athletinnen nicht. Einige mussten sich innerhalb von 25 Minuten umziehen und anschließend mit dem Senior-Team erneut auf die Matte. „Wir sind im Endeffekt direkt vom Warm-up auf die Matte. Das war schon auch echt mental anstrengend“, schildert Gambuti.

Dort gelang der Auftritt, auf den die Mannschaft so lange hingearbeitet hatte. Die folgenschweren Fehler wie bei der deutschen Meisterschaft blieben aus, stattdessen gelang ein nahezu perfektes Programm. „Sie haben sich richtig gut durchgekämpft“, sagt Steiger. „Bei der DM haben wir viele Fehler gemacht, das gab es bei der EM nicht.“ Die Entscheidung über Gold oder Silber wurde dann zu einem echten Nervenkrieg. Punktgleich mit Herrenberg lagen die Highlands an der Spitze. Ausschlaggebend war der höhere Technikwert. „Ein einziger Fehler mehr und wir wären Zweiter gewesen“, sagt Gambuti. „Das war schon ein richtig krasser Moment.“

Umjubelte Rückkehr nach Schnaitheim
Nach dem Sprung ins Meer feierte die Mannschaft ganz in Weiß gekleidet den Titel bei einem „White Dinner“. Am nächsten Morgen ging es zurück nach Schnaitheim, wo der Feiermarathon weiterging. Bei der Ankunft am Fischerweg warteten Vereinsvertreter, Familien, Freunde und Fans bereits auf die Europameisterinnen. Die Glückwünsche rissen auch in den Tagen danach nicht ab. „Es wird noch länger dauern, bis uns ganz klar geworden ist, dass wir diesen Titel wirklich geholt haben“, sagt Steiger. „Das ist einfach total cool.“

Viel Zeit zum Genießen bleibt allerdings nicht. Schon wenige Tage später begann die Vorbereitung auf die neue Saison. Einige Europameisterinnen hören wegen ihres Studiums oder ihrer Ausbildung auf, neue Gesichter rücken nach. Und das Thema Titelverteidigung? Darüber denkt in Schnaitheim kaum jemand nach. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass aus einer schwierigen Saison durch Ehrlichkeit, Zusammenhalt und Teamgeist die erfolgreichste Reise der Abteilungsgeschichte wurde.
