Heidenheim / Edgar Deibert Der SV 04 Heidenheim plant den Sprung in die Oberliga. Dazu beitragen sollen nicht nur zwei namhafte Neuzugänge, sondern auch ein außergewöhnlich hartes Trainingsprogramm.

Trainingsauftakt ist immer so eine Sache. Man trifft sich, quatscht – und fängt eher locker an. Dennoch war das erste Zusammenkommen im September bei den Wasserballern des SV 04 Heidenheim etwas Besonderes. Zunächst wurden zwar wie gewohnt die Tore im Becken der Aquarena aufgebaut – bis Patrick Hoyer dies bemerkte und das Kommando gab: „Die könnt ihr gleich wieder abbauen.“ Seine Schützlinge haben lange Zeit keinen Ball gesehen, gesteht der Trainer. Stattdessen wurde richtig viel geschwommen.

Pro Einheit 3,5 bis 4 Kilometer, seit Trainingsbeginn sind über 50 Kilometer zusammengekommen. Für die konditionelle Grundlage standen längere Strecken (2x2000 m) auf dem Plan. „Nach dem ersten Mal war das Training auch schon zu Ende“, erinnert sich Hoyer und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Im weiteren Verlauf ging es um Schnelligkeit und Spritzigkeit, auf kürzere Strecken: 3x800 m, 6x400 m. Vor dem Saisonauftakt am Donnerstag gegen den SSV Zuffenhausen II (20.30 Uhr, Aquarena) standen nur noch 25-m-Sprints an.

Youtube Auf Tauchstation: Zu Besuch bei den Heidenheimer Wasserballern

„Wir haben das Tempo gut angezogen und so viel trainiert wie noch nie“, so Hoyer. Warum, liegt auf der Hand: Bei einer Umfrage gaben alle Spieler das Saisonziel Aufstieg in die Oberliga an. „Dann muss man auch wie ein Aufsteiger trainieren“, sagt Hoyer. Also wie ein Ober- und nicht wie ein Verbandsligist.

Blöde Sprüche für den Trainer

Das hohe Pensum habe seine Mannschaft gut angenommen. So gibt es auf freiwilliger Basis eine halbe Stunde vor der Schinderei im Wasser ein Athletik-Training mit Spieler Thomas Schenk im Trockenen. „Die Jungs sind echt motiviert“, lobt der Heidenheimer Coach. Wobei dann doch der ein oder andere Spruch fällt. „Trainer, ich habe meine Badehose angezogen, mit der ich besonders gut schießen kann. Warum gibt’s kein Schusstraining?“ Oder: „Muss das schon wieder sein? Ich bin doch Wasserballer und kein Schwimmer.“

Hoyer nimmt’s gelassen, weil er weiß, dass sein Team vom ungewöhnlich harten Trainingsprogramm profitieren wird. „Die Jungs sind im Vergleich zur Vorsaison fitter und schneller.“ Weitere Vorteile: Die Schüsse sind härter, die Würfe gehen weiter. So wollen die Heidenheimer ihren Gegnern nicht nur schwimmerisch, sondern auch konditionell überlegen sein. „Wir erhoffen uns, vor allem gegen Ende des Spiels das ein oder andere Tor durch schnelle Tempogegenstöße zu erzielen“, sagt Hoyer.

Dennoch: Es gehört auch eine gewisse Portion Selbstbewusstsein dazu, den Aufstieg als offizielles Saisonziel auszugeben. Doch auch im Umfeld der Mannschaft wird der Gang in die Oberliga anvisiert. Schließlich gibt es bei den Heidenheimern auch zwei namhafte Neuzugänge, die beide Spieler für die Startformation sind.

Kai Stubenvoll ist zurück

Kai Stubenvoll ist dabei als Rückkehrer ein Spieler für die rechte Seite. Der gebürtige Heidenheimer studierte ein Jahr lang in Freiburg (zudem Aufstieg mit den Wasserballern in die Oberliga), bevor er seinen Studienort nach Mannheim verlegte (Wirtschaft und Sport auf Lehramt) und drei Jahre für die SGW Leimen/Mannheim in der 2. Liga spielte. Eineinhalb Jahre trat er zusätzlich mit deren zweiter Mannschaft an.

Youtube

24 Spiele in der 2. Liga plus die Partien mit der „Zweiten“: Stubenvoll möchte nun weniger spielen und mehr Zeit mit der Familie verbringen, weshalb ihm der Wechsel nach Heidenheim sinnvoll erscheint. „Wir sind so gut aufgestellt wie lange nicht mehr“, sagt der Rückkehrer, der weiterhin in Mannheim trainieren wird.

Hier lernte er auch seinen neuen Coach kennen. Auch Hoyer spielte einst für die SGW Leimen/Mannheim. „Er kann sehr überzeugend sein“, sagt Stubenvoll über Hoyer, betont allerdings zugleich: „Ich habe die Entscheidung selbst getroffen, nach Heidenheim zurückzukommen.“

Leonard Gabel kommt aus Stuttgart

Als „super Typ“ bezeichnet Trainer Hoyer auch den zweiten Neuzugang: Leonard Gabel. Der gebürtige Stuttgarter (Vaihingen) sei schnell und wendig und habe einen guten Schuss. Nach seinem Abitur hat Gabel in Bartholomä eine Ausbildung zum Forstwirt begonnen, lebt allerdings in einer Wohngemeinschaft in Steinheim. „Ich habe tatsächlich die Ausbildungsstelle danach ausgesucht, ob es in der Nähe einen Wasserballverein gibt“, sagt Gabel.

Der 18-Jährige kennt den SV 04 aus den vergangenen Jahren. Mit der ersten Mannschaft des PSV Stuttgart spielte er in der Oberliga, zusätzlich mit der „Zweiten“ in der Verbandsliga. Er habe in der vergangenen Saison das Gefühl gehabt, dass die Heidenheimer sich im Vergleich zu den Vorjahren gesteigert haben und ambitioniert sind. „Nun hoffe ich, dass wir etwas reißen können. Es könnte eine geile Saison werden“, sagt Gabel.

Am Donnerstag wird’s also ernst. Und ein gewisser Druck ist auch da. „Dem halten wir aber stand“, ist Trainer Hoyer überzeugt.

Die HZ begleitete die Heidenheimer Wasserballer bei ihrem letzten Saison-Heimspiel. In der kommenden Spielzeit peilt der SV 04 Heidenheim zudem den Aufstieg an.

Bleigurte im Training – Cedric Jung Stammtorhüter

Nach neuen Trainingsmethoden ist Patrick Hoyer immer auf der Suche. Für die neue Saison bestellte der Heidenheimer Coach Bleigurte (2 und 2,5 Kilogramm), mit denen er bei Pass- und Schussübungen trainieren lässt (Wasserballer sagen schießen statt werfen). „Die Methode kenne ich noch aus meiner Zeit in Mannheim“, sagt der 35-Jährige, der nach weiteren „Utensilien“ sucht. Er hätte gerne etwas mit Gummizügen.

In der zweiten Saison ist Hoyer Trainer der Heidenheimer Wasserballer. Er übernahm die Mannschaft in der Vorsaison aber erst, nachdem die Vorbereitung vorbei war. Früher spielte Hoyer auch in der Bundesliga mit der SGW Leimen/Mannheim.

Cedric Jung ist Stammtorhüter des SV 04. Der 17-Jährige hatte in den Trainingseinheiten die ganze Zeit über einen Bleigurt um die Hüfte geschnallt.