Mit 31 Jahren schon musste Walter Fetzer seine Ringerschuhe an den Nagel hängen. Der Halswirbel spielte nicht mehr mit, an Übungen auf der Matte war von da an nicht mehr zu denken. Heute ist Fetzer 64 Jahre alt, steht aber trotzdem mit beiden Beinen fest im Vereinsleben der TSV – und ist dort als tragende Stütze nicht wegzudenken. „Dreh- und Angelpunkt“ nennt ihn Pressesprecher Alwin Reimer, während sich Fetzer selbst gern scherzhaft als „Mädchen für alles“ bezeichnet.

Das Mädchen für alles ist eigentlich technischer Leiter bei den Herbrechtinger Ringern. Seit 1997 bekleidet Fetzer dieses Amt, davor begann er seine Funktionärskarriere von 1976 an als Schriftführer.

Von Technik bis Feiern ist alles dabei

Seine Aufgaben sind vielfältig, so recht abstecken lässt es sich nicht, wofür er eigentlich zuständig ist. „Das hat sich im Lauf der Jahre ergeben. Ich kümmere mich um die Computerausstattung und ums Wettkampfbüro, um die Turnierorganisation, die Kommunikation mit anderen Vereinen, mit Verbänden . . .“, erklärt Fetzer. Aber auch die Anschaffung von Pässen, das Beantragen von Lizenzen, die Organisation von Festivitäten fallen oft in seine Hände. Eine Herzensangelegenheit war zuletzt der neue Ringerraum für die Herbrechtinger, an dem er mitgearbeitet hat.

Leidenschaftlicher Wanderer: Walter Fetzer beim Ausflug der Ringer-AH in Sexten 2019.
Leidenschaftlicher Wanderer: Walter Fetzer beim Ausflug der Ringer-AH in Sexten 2019.
© Foto: privat

Bei Herbrechtingen hört es aber nicht auf. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Ebersbach stellt er das Wettkampfbüro zum Beispiel bei Meisterschaften des ganzen Bezirks und hilft im Vorfeld bei der Organisation. „Ich bin vom Beruf her IT-affin, deshalb passt das ganz gut“, so Fetzer.

Ein Höhepunkt für Walter Fetzer (links): Sein Sohn Christian Fetzer wird Vizemeister bei der EM in Bulgarien.
Ein Höhepunkt für Walter Fetzer (links): Sein Sohn Christian Fetzer wird Vizemeister bei der EM in Bulgarien.
© Foto: privat

Aufgewachsen in Anhausen ging Fetzer in Bolheim zur Schule, in Heidenheim absolvierte er dann den Realschulabschluss. Seine Ausbildung machte er bei Bosch in Giengen, lernte dort den Beruf des Energiegeräteelektronikers. Für seine Fachhochschulreife und sein Elektronikstudium zog es ihn danach noch nach Aalen, ehe er anfing, bei der Telekom zu arbeiten.

Bis Mitternacht im Büro

„Mittlerweile bin ich in passiver Altersteilzeit, jetzt kann ich mir alles besser einteilen. Davor war es oft happig, da saß ich daheim noch bis Mitternacht in meinem Büro“, erzählt der Herbrechtinger. Seit seiner Hochzeit 1976 wohnt er ganz in der Nähe der Turnhalle, hat es also nicht weit, wenn er gebraucht wird. „Und raus in die Felder kann ich auch gleich“, freut sich Fetzer, der dreimal die Woche walken geht. Joggen kommt wegen des Halswirbels nicht mehr in Frage, aber er nimmt es sportlich. „Ich bin körperlich noch fit. Wenn AH-Training ist, mache ich auch mit, ich lasse nur manche Übungen weg.“

Er hat nicht nur selbst gerungen, sondern war auch Trainer: Walter Fetzer am Mattenrand.
Er hat nicht nur selbst gerungen, sondern war auch Trainer: Walter Fetzer am Mattenrand.
© Foto: privat

Die AH, ein „eingeschworener Haufen“, wie Fetzer sagt, und die anderen Vereinsmitglieder sind mit ein Grund, warum er sich so leidenschaftlich für die Abteilung engagiert. „Wir ziehen den Karren schon so lange gemeinsam, da will ich niemanden im Stich lassen“, sagt er. Zusammengewachsen ist die Truppe dabei nicht nur bei Ringkämpfen, sondern auch abseits der Turnhalle. Jedes Jahr fahren die Ringer für mehrere Tage für eine Wandertour in die Dolomiten – eine weitere Leidenschaft von Fetzer.

Unterstützung für seinen Sohn

Wenn er nicht mit den AH unterwegs ist, unternimmt er solche Wanderungen auch gerne mit seinem Sohn Christian Fetzer, 36 Jahre alt und Bundesligaringer. Es liegt auf der Hand, dass Walter Fetzer seinen Sohn immer unterstützt – sowohl beim Sport als auch beruflich. „Mein Sohn hat einen Onlineshop, da kümmere ich mich ums Lager, den Versand und die Buchführung. Solange er noch selbst aktiv ringt, hat er sonst nicht genug Zeit dafür“, erklärt Fetzer. Für seinen Sohn ist er gerne im Einsatz, auch seine anderen Vereinsaufgaben machen Fetzer fast immer Spaß. So kümmert er sich obendrein als Gründungsmitglied des Fördervereins Mattenratzen als Schriftführer gerne ums Marketingdesign, erstellt etwa Vorlagen zum Druck oder für Banden und ist mit den Sponsoren im Austausch.

In der Saison 1973/74 wurde Walter Fetzer mit zwei seiner Brüder Verbandsligameister. Auf dem Bild stehend von links Trainer Manfred Malz, Gerhard Fetzer, Kurt Randelshofer, Josef Krukenfelner, Hermann Fetzer, Hans Fischer und Abteilungsleiter Eugen Roller sowie kniend von links Bernd Beyer, Horst Harrer, Herbert Großhable und Walter Fetzer.
In der Saison 1973/74 wurde Walter Fetzer mit zwei seiner Brüder Verbandsligameister. Auf dem Bild stehend von links Trainer Manfred Malz, Gerhard Fetzer, Kurt Randelshofer, Josef Krukenfelner, Hermann Fetzer, Hans Fischer und Abteilungsleiter Eugen Roller sowie kniend von links Bernd Beyer, Horst Harrer, Herbert Großhable und Walter Fetzer.
© Foto: privat

Anfang der 90er gab es noch keinen Förderverein, dafür aber andere Aufgaben: Zehn Jahre lang war Fetzer als Jugendtrainer aktiv. Mit seinem Sohn und den anderen Ringern in dessen Alter war der Herbrechtinger national und international unterwegs, besuchte „zig deutsche Meisterschaften“, erlebte seinen persönlichen Höhepunkt neben der Matte im Jahr 2005, als Christian Fetzer in Bulgarien bei der Europameisterschaft Vizemeister wurde.

Ein Bild von 2002: Hervorragend schlug sich da der Herbrechtinger Ringernachwuchs bei den deutschen Jugendmeisterschaften im nordrhein-westfälischen Herdecke. Das Bild zeigt (von links) Trainer Walter Fetzer, Lars Strauß, Tobias Fischer, Daniel Glaser und Christian Fetzer.
Ein Bild von 2002: Hervorragend schlug sich da der Herbrechtinger Ringernachwuchs bei den deutschen Jugendmeisterschaften im nordrhein-westfälischen Herdecke. Das Bild zeigt (von links) Trainer Walter Fetzer, Lars Strauß, Tobias Fischer, Daniel Glaser und Christian Fetzer.
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Sportliche Erfolge feierte Walter Fetzer als aktiver Ringer aber auch selbst. Von 1976 bis 1982 traten die Herbrechtinger in der 2. Bundesliga an. „Das war toll, da sind wir viel in Süddeutschland herumgekommen“, erzählt er. An die Aufstiegskämpfe erinnert er sich noch heute gerne, außerdem an die Saison 1979, als sogar der Aufstieg in die Bundesliga zum Greifen nah war. „Aber das wäre doch zu viel gewesen. Letztlich wurden wir Dritter.“

Für ein Jahr nach Aalen

Ein Jahr Bundesligaluft schnupperte Fetzer aber doch, weil er als Jugendlicher ein Jahr lang für Aalen antrat. „Sie haben einen 48-Kilo-Mann gesucht, ein Papiergewicht. Das gibt es heute gar nicht mehr, schon die Elfjährigen sind mittlerweile alle größer und schwerer als wir damals“, sagt Fetzer lachend. Schwerer als er waren auch immer seine Brüder, über die er überhaupt erst zu seiner Sportart gekommen ist. „Wir waren 13 Geschwister“, erzählt Fetzer – vier seiner sechs Brüder sind dabei, der eine mehr, der andere weniger, auch auf der Matte gestanden.

Ein paar Tage her: Das Mannschaftsturnier der Herbrechtinger Ringer anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens.
Ein paar Tage her: Das Mannschaftsturnier der Herbrechtinger Ringer anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens.
© Foto: privat

Den Vereinsgeist hat Fetzer an seine eigenen Kinder – neben seinem Sohn hat er noch eine Tochter – weitergegeben. So ist Fetzers Tochter bei den Kunstradfahrerinnen in Mergelstetten als Trainerin aktiv, die Enkeltochter fährt selbst. Sie zu betreuen, gehört übrigens ebenfalls zu Fetzers Aufgaben – davon gibt es eben immer mehr als genug.