Heidenheim / Thomas Jentscher Der Heidenheimer belegte beim Weltcupturnier in Bern den 27. Platz.

Die vorolympische Saison ist für die Fechter immer eine besonders aufregende. So auch für die HSB-Degenasse Stephan Rein und Niklas Multerer, für die es vergangenes Wochenende mit dem Weltcupturnier in Bern so richtig losging. Rein konnte mit seinem Start dann auch zufrieden sein, Rang 27 lässt ihm zumindest alle Möglichkeiten offen. Multerer erwischte dagegen einen schwarzen Tag.

Das erste Weltcupturnier der Saison in Bern bescherte den Teilnehmern einen langen Arbeitstag. Nicht weniger als 305 Fechter waren in die Schweiz gekommen, um wichtige Punkte für die Olympiaqualifikation zu sammeln.

Mit dabei waren die beiden HSBler Rein und Multerer. Letzterer musste sich allerdings schon in der Vorrunde verabschieden. Der mit Ellbogenproblemen etwas angeschlagen ins Turnier gehende Rein kam dagegen in der Runde auf vier Siege und zwei Niederlagen und erreichte als Nummer 64 die Direktausscheidung.

Nach einem Freilos und einem 15:11-Sieg über den Finnen Topias Tauriainen im 128er-K.-o. traf der 31-Jährige auf den Ukrainer Maxim Khvorost. In einem ausgeglichenen Gefecht zeigte Rein starke Nerven und konnte beim 14:14 den entscheidenden Treffer setzen. Damit qualifizierte er sich für die Hauptrunde der besten 64 am zweiten Wettkampftag.

Hier stand ihm dann kein geringerer als der amtierende Europameister Yuval Freilich aus Israel gegenüber. Doch Rein ließ sich nicht beeindrucken, zog seine Taktik das ganze Gefecht über durch und ließ dem Israeli beim 15:8 keine Chance.

Im 32er-K.-o. bekam es der Heidenheimer mit einem weiteren renommierten Fechter zu tun, dem ehemaligen Olympiasieger Ruben Limardo aus Venezuela. In einem taktisch geführten Gefecht fielen zunächst wenig Treffer. Im letzten Drittel ging Limardo mit drei Treffern in Führung, doch der HSB-Fechter gab nicht auf, riskierte viel und wurde belohnt: 8:8 stand es nach Zeitablauf und es kam zum Sudden Death. Der Südamerikaner startete einen Angriff und Rein war ein Tempo zu spät, sodass Limardo den Einzeltreffer setzte.

„Den Europameister zu schlagen, war schon cool, gegen Limardo nach dem Ausgleich doch noch zu verlieren, dagegen ärgerlich“, resümierte Rein nach dem Turnier. Im Endklassement bedeutet dies für ihn den 27. Platz, außer dem Heidenheimer erreichte mit Achim Bellmann (Platz 31) nur noch ein deutscher Fechter die Top 32.

„Vor allem angesichts meiner Ellbogenprobleme war ich zufrieden, den zweiten Turniertag zu erreichen“, sagt Rein, der wie alle seine Kollegen natürlich gerne den Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio im kommenden Jahr schaffen würde. Allerdings hat Deutschland nur noch eine ganz geringe Chance, sich über den Mannschaftsweltcup zu qualifizieren.

So bliebe nur noch der sehr harte Weg, als Einzelstarter nach Japan zu kommen. Damit müsste Rein entweder bester Europäer der nicht über die Mannschaft qualifizierten Nationen in der Weltrangliste sein oder die Kontinentalausscheidung gewinnen. Als derzeitige Nummer 48 in der Welt ist Ersteres kaum denkbar. Immerhin ist er aktuell bester deutscher Fechter in der Degen-Weltrangliste und dürfte so zum Kontinentalturnier, müsste diesen mit 25 bis 30 Startern besetzten Wettkampf aber gewinnen.

Die Chancen sind aber zumindest da und mit seiner derzeitigen Position in der Welt- und der deutschen Rangliste (Platz zwei) hat Rein gute Aussichten auf einen Start bei der Europameisterschaft Mitte Juni in Minsk (Weißrussland). „Das wäre dann das Trostpflaster“, schmunzelt der HSBler, der weiter der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört.

Weiter geht’s in Heidenheim

Das zweite Weltcupturnier der Saison ist das Heimspiel für die HSBler. Vom 9. bis 12. Januar 2020 finden wieder die Heidenheimer Fechtertage statt. Am Donnerstag und Freitag wird das Weltcupturnier um den Heidenheimer Pokal ausgefochten, das wegen der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio besonders viele Teilnehmer anlocken wird. Am Samstag treten die Nationalteams zum Nationen-Weltcup an, am Sonntag folgt wie immer der Coupe d’Europe der besten europäischen Vereinsmannschaften. Gefochten wird dieses Jahr in der neuen Herbrechtinger Bibrishalle. tj