Sieben lange Wochen sind vergangen, seit das Coronavirus den ungeimpften Schwergewichtskämpfer in die Knie zwang. Tage, Wochen und Monate zwischen ständigem Hoffen und Bangen. In der vergangenen Woche erhielt die Familie die erste gute Nachricht, seit Rizvan Abakarov im Koma liegt: Seine Lunge hatte selbstständig begonnen, wieder ein wenig zu arbeiten. Die Leistung der Lungenmaschine, die ihn am Leben hält, konnte von 100 auf 90 Prozent gesenkt werden.

Für den HSB stand Rizvan Abakarov (hinten) 2015 im Finale der deutschen Mesterschaft.
Für den HSB stand Rizvan Abakarov (hinten) 2015 im Finale der deutschen Mesterschaft.
© Foto: HSB

Doch auf jede noch so kleine Freudenbotschaft folgt ein neuer Schock: Während ein Antibiotikum zur Behandlung eines Lungeninfekts erfolgreich anschlug, breitete sich infolge dessen eine Pilzinfektion aus, die wiederum mit Medikamenten behandelt werden musste.

Keine Hirnschäden

Weil eine Untersuchung jedoch ergeben hatte, dass Rizvan Abakarovs Gehirn unbeschadet und auch die Lunge noch nicht vollkommen zerstört ist, haben die Ärzte sich dazu entschieden, den Familienvater langsam aus dem Koma zu holen.

Um dem Patienten das Atmen, Sprechen und Schlucken nach dem Aufwachen zu ermöglichen, war es notwendig, den Beatmungsschlauch (Tubus) aus der Luftröhre zu entfernen. Im Zuge dessen wurde nun eine Kanüle direkt in die Luftröhre eingesetzt, um die künstliche Beatmung auch weiterhin zu gewährleisten.

Massive Blutungen nach OP

Im Fall Rizvan Abakarov kein einfaches Unterfangen. „Der Eingriff an sich ist gut verlaufen“, sagt sein gesetzlicher Vertreter Eduard Marker. „Es ist allerdings eine andere Komplikation aufgetreten, die Rizvans Situation weiter verschlimmert“, so Marker weiter.

Rizvan Abakarov (oben) ist ein erfolgreicher Samboathlet.
Rizvan Abakarov (oben) ist ein erfolgreicher Samboathlet.
© Foto: HSB

Rizvan Abakarov habe nach dem Ende der OP massive Blutungen bekommen. Die Ärzte stellten mittels einer sogenannten Endoskopie fest, bei der Bilder im Körperinneren gemacht werden, dass die Speiseröhre beschädigt ist. „Rizvans Schleimhaut war vollkommen ausgetrocknet und hat sich bei der Operation abgelöst“, erklärt Eduard Marker in einfachen Worten das, was ihm die Ärzte übermittelt haben. Man könne sich die abgelöste und zerbröckelte Schleimhaut wie viele kleine, scharfkantige Gegenstände vorstellen, die Schnitte in der Speiseröhre verursacht haben.

Zwei Liter Blut verloren

Inzwischen konnte die Blutung gestoppt werden. Allerdings verlor der 38-Jährige bei dem Eingriff rund zwei Liter Blut und musste mit einer Bluttransfusion versorgt werden. Ob einzelne Teile der Speiseröhre dauerhaft geschädigt sind, steht bislang noch nicht fest.

Aber Rizvan Abakarov scheint ein echter Kämpfer zu sein: Zwei Tage nach dem Eingriff erreichte die Familie bessere Nachrichten. Die Leistung der Lungenmaschine konnte erneut zurückgefahren werden. Sie läuft nun auf knapp unter 80 Prozent.

Tränen bei jeder Nachricht

„Wir haben bei jeder Nachricht aus dem Krankenhaus Tränen in den Augen“, sagt Rizvans Frau Diana mit leiser Stimme. „Bei der letzten waren es Freudentränen. Es sind minimal kleine Schritte, aber es geht bergauf“, sagt sie.

Nun steht Rizvan Abakarov ein weiterer langer Weg bevor. „Die Ärzte sagen, dass es einige Zeit dauern wird, um ihn von der lebenserhaltenden Lungenmaschine zu entwöhnen. Wenn das gelingt und sein Zustand stabil ist, werden die Mediziner ihn langsam aus dem Koma holen“, sagt Marker.

Wann kommt er nach Hause?

Noch immer ist Diana Abakarovas Hoffnung, ihren Mann gesund zurück zu bekommen ungebrochen. „Er wird es schaffen“, erklärt die Frau, deren Gesicht blass ist. Die Ängste und Sorgen der vergangenen Wochen und Monate sind Diana Abakarov deutlich anzusehen. Sie betont aber: „Er ist mein Mann. Ich liebe ihn und werde mich um ihn kümmern. Die Hauptsache ist, dass er nach Hause kommt.“

Heidenheimer Sportler schwer an Corona erkrankt Der Kampf um Rizvan Abakarovs Leben geht weiter

Heidenheim

Heidenheimer Sportler schwer an Corona erkrankt Der Kampf um Rizvan Abakarovs Leben geht weiter

Heidenheim

Die HZ begleitet die Familie Abakarov


Seit einigen Wochen begleitet die HZ die Familie Abakarov und Eduard Marker. Der erste Artikel erschien am 18. November. Damals erzählte Marker: „Die Ärzte sagen, dass es für Rizvan kaum Hoffnung gibt.“ Inzwischen steht es um den HSB-Sambokämpfer etwas besser.

Im Jahr 2012 floh Rizvan Abakarov mit seiner Familie aus der Republik Dagestan (Nordkaukasus). Im Landkreis Heidenheim half er mit, das Samboprojekt in Giengen aufzubauen. Für den Heidenheimer Sportbund stand Abakarov 2015 im Finale der deutschen Meisterschaft in seiner Gewichtsklasse.