Tag für Tag kämpfen die Ärzte am Ulmer Uniklinikum um das Leben von Rizvan Abakarov, der im Koma liegt. Jetzt gibt es für den 38-jährigen Familienvater einen klitzekleinen Funken Hoffnung.

Der Schwergewichtler der HSB-Samboabteilung war ungeimpft, kam nach einer Coronainfektion ins Krankenhaus und liegt seit dem 22. Oktober im Koma (wir berichteten).

Heidenheim/Ulm

Seit mehr als vier Wochen wird der Familienvater nur durch eine Lungenmaschine am Leben gehalten.

Heidenheimer Sportler darf im Krankenhaus besucht werden

Lange Zeit hatte sich sein Zustand überhaupt nicht verändert. „Die Ärzte haben bereits über eine Abschaltung der Maschinen nachgedacht“, sagt sein gesetzlich bestellter Vertreter Eduard Marker. Kurze Zeit nach der Veröffentlichung unseres Berichts geschah für die Familie so etwas wie ein kleines Wunder: Ehefrau Diana Abakorova durfte ihren Mann besuchen.

Über viele Wochen hinweg hatte die Familie versucht, einen Besuchstermin zu bekommen. Vergeblich – immer wieder wurde sie abgewiesen. „Ich bin überglücklich, dass ich ihn nach dieser langen Zeit endlich sehen durfte. Ich konnte, auch wenn es nur kurz war, seine Hand halten, ihn streicheln und ihm sagen, dass er nicht alleine ist“, erzählt Diana Abakarova.

Rizvan Abakarovs Lunge arbeitet wieder

Vor rund einer Woche wurde Rizvan Abakarov erneut eingehend untersucht. Bei einer Computertomographie stellte sich heraus, dass das Gehirn des Familienvaters trotz der langen Zeit im Koma noch unbeschadet und auch die Lunge nicht vollständig zerstört ist. „Aufgrund dieser Untersuchung teilten die Ärzte uns mit, dass sie Rizvan noch ein bis zwei weitere Wochen an der Maschine liegen lassen“, so Marker.

Abakarov wurde von den medizinischen Fachkräften nochmals umgedreht, um ihm das Atmen zu erleichtern. Ganz langsam, kaum merklich, verbesserten sich die Werte des Mannes, die Lunge begann, selbstständig wieder ein klein wenig Sauerstoff aufzunehmen. Während die Maschine vorher durchweg auf 100 Prozent Leistung lief, arbeitete sie nun noch mit einer Auslastung von 90 Prozent.

Rizvan Abakarovs Familie hofft weiter: keine Garantie, dass er durchkommt

„Für uns fühlte sich die Nachricht so an, als ob Rizvan gesund wäre“, sagt seine Mutter Fatima Abakarova, die selbst bis vor Kurzem aufgrund einer Coronainfektion auf der Intensivstation lag und täglich um das Lebens ihres einzigen Sohnes bangt. Mitte dieser Woche erhielt die Familie die nächste positive Nachricht aus der Klinik: Die Leistung der Lungenmaschine konnte zu Beginn der Woche weiter zurückgefahren werden und arbeitete mit einer Leistung zwischen 80 und 90 Prozent. „Die Ärzte sagen aber weiterhin ganz klar, dass es keine Garantie sei, dass Rizvan durchkommt“, so Marker.

Es ist ständiges Auf und Ab. Nach der positiven Nachricht zu Wochenbeginn lief die Maschine am Dienstag wieder auf vollem Anschlag. Familie Abakarov glaubt jedoch weiterhin an ein Wunder. „Wir geben unseren Rizvan nicht auf“, sagt Diana Abakarova.

Während ihr 16-jähriger Sohn versteht wie schlimm es um den Vater steht, kann die sechsjährige Tochter nicht nachvollziehen, warum ihr Papa nicht nach Hause kommt. „Ich sage ihr dann: Papa ist im Krankenhaus und schläft sich gesund. Wenn er aufwacht kommt er zu uns nach Hause“, erzählt Diana Abakrova mit tränenerstickter Stimme.

Positives Beispiel

Mut macht der Familie auch die Geschichte des Vorsitzenden des Heidenheimer Schwimmvereins. Karl Niederberger hatte sich im Frühjahr 2020 mit Corona angesteckt (wir berichteten). 49 Tage lang kämpften die Ärzte am Heidenheimer Klinikum um sein Leben. Karl Niederberger hat es geschafft. „Ich habe überlebt“, sagt der 74-Jährige und betont: „Man darf den Mut und die Hoffnung einfach nicht verlieren.“

Derzeit behandeln die Ärzte einen Lungeninfekt Abakarovs mit Antibiotika. Sieben bis zehn Tage soll diese Behandlung dauern.

„Für uns ist jeder Tag, an dem die Ärzte den Kampf um Rizvans Leben nicht aufgeben ein Gewinn – auch wenn man bedenkt, dass sie bereits über eine Abschaltung der Maschinen nachgedacht hatten“, so Marker.