München / Carsten Muth Der BVB könnte selbstsicher zum FC Bayern reisen. Wären da nicht die vergangenen Auftritte in der Allianz-Arena, die für Schwarz-Gelb bitter endeten. Von Carsten Muth

Es war eine Demontage ersten Ranges, der Anfang vom Ende aller Titelhoffnungen. Mit 0:5 verlor Borussia Dortmund im April beim FC Bayern. Der BVB erholte sich im weiteren Verlauf der Saison von dieser Niederlage nicht mehr. Deutscher Meister 2019 wurde – mal wieder – der große Konkurrent aus München. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gastieren die Schwarz-Gelben erneut in der Allianz-Arena. Neue Saison, neues Glück? Das Stadion ist mit 70 000 Zuschauern ausverkauft. Das Topduell zwischen den erfolgreichsten deutschen Klubs der vergangenen Jahre wird in mehr als 100 Ländern übertragen.

Der BVB könnte angesichts der jüngste Erfolge – vor allem des furiosen 3:2 in der Champions League gegen Inter Mailand am Mittwoch – voller Zuversicht zu den Bayern fahren. Wären da nicht die schmerzlichen Erinnerungen an die vergangenen Auftritte in der bayerischen Landeshauptstadt. Im April gab es besagte 0:5-Klatsche, die Duelle davor gingen ebenfalls mächtig in die Hose: 1:5, 0:6, 1:4 hieß es aus Sicht der Westfalen, die, wen wundert’s, eine weitere Pleite nach Möglichkeit verhindern wollen.

Man habe in den vergangenen Jahren bei den Bayern „ordentlich auf die Nuss gekriegt“, wie BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke  sagt. „Eine Horrorbilanz“, findet Sportdirektor Michael Zorc. Am Samstag muss sich der BVB anders präsentieren, „Männerfußball“ spielen, fordert er, ohne genau zu sagen, was das nun eigentlich ist, Männerfußball. Die Einstellung müsse stimmen. Die Taktik? Sei zweitrangig.  Denn: „Wir müssen Kerle sein.“

Unklar ist mal wieder der Einsatz von Dortmunds Kapitän Marco Reus, der sich mit Sprunggelenksproblemen herumplagt. Ob Tempodribbler Jadon Sancho dabei sein kann, ist ebenfalls unklar. Der stille BVB-Coach Lucien Favre, der nach dem Sieg gegen Mailand gelöst wie lange nicht mehr wirkte, spricht sich und den Seinen Mut zu. Er betont: „Wir respektieren Bayern. Aber wir haben keine Angst vor Bayern.“

Mats Hummels kehrt am Samstag mit Dortmund zu den Bayern zurück. Beim Aufeinandertreffen im April stand der Abwehrspieler noch auf der anderen Seite, erzielte beim 5:0 sogar das Führungstor. Er findet: „Da hat der BVB nicht dagegengehalten.

Bei den Münchnern ist nach dem krachenden 1:5 bei Eintracht Frankfurt und der darauf folgenden Entlassung von Trainer Niko Kovac etwas Ruhe eingekehrt. Die Bayern haben ihre Champions-­League-Pflichtaufgabe unter der Woche gegen Piräus zwar nicht sonderlich glanzvoll, aber dennoch letztlich souverän gemeistert.

Wie lange Interimscoach Hansi Flick, ebenfalls ein eher stiller Vertreter seines Fachs, nun das Team betreuen darf, wann die Bayern einen Kovac-Nachfolger präsentieren, ist offen. „Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie. Da wollen wir durchgehen mit einem Sieg. Das ist das, was mich antreibt“, sagt Flick. Was danach kommt, werde ausgeblendet. „Der FC Bayern wird seine Entscheidung treffen“, betont der 54 Jahre alte frühere Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.

Flick machte klar, dass es nun vor allem um Ergebnisse, sprich Siege geht. Der „schöne Fußball“, an dem man in München gewöhnt sei, müsse da mitunter hintenan stehen. Der Interimscoach ließ offen, welche Formation er für das Topspiel wählt – ob also die Kreativkräfte Thiago und Coutinho wie schon gegen Piräus auch gegen Dortmund nur auf der Bank sitzen, Joshua Kimmich auf der Sechs im zentralen Mittelfeld und Thomas Müller in der Offensive den Vorzug erhalten.

Für den BVB stellt sich die Frage, wer denn bitteschön Top-Torjäger Robert Lewandowski stoppen soll, neben Torwart Manuel Neuer der einzige Münchner, der in den vergangenen Wochen starke Leistungen gezeigt hat. Der Pole hat an jedem der ersten zehn Spieltage dieser Saison getroffen. Und gegen seinen Ex-Klub Dortmund trifft der inzwischen 31-Jährige besonders gerne – zehn Mal in den letzten fünf Duellen.

Oliver Kahn fordert Trainer mit Programm

Der designierte künftige Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn wünscht sich für Bayern München einen Mann mit Programm als neuen Trainer. „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man wegkommt von irgendwelchen Namen, von großen Namen. Man muss sich Gedanken machen, für welchen Fußball Bayern München steht, welcher Trainer dazu passt“, sagte er. 

Kahn soll nach dem Vertragsende von Karl-Heinz Rummenigge am 31. Dezember 2021 dessen Nachfolger werden, bereits ab Januar wird er als Vorstandsmitglied „angelernt“. sid