Tobias Weber ist so froh darüber, dass der Maultaschenlauf in diesem Jahr stattfinden soll, dass er dafür gerne extra Wege und Mühen in Kauf nimmt: „Den Pokal fahre ich auch bis nach Friedrichshafen“, sagt er ganz locker und lacht. Denn unter den bisherigen Teilnehmern sind schon starke Läufer vom Bodensee dabei und weil es dieses Jahr wegen des Coronavirus’ keine Siegerehrung geben wird, haben sich die Veranstalter fest vorgenommen, den Pokal nachträglich persönlich abzuliefern. Vielleicht wird der Weg aber gar nicht so weit, auch die Vorjahressieger Muhammed Drammeh und Benedikt Nußbaum haben sich schon angemeldet.

Weber von der Skiabteilung der TSG Nattheim hat den Maultaschenlauf, der einst ein Sommertreffen für Skifahrer war, vor 15 Jahren mit Thomas Maier, Frank Illenberger und Wolfgang Ferner ins Leben gerufen. „Im Sommer waren immer so viele verhindert, deshalb haben wir es in den Herbst verlegt“, erzählt Weber. Das hat sich schon allein wegen der schönen Kulisse des bunten Herbstwaldes gelohnt, durch den sich die Läufer auf der hügeligen Strecke jedes Jahr durchkämpfen. Dieses Jahr wird der Lauf am Samstag, 17. Oktober, stattfinden.

Gute Stimmung auch ohne AC/DC

Dass es die Veranstaltung dieses Jahr überhaupt geben wird, war kaum zu erwarten. Alle anderen Läufe im Kreis und auch darüber hinaus sind abgesagt worden oder finden höchstens virtuell statt. „Als ich die Idee vor ein paar Monaten hier am Lagerfeuer trotzdem gebracht habe, bin ich erst mal blöd angeschaut worden“, sagt Weber vor der „Alm“, der Nattheimer Skihütte oberhalb des Sportplatzes. Ein schönes Plätzchen, an dem einem allerhand Ideen kommen können. „Ein AC/DC-Konzert am Gegenhang, das ist schon lange ein Traum von uns“, scherzt Illenberger.

Der 14. Maultaschenlauf der TSG Nattheim

Bildergalerie Der 14. Maultaschenlauf der TSG Nattheim

Soweit wird es dann doch nicht kommen, aber immerhin haben die vielen anderen Ideen der vierköpfigen Truppe bisher dazu geführt, dass der Maultaschenlauf ein fester Termin im Kalender vieler Läufer geworden ist. 271 Sportler sind vergangenes Jahr an den Start gegangen. „Das ist eine Zahl, die uns ganz recht ist“, so Weber, der den Lauf gerne eher klein halten will. Dieses Jahr jetzt kommt die Limitierung von ganz alleine: Teil des Konzepts für den Lauf ist, dass nicht mehr als 300 Teilnehmer laufen dürfen.

In Dreierteams auf die Strecke

Einen Massenstart wird es natürlich auch nicht geben. Die Skiabteilung, wie kann es anders sein, hat sich vom Langlauf inspirieren lassen und schickt die Läufer in Dreierteams mit jeweils 30 Sekunden Abstand auf die Strecke. Wolfgang Ferner war einst sogar Trainer im Langlauf von Weber und Illenberger, deshalb kennen sich die drei überhaupt erst. Illenberger kümmert sich dieses Jahr gemeinsam mit Stefan Hülsmann ums Wettkampfbüro, auch alle anderen Stationen sind mittlerweile gut geplant.

Auf der Strecke wird es lediglich eine Wasserstation geben, die Läufer bedienen sich dort selbst. Auch im Ziel gibt es etwas zu trinken, es wird nur einfach nicht von den Nattheimern ausgegeben. Auch verkauft wird sonst nichts weiter, weil schließlich nicht viele Zuschauer kommen können. Um die 25 bis 30 Helfer werden danach schauen, dass es im Start- und Zielbereich zu keinem Gedränge kommt.

Auf dem ganzen Veranstaltungsgelände besteht Maskenpflicht, sobald der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, und die Läufer bekommen im Vorfeld ihre individuelle Startzeit mitgeteilt. „Wenn dann einer auf der Strecke überholen will, kann er ja ,Spur’ rufen“, vergleicht es Weber grinsend mit Langlauf. „Oder Maultasche“, schiebt er hinterher.

Ein etwas trauriges Thema in diesem Jahr, weil es natürlich auch die Maultaschen nach dem Lauf nicht geben wird. „Eigentlich finde ich, dass man ein Motto auch durchziehen sollte“, betont Weber – deshalb hat das Team auch lange überlegt. Maultaschen eingepackt mitgeben? Doch am Ende des Tages wird es wahrscheinlich ohne schwäbische Stärkung über die Bühne gehen müssen.

Für den Lauf hat Webers Frau einst die laufende Maultasche gezeichnet. Vergangene Woche dann kam sie wieder zum Einsatz und zeichnete extra für den Pressetermin die bisherige Teilnehmerzahl auf. 102 waren es vergangenen Mittwoch, mittlerweile sind es 121. Aufwärmen können sich die Sportler am Wettkampftag in ausgewiesenen und getrennten Bereichen.

Froh sind die Nattheimer um die Unterstützung aus der Gemeinde. Bürgermeister Norbert Bereska übernimmt die Schirmherrschaft, vom Bauhof und der Brauerei Schlumberger gibt’s alle Gerätschaften, die die Abteilung braucht.

Die Lage abwarten

Bei allem Optimismus betonen die Veranstalter eines aber auch: Stattfinden wird der Lauf nur dann, wenn sich bis dahin nichts gravierend an den Infektionszahlen ändert.

So kann man sich anmelden


Für den Maultaschenlauf können sich dieses Jahr 300 Läufer anmelden. Der Kids-Lauf über 0,6 Kilometer beginnt für die Mädchen um 12.30 Uhr, für die Jungs um 12.50 Uhr. Der Waldlauf über 1,7 Kilometer für die Jahrgänge 2008 bis 2013 beginnt für die Mädchen um 13.10 Uhr und für die Jungs um 13.50 Uhr. Der Lauf über 5,3 Kilometer beginnt ab 14.30 Uhr, der Lauf über 10,1 Kilometer ebenfalls – die Läufer werden aber gestaffelt losgeschickt und erfahren vorab ihre exakte Startzeit.

Ab 11 Uhr können die Läufer ihre Startunterlagen am Vereinsheim (Jahnstraße 1) abholen. Duschen gibt es dieses Jahr keine, die WCs sind aber geöffnet. Der Start- und Zielbereich befindet sich unterhalb des Skihangs und ist ausgeschildert.

Anmeldeschluss ist am Mittwoch, 14. Oktober. Nachmeldungen sind online bis Samstag, 17. Oktober, um 9 Uhr oder bis 60 Minuten vor Start des entsprechenden Laufs möglich. Natürlich hoffen die Veranstalter aber auf frühzeitige Anmeldungen, um vor allem wegen der angepassten Bedingungen in diesem Jahr besser planen zu können. Sollte der Lauf wegen erhöhter Infektionszahlen ausfallen, erhalten die Teilnehmer ihr Geld zurück.