Kreis Heidenheim / Nadine Rau Einige Sportler aus dem Kreis waren am Sonntag für „Wings for Life“ unterwegs.

Schon für sich ist der Lauf von „Wings for Life“ kein Lauf wie jeder andere. Denn beim Start weiß noch keiner, wo das Ziel sein wird. Statt einer festen Kilometerzahl, die es zu bewältigen gilt, fährt eine halbe Stunde nach dem Start ein virtuelles Catcher Car los, das die Läufer und Rollstuhlfahrer nach und nach überholt. Wer überholt worden ist, für den ist das Rennen zu Ende. Das eigentliche Ziel des Laufes? Die Rückenmarksforschung unterstützen: Alle Startgelder und Spenden sollen dabei helfen, Querschnittslähmung zu heilen.

Dieses Jahr war der „Wings for Life“-Lauf noch zusätzlich ein besonderer. Weil es derzeit wegen des Coronavirus’ unmöglich ist, so viele Läufer in Großstädten auf der ganzen Welt gemeinsam auf eine Strecke zu lassen, liefen Athleten das Rennen einfach für sich alleine – und zwar mit einer App auf dem Handy.

Einige Läufer aus dem Kreis waren auch dabei, die sich zum Teil schon für den Lauf in München angemeldet hatten, als das Virus noch nicht in Deutschland angekommen war.

„Wir bekamen einen Gutschein, um die App zu nutzen“, erzählt etwa Ulrike Kinzler vom SV Mergelstetten, die auch schon in den vergangenen Jahren bei dem Lauf dabei war. In den vergangenen Wochen hat sie die App bei ihrem Spaziergang mit dem Hund und auch mal im Training ausprobiert. Vor dem Lauf wurde die Anwendung aktualisiert und auf den Wettbewerbsmodus eingestellt.

Das „Auto“ auf den Fersen

„Das ist eine ganz andere Art Wettkampf“, erzählt Kinzler. Einerseits gehe es nicht ums gewinnen, andererseits ist die Motivation wegen des „Autos“, das einem auf den Fersen ist, trotzdem enorm hoch. „Nach einer halben Stunde wird man automatisch etwas schneller“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie am Sonntag einen Halbmarathon absolviert, andere Läufer aus dem Kreis, Manfred Schuhmann etwa, liefen noch weiter und waren damit sehr schnell unterwegs. Schumann wurde erst nach 45,02 Kilometer eingeholt.

Kreuz und quer waren die Läufer am Sonntag im Kreis verteilt. Manche liefen von Heidenheim aus in Richtung Steinheim oder in Richtung Giengen, andere waren im Eselsburger Tal unterwegs. Kinzler entdeckte sogar motivierende Aufschriften mit Kreide auf der Straße – Sprüche wie „Papa, du schaffst das!“

Ähnlich motivierende und zum Teil sehr lustige Anmerkungen gab auch die App von sich. „Es kamen immer Kommentare von dem Auto“, beschreibt Kinzler. Was so ein Auto zu sagen hat? „Du läufst wie eine Gazelle“ oder gar „dopingverdächtig“. Während manche Läufer auf Kopfhörer gesetzt haben, ließ Kinzler ihr Handy einfach so mit sich sprechen.

Begeistert dürfte das Auto von denen gewesen sein, die gar nicht mehr aufhören wollten, zu laufen. Von den mehr als 77 000 weltweit gestarteten Läufern holte sich Michael Taylor aus Großbritannien mit 69,9 Kilometern den globalen Sieg. Rang zwei belegte Aron Anderson aus Schweden, der im Rollstuhl sehr beachtliche 68,1 Kilometern zurücklegte. Dritter wurde mit 67,1 Kilometern der Pole Dariusz Nożyński. Bester Deutscher war Ultrarunner Florian Neuschwander, der 63,2 Kilometer schaffte, bevor ihn das Catcher Car einholte.