Mergelstetten / Thomas Jentscher Marcus Wieszt vom SV Mergelstetten bewältigt 115 Kilometer und 3400 Höhenmeter in weniger als 15 Stunden. Seine Vereinskollegin Julia Laub stellt über die halbe Distanz einen phantastischen neuen Streckenrekord auf.

Was andere normalerweise an mehreren Tagen wandern in einem Limit von 24 Stunden zu laufen – das ist das Ziel beim Alb-Traum 100, einem spektakuläres Laufereignis in Geislingen, das am Wochenende zum zweiten Mal stattfand. Die Strecke war dabei der sogenannte Albtraufgängerweg, ein Wanderweg über 115 Kilometer, gespickt mit 3400 Höhenmetern.

„Ich weiß auch nicht, wie man auf so eine dumme Idee kommt“, scherzt Marcus Wieszt vom SV Mergelstetten, der drei Tage nach dem Lauf schon nicht mehr viel von den Strapazen spürt. Der ehemalige Fußballer begann erst vor ungefähr drei Jahren mit seinem Sport, seine bisher längste Strecke lief er bisher vor zwei Jahren beim Zugspitze-Supertrail, bei dem 64 km mit knackigen crica 3000 Höhenmetern zu bewältigen waren.

Morgens um 4 Uhr fiel der Startschuss

Ansonsten ist Wieszt zwischen Marathon und 10-Kilometer-Distanz unterwegs, doch das Spektakel vor der Haustür – der 34-Jährige wohnt mittlerweile in Geislingen – reizte ihn doch. Auch weil es sich um einen Benefizlauf handelt, bei dem alle Startgelder verschiedenen gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt werden.

Am Samstagmorgen um 4 Uhr erfolgte der Startschuss. „Das war schon richtig schön wie alle zusammen mit Stirnlampen gemeinsam losgelaufen sind“, sagt Wieszt. In den folgenden knapp 15 Stunden gab es viele wunderbare Eindrücke und Ausblicke. „Trails sind etwas ganz anderes. Beim Straßenlauf geht es um jede Sekunde, hier kommt man auch mal ins Gespräch, hilft sich gegenseitig“, berichtet der Ausdauerathlet. Etwas bei Kilometer 60 traf er auf einen Mitstreiter und man beschloss gemeinsam ins Ziel zu laufen.

Von Krämpfen und Magenproblemen

Aber natürlich gab’s auch Krisen auf den insgesamt elf Albaufstiegen und schmalen Wegen. „So nach 30 Kilometern hatte ich Krämpfe, die habe ich aber in den Griff bekommen. Etwa ab Kilometer 60 kamen dann Magenprobleme dazu“, erzählt Wieszt. Die steilen Anstiege auf dem Albtraufgängerweg waren nicht so das Problem. „Schlimmer waren die sehr welligen Abschnitte, da tun irgendwann die Muskeln weh.“

Doch auch dies überstand Wieszt und kam schließlich in der hervorragenden Zeit von 14:52 Stunden um kurz vor 19 Uhr glücklich als Gesamtsechster ins Ziel. Überwältigend war für ihn die Begrüßung und die ganze Betreuung einschließlich eines beeindruckenden Buffets. Zum Essen musste er sich allerdings erst einmal zwingen, obwohl er laut Tracking-Uhr während des Laufs gut 8000 Kalorien verbrannte.

Ob er sich so einen Ultralauf noch einmal antun wird, weiß Wieszt noch nicht. „ich glaube, das bleibt einmalig, das ist schon hochemotional.“ Mittlerweile überwiegt aber das Glücksgefühl und der Hunger ist auch zurückgekehrt – ganz ausgeschlossen ist eine Wiederholung vermutlich doch nicht.

Julia Laub stellt neuen Streckenrekord auf

Außerdem waren vom SV Mergelstetten noch Philip Scholz und Julia Laub auf der halben Distanz, dem Halbtraum über 57 km und 1700 Höhenmeter unterwegs, und zeigten ebenfalls großartige Leistungen. Julia Laub war in einer Zeit von 6:19 Stunden nicht nur die schnellste Frau im Gesamtfeld, sie verbesserte auch den Streckenrekord bei den Frauen um fast eine Stunde.

Philip Scholz, der am Vortag schon beim Geislinger Citylauf über fünf Kilometer gewonnen hatte, kam beim Halb-Traum als Gesamtvierter in 5:37 Stunden ins Ziel. Damit gewann er die Doppelwertung Halb-Traum-Citylauf und wurde zum „Kaiser vom Helfenstein“ gekrönt.

Christine Duran vom TV Steinheim war auch auf der Halb-Traum-Strecke unterwegs und wurde in 7:48 h als 14. In der Frauenwertung. Insgesamt belegte sich Rang 55. unter den von 162 Teilnehmern, die es bis ins Ziel schafften.

Als Trainer für „Lauf geht’s“ im Einsatz

Das nächste große Ziel von Marcus Wieszt ist der Berlin-Marathon, die 42,1 Kilometer wird er zusammen mit einer größeren Gruppe vom SV Mergelstetten in Angriff nehmen.

Vorher ist er sich aber nicht zu schade, als Trainer für die Aktion „Lauf geht’s“ eine größere Gruppe beim Heidenheimer Stadtlauf am 2. Juni zu betreuen. „Die Leute zu motivieren, macht mir richtig Spaß. Ich liebe das Laufen und wenn ich etwas weitergeben kann, freut mich das“. so Wieszt.