Großes Interview

Drei Extremläufer erzählen von Kotzeinheiten, spontaner Einkehr im Biergarten und unbeschreiblichen Glücksgefühlen

Faszination Extremlauf! Jacqueline Wiedemann aus Giengen schaffte beim 24-Stundenlauf in Dettenhausen bei Stuttgart 148,86 Kilometer. Der Heidenheimer Harjot Singh Jandu beendete einen 100-Kilometer-Mammutmarsch in München in 15:15 Stunden. Und Anita Kunz lief 161 Kilometer von Haunsheim an den Bodensee. Die drei berichten von ihren Erfahrungen, geben aber auch Tipps für Laufwillige:

Anita Kunz (38), Harjot Singh Jandu (26) und Jacqueline Wiedemann (23) gehen in ihrem Sport gerne an ihre Grenzen und darüber hinaus. Im Interview erzählen sie von Kotzeinheiten, spontaner Einkehr im Biergarten und unbeschreiblichen Glücksgefühlen.

161 Kilometer an einem Stück. Warum sollte man sich das antun, Frau Kunz?
Anita Kunz: Um auszuloten, wo die eigenen Grenzen sind. Ich möchte wissen, was der Körper schaffen kann. Und ich glaube, da ist noch mehr drin. Ich lese auch viele Bücher, von David Goggings oder Bodo Schäfer. Da geht’s viel um mentale Stärke. Goggins zum Beispiel hat Leid durchs Laufen verarbeitet. Das ist bei mir nicht der Fall, aber ich verarbeite vieles beim Laufen oder überlege viel. Dann komme ich nach Hause und dann sagt mein Mann: Was hast du wieder für doofe Ideen? (lacht) Beim Laufen kann man abschalten, es ist wie eine Meditation. Den Ausschlag zu meinem Lauf hat Ultraläufer Arda Saatci gegeben. Er ist durchs Death Valley gelaufen. Und ich dachte: Jetzt will ich es wissen, wie es ist, sich einen Tag durchzuquälen.

Was war die größte Herausforderung?
Anita Kunz:
Körperlich ging’s, ich habe aber Probleme mit der Verdauung bekommen. Das Schlimmste ist, wenn man nicht in Ruhe essen kann. Der Körper braucht Energie, aber von dem Zuckerzeug wird’s einem richtig schlecht. Zwischendurch musste ich mich übergeben. Meine Füße hätten mich noch weitergetragen, mein Kopf auch.

Möchten Menschen fürs Laufen begeistern: Anita Kunz (links), Harjot Singh Jandu und Jaqueline Wiedemann. Foto: Natascha Schröm

War das Essen auch bei Ihnen ein Problem, Frau Wiedemann?
Jacqueline Wiedemann: Mit der Ernährung habe ich es bei meinem Lauf nicht so gut gemacht. Nachts hatte ich keinen Hunger und habe keine Elektrolyte mehr zu mir genommen. Weil ich es einfach nicht mehr sehen konnte. Das ist aber ganz wichtig, genauso, auf den Salzhaushalt zu achten. Wenn man keine Energie mehr zuführt, werden die Beine schwerer und es geht nicht mehr so viel voran. Das war der Punkt, an dem ich ziemlich eingebrochen bin. Die ersten 100 Kilometer gingen von selbst, da habe ich immer gut Nahrung aufgenommen. Dann hatte ich aber keine Lust mehr auf mein Elektrolytgetränk. Wir sind ja immer eine 1,6 Kilometer lange Runde gelaufen – immer an meinem Zwölf-Liter-Kanister vorbei. In Zukunft muss ich das besser takten und nicht mehr nach Gefühl machen.
Harjot Singh Jandu: Bei mir lief es am Anfang sehr gut, trotz Temperaturen von 30 Grad. Mein Plan war es, alle 30 bis 40 Minuten ein Gel zu mir zunehmen. Das sind 45 Gramm Kohlenhydrate. Nach sechs, sieben Stunden konnte ich aber nichts mehr einnehmen. Ich habe versucht, es mir reinzuzwingen. Mein Magen hat aber zugemacht. Bei Kilometer 39, 40 habe ich Krämpfe bekommen. Da dachte ich: Oh, kacke. Jetzt schon? Das wird nicht gut enden. Da habe ich, Gott sei Dank, einen Biergarten gesehen und dort ein Radler mit einem Wasser getrunken.

Das Radler 0,5 oder 0,3 Liter?
Harjot Singh Jandu: (lacht) 0,5. Und dann ging’s weiter.
Anita Kunz: Da ist ja nicht extrem viel Alkohol dabei. Es ist einfach diese isotonische Wirkung. Vielleicht hat ihm auch der Zucker des Radlers Power gegeben. Wobei es nicht so pappsüß ist wie isotonische Getränke. Überhaupt ist es ein Problem, dass man nach einer gewissen Zeit nicht mehr essen, nicht mehr trinken möchte. Man weiß eigentlich gar nicht mehr, was man will. Es ist so ein bisschen wie bei einer Schwangeren. Will ich das oder das? (lacht)
Harjot Singh Jandu: Die dickflüssigen Gels gehen nach einer Zeit nur sehr schwer runter. Bei mir kommt das Würgen, dann geht nichts mehr. Wobei es auch Gummibärchen, Haribos, saure Zungen und so etwas gibt.

Anita Kunz lief in der Coronaviruspandemie ihren ersten Halbmarathon. Foto: Natascha Schröm

Am Ende ist also alles erlaubt?
Anita Kunz: Viele belächeln das und sagen: Das ist doch nicht gesund? Extremsportler brauchen aber Kohlenhydrate. Gummibärchen sind halt so gut, weil sie 85 Gramm Zucker auf die 100-Gramm-Masse haben. Und das schießt extrem schnell ins Blut und dorthin, wo der Körper es braucht.

Welche Tiefs hatten Sie, Frau Wiedemann?
Jacqueline Wiedemann: Mental hatte ich relativ früh eine Blockade. Ich habe trotzdem weitergemacht, denn aufgeben ist keine Option.

Wie äußert sich so eine Blockade?
Jacqueline Wiedemann:
Man möchte einfach nicht mehr laufen. Es gibt einen Punkt, an dem man aufhören will. Es war bei mir nach 100 Kilometern.

Ach, schon nach 100 Kilometern?
Jacqueline Wiedemann:
(lacht) In der Nacht und in den Morgenstunden. Ich hatte eine ziemliche Schwellung an meiner Kniekehle. So etwas hatte ich noch nie. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr laufen, nur noch gehen. Dann nur noch humpeln. Aber aufgehört habe ich nicht.

Weil der Kopf übernimmt?
Jacqueline Wiedemann:
Ja, obwohl man eigentlich keine Lust mehr hat und in dem Moment vielleicht keinen Spaß mehr hat. Aber in dem Moment gibt es auch wieder Aufs, man bekommt einen Adrenalinschub. Ich ziehe mich an Kleinigkeiten hoch, wenn zum Beispiel Zuschauer an der Strecke stehen. Die Nachtstunden sind mental härter, weil da keine Leute an der Strecke stehen. Genauso schnell, wie es bergab gehen kann, kann es auch wieder bergauf gehen.

Leben ihren Sport (von links): Anita Kunz, Anita Kunz, Harjot Singh Jandu und ,Jaqueline Wiedemann. Foto: Natascha Schröm

Wann war es bei Ihnen hart, Herr Jandu?
Harjot Singh Jandu:
Bei der vorletzten Verpflegungsstation, bei Kilometer 68 oder 70. Mein größter Fehler war es, dass ich mich hingesetzt und einen Kaffee getrunken habe. Zehn Minuten Pause. Die Beine wurden sehr kalt und mir tat alles weh. Davor war ich bei den Pausen immer in Bewegung. Es hatte auch stark angefangen zu regnen, ich habe Blasen bekommen. Ich bin gehumpelt und hatte auch mental einen Breakdown. Ich bin auch kurz emotional geworden und habe geweint. Ich dachte: Was mache ich hier eigentlich? Warum mache ich das?

Beleidigt mich, aber ich muss weiterlaufen!

Harjot Singh Jandu zu seinen Freunden

Und dann?
Harjot Singh Jandu:
Gott sei Dank haben mir meine engsten Freunde geholfen. Wir haben gefacetimt, da konnten sie mich pushen. Ich hatte schon vorher zu ihnen gesagt: Egal was ist, pusht mich. Beleidigt mich, aber ich muss weiterlaufen!

Beleidigungen tun dann gut?
Harjot Singh Jandu:
(lacht) Ja, irgendwie schon. Die sagen dann Sachen wie: Du Loser, bist jetzt bei 80 Kilometern und willst aufgeben? Was bist du für ein Mann? So etwas halt.

Hilft das wirklich?
Harjot Singh Jandu:
Mich hat das gut gepusht. Einer meiner besten Freunde, der zum Zeitpunkt des Laufs im Urlaub war, hat mich über Facetime gepusht und beleidigt.

Ach, der lag selbst am Strand und hat Sie beleidigt?
Harjot Singh Jandu:
(lacht) Ja, bevor mein Bruder und mein bester Freund da waren. Sei keine Memme, heul nicht. Aber ich hatte ihm ja meine Erlaubnis erteilt.

Und der Handyakku hat gehalten?
Harjot Singh Jandu:
Ich hatte eine Powerbank dabei. (lacht)

Harjot Singh Jandu ist auch als Boxtrainer aktiv. Foto: Natascha Schröm

Hört sich wirklich hart an…
Harjot Singh Jandu:
Von Kilometer 70 bis 90 bin ich nur normal gegangen, nicht mehr gejoggt. Weil ich so Schmerzen wegen der Blasen hatte. Und dann hatte ich Glück, dass mein Bruder mit meinem besten Freund vorbeigekommen ist. Die sind mit mir 10, 12 Kilometer mitgegangen und haben mich gepusht. Die kannten ja meine Route. Sie haben zu mir gesagt: Du bist jetzt kurz vor dem Ziel, mach weiter. Bei 90, 91 hatte ich wieder Motivation und wieder angefangen, zu joggen bis zum Ziel.

Wie war es bei Ihnen, Frau Kunz? Kennen Sie auch solche Downs?
Anita Kunz:
Die letzten 30 Kilometer war es ziemlich heiß und träge. Bei mir war es aber noch nie eine Option, dass ich abbreche. Dafür ist mein Ego zu groß. (lacht) Ich muss mich einfach durchbeißen. Mental ging es bei mir. Ich hatte halt Probleme mit dem Magen. Und an der Strecke selbst war immer viel Gaudi, Musik. So etwas mag ich. Mein Mann und ganz viele Freunde waren beim Rennen dabei. Die haben sich abgesprochen, wer welches Stück mit dem Fahrrad mitfährt oder mitläuft. Zum Schluss kamen 20 bis 30 Leute zum Bodensee, um mich zu empfangen. Das war mega schön. Jeder Lauf, der mich herausfordert, hat viel mit meiner Disziplin zu tun. Danach bin ich noch gestärkter, robuster oder belastbarer, was mir auch im Alltag zugutekommt.

Das hört sich fast schon zu schön an. Gab’s bei Ihnen keine körperlichen Gebrechen?
Anita Kunz:
Das schon, während des Laufs mussten ein paar Blasen aufgestochen werden.

Aber eine Freundin war dabei, die Krankenschwester ist.

Anita Kunz über ihren Extremlauf

Wie viele?
Anita Kunz:
Sieben, acht waren es bestimmt. An der Ferse war es schlimm. Aber eine Freundin war dabei, die Krankenschwester ist. Ich musste nur laufen, laufen. (lacht)
Harjot Singh Jandu: Mein ganzer Fuß war eine Blase. Sogar beide Füße. Bei der vorletzten Verpflegungsstation wollte ich meine Socke ausziehen. Es tat aber so weh, dass ich es gelassen habe. Die Socke war an den Fuß drangeklebt. Nach dem Lauf, als ich die Socken ausgezogen habe, tat es unglaublich weh. Ich verstehe es selbst nicht, wie ich es trotzdem geschafft habe.

Anita Kunz, Jaqueline Wiedemann und Harjot Singh Jandu im Stadion der TSG Giengen auf dem Schießberg., Foto: Natscha Schröm

Wegen der Beleidigungen?
Harjot Singh Jandu:
(lacht) Ja, ich hatte eine andere Wahl. (lacht)
Jacqueline Wiedemann: Bei meinem Lauf hatte ich auch zwei große Blasen. Das habe ich erst gesehen, als ich endlich die Schuhe ausziehen konnte. Das war ein befreiendes Gefühl. (lacht) Überhaupt ist es am Ende wahnsinnig toll. Auf der einen Seite ist man ultrakaputt, aber man denkt zugleich auch: So schlimm war es nicht. (lacht) Dabei hatte ich in den letzten Stunden so gelitten. Trotzdem konnte ich das Gefühl im Nachhinein nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, ich hatte einfach nur unbeschreibliche Glücksgefühle. Sonst würde man es ja nicht wieder machen, wenn man mit einem schlechten Gefühl rausgehen würde.
Harjot Singh Jandu: Meine Eltern sorgen sich um mich und fragen manchmal: Für was machst Du das? Was hat’s dir jetzt gebracht? Nur Schmerzen. (Anita Kunz und Jacqueline Wiedemann nicken beide und müssen lachen)
Anita Kunz: Meine Mama hat zu mir gesagt: Jetzt reicht‘s erst mal. (lacht)
Harjot Singh Jandu: Es gibt auch Freunde, die mir sagen: Du schaffst es eh nicht, du kannst das nicht. Aber damit habe ich ein Problem.
Anita Kunz: Das ist kein Problem, das ist Motivation.
Harjot Singh Jandu: Ja, das meine ich auch. Das motiviert mich unheimlich, ihnen zu beweisen, dass ich es kann. Ich versuche, immer besser zu werden.
Anita Kunz: Früher habe ich Sport auch wegen der Optik gemacht, ich wollte gut aussehen, nachdem ich unsere Töchter Kinder bekommen habe. Mittlerweile mache ich es aus gesundheitlichen Gründen. Ich fühle mich richtig dreckig, wenn ich mal keinen Sport mache.
Harjot Singh Jandu: Genau. Wenn ich mal nicht zum Sport gehe, fühle ich mich auch schlecht. Das ist bei mir so im Kopf verankert. Dann ist mein Tag gelaufen. (lacht) Einmal die Woche ist aber Pause, Samstag oder Sonntag.
Anita Kunz: Im Urlaub weiß meine Familie genau, dass ich erst einmal meine zehn Kilometer laufen muss. Erst dann ist Ruhe. (lacht) Ich habe auch andere schon zum Laufen motiviert. Wenn sie fünf Kilometer mitlaufen und dann feststellen, was das für ein gutes Gefühl ist. Dieses Adrenalin, dieses Glücksgefühl. Das finde ich toll.

Einfach machen. Man muss als Anfänger halt anfangen.

Jacqueline Wiedemann

Jacqueline Wiedemann: Einfach machen. Man muss als Anfänger halt anfangen. Nicht jeden Tag, zweimal die Woche reicht.
Harjot Singh Jandu: Man findet immer Zeit, wenn man etwas will. Ich arbeite zusätzlich bei meinen Eltern in der Gastronomie. Jeder soll klein anfangen, aber anfangen. Man muss ja nicht direkt in der Champions League spielen. (lacht)
Jacqueline Wiedemann: Es geht ums Zeitmanagement. Ich laufe oft zur Arbeit oder fahre mit dem Rad. Planung ist eigentlich alles.
Anita Kunz: Genau. Sobald es bei mir eine Stunde Lücke gibt, ziehe ich die Laufschuhe an und ab. Wenn ich meine jüngere Tochter zum Fußballtraining fahre, sie spielt im Förderbereich in Gundelfingen, nutze ich die Zeit und laufe, während sie trainiert.

Jacqueline Wiedemann war einst Leistungsschwimmerin. Foto: Natascha Schröm

Wie trainiert man generell für Ultraläufe?
Jacqueline Wiedemann:
Man sollte möglichst viele Laufkilometer machen, darunter sind viele langsame und lockere Läufe. Ich würde sagen, so um die 80 Prozent. Zusätzlich gehe ich einmal die Woche zum Krafttraining, aber ich schwimme noch und fahre Rad. Ich versuche, auf 100 Kilometer pro Woche zu kommen.
Anita Kunz: Krafttraining ist wichtig. Viele laufen nur, machen aber nichts für die Muskulatur oder die Gelenke. Mein Pensum sind etwa 50 Kilometer in der Woche. Vor größeren Wettkämpfen sind es mehr.
Harjot Singh Jandu: Ich komme auch auf 40 bis 50 Kilometer die Woche.

Der nächste Lauf ist schon im Hinterkopf?
Jacqueline Wiedemann:
Ja, im September bin ich bei einem offiziellen Backyard-Ultra in München dabei. Dabei muss eine 6,7 Kilometer lange Runde in einer Stunde absolviert werden. Das geht so lange, bis nur noch ein Läufer übrig ist. Man fliegt raus, wenn man die Runde nicht rechtzeitig schafft.

Ab auf die Tartanbahn: Anita Kunz (links), Harjot Singh Jandu und Jacqueline Wiedemann. Foto: Natascha Schröm

Wie viele Runden haben Sie sich vorgenommen?
Jacqueline Wiedemann:
Ich habe mir gar nichts vorgenommen. Oft ist es der Kopf, der einem sagt, man kann nicht mehr. Wenn man sich als Ziel nimmt, 24 Stunden zu laufen, ist es gut möglich, dass man nach 24 Stunden auch sagt: mehr hätte ich eh nicht geschafft. Deswegen mache ich mir darüber keine Gedanken.
Harjot Singh Jandu: Ich gehe auch im September bei einem Trailrun an den Start. 60 Kilometer mit 2500 Höhenmetern.
Anita Kunz: Bei mir ist es so, dass ich gerne auf der ganzen Welt unterwegs bin. (lacht) Am 8. November starte ich in Athen. Es ist quasi der Ursprung des Marathons. Da freue ich mich riesig drauf.

Tipps für Läuferinnen und Läufer

Schuhe sind das A und O, sagen die erfahrenen Läufer. Da sollte man nicht sparen und sich beraten lassen. Am besten wäre es, vorher einen Laufanalysetest machen zu lassen. Bei extremen Läufen eignen sich Schuhe, die eine oder eineinhalb Größen zu groß sind, weil die Füße anschwellen. Anita Kunz hat bei ihrem Lauf extrem viel Wasser eingelagert. Danach wog sie sogar zwei Kilogramm mehr.

Eine Laufweste für Gels ist von Vorteil, denn während der längeren Strecken soll man viel Flüssigkeit, Salz und Kohlenhydrate zu sich nehmen. Essenziell ist dann auch Vaseline, mit der etwa Oberschenkel oder Zehen eingerieben werden können, also Körperstellen, wo Reibung entstehen könnte. Vaseline ist genauso wichtig wie Blasenpflaster. „Besser zu viel als zu wenig Vaseline“, sagt zum Beispiel Harjot Singh Jandu.

Anita Kunz kam, als sie fünf Jahre alt war, mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Deutschland. Mit ihrem Mann Georg und den beiden Töchtern Anna-Lena (17) und Leanna (13) lebt sie in Unterbechingen (Ortsteil von Haunsheim). Die 38-Jährige arbeitet bei BSH in Giengen und ist nebenher auch selbstständig. Ihre Ausbildung zur Yogatrainerin schloss sie 2024 auf Bali ab. Zudem leitet Kunz Langhantelkurse und Functional-Trainings, mitunter auch Sportmassagen.

Während der Coronaviruspandemie lief die ehemalige Raucherin, die keinem Verein angehört, ihren ersten Halbmarathon in Eigenregie, kurze Zeit 2022 später ihren ersten Marathon am Bodensee. 

Jacqueline Wiedemann (23) fing bei der TSG Giengen mit Leichtathletik an, wechselte dann aber zum Leistungsschwimmen beim SV Heidenheim 04. Während der Coronaviruspandemie hörte die Giengenerin mit Schwimmen auf, als die Schwimmbäder geschlossen wurden, und wurde 2024 Teil der Läufergruppe der TSG Giengen. Die Polizistin beschränkt sich aber nicht nur auf Laufen, sondern macht zum Beispiel auch Triathlon.

Harjot Singh Jandu arbeitet als Zerspanungsmechaniker bei Erhard Armaturen. Mit sechs Jahren fing der gebürtige Heidenheimer mit Fußball an und war längere Zeit in der Jugend des FCH. Mit 13/14 Jahren hatte es ihm Thaiboxen angetan. Da er aber oft am Bein verletzt war, stieg er auf Boxen bei der TSG Giengen um. Inzwischen kämpft der 26-Jährige nur noch gelegentlich, trainiert aber Boxer beim UFH‑Gym in Heidenheim.