Mergelstetten / Nadine Rau Stefan Kattner vom SV Mergelstetten lief die 42,195 Kilometer in der Hauptstadt in 2:46:42 h und damit in seiner persönlichen Bestzeit. Auch Marcus Wieszt schaffte die Strecke mit einer Zeit von 2:56:30 h schneller als je zuvor.

So recht Spaß gemacht hat es nicht: „Nein, es war kein Genusslauf“, gibt Stefan Kattner einen Tag nach dem Berlin-Marathon ehrlich zu. Kein Wunder: Bei Kilometer 34 bekam er Krämpfe im rechten Oberschenkel, bei Kilometer 38 kamen Krämpfe im linken Oberschenkel dazu, wenig später rundeten Bauchmuskelkrämpfe das Gesamtpaket ab. „Ich habe mich an die Seite gestellt, gedehnt, und mich ins Ziel geschleppt“, erzählt Kattner.

Seine gelaufene Zeit: beachtliche 2:46:42 h, drei Minuten schneller als sein bisheriger bester Marathon. „Ich weiß, wie das klingt. Da trainiert man ein Jahr für drei Minuten. Aber es ist ein Erfolg“, freute sich Kattner.

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Seine Teilnahme in Berlin war dieses Jahr keinesfalls selbstverständlich. Weil der 29-Jährige in den vergangenen Jahren oft verletzt war, hat er erst vier Mal an einem Marathon teilgenommen. „Ich habe alles schon durch“, nimmt er es mit Fassung.

Viel Verletzungspech

Vergangenes Jahr war es der Innenmeniskus, der Probleme machte. Eigentlich hätte der gebürtige Heidenheimer operiert werden sollen. Ein zweiter Arzt sah das aber anders und obendrein wusste Kattner zu dem Zeitpunkt, im Oktober 2018, mittlerweile, dass er in Berlin starten darf. „Also habe ich im Training alles riskiert.“

Über die Zeit konnte er sich nicht für den Lauf in der Hauptstadt qualifizieren, dafür muss man vorher mindesten unter 2:45 h gelaufen sein. Doch der Lostopf meinte es, ein zweites Mal nach 2016, gut mit Kattner. Gemeinsam mit acht weiteren Läufern des SV Mergelstetten ging es nach Berlin. Ebenfalls dabei und seine persönliche Bestzeit gelaufen ist Marcus Wieszt. Er kam nach 2:56:30 h ins Ziel. „Marcus war auch glücklich, aber er hatte ähnliche Probleme mit Krämpfen wie ich“, weiß Kattner.

Was die beiden falsch gemacht haben könnten? Sie wissen es selbst nicht. Sie haben sogar schon übers Wetter spekuliert, war es in Berlin doch sehr viel kühler. Beim Lauf waren es um die 14 Grad und leichter Nieselregen. „Eigentlich perfektes Laufwetter“, so Kattner, hätte nur die Muskulatur besser mitgespielt.

Nicht den besten Tag erwischt hat auch Julia Laub. Vergangenes Jahr um diese Zeit hat sie den Einstein-Marathon in Ulm gewonnen, dieses Mal sollte es die Hauptstadt sein. Doch die Läuferin war von Anfang an von Magenkrämpfen geplagt und konnte daher nicht alles geben. „Erstaunlich, dass sie es trotzdem so gut geschafft hat“, zollt Kattner ihr Respekt. Nach 3:18:35 h kam Laub ins Ziel.

Kattner, der in Crailsheim lebt und arbeitet, freut sich nach dem Lauf auf ein Leben ohne volle Trainingspläne. „Ich brauche eine Pause.“

Aus der Ergebnisliste:

Stefanie Grimmeisen, 3:28:45h, 117. AK W 45 (849 gesamt)
Sara Posmik, 4:01:12h, 688. AK  WH (3903 gesamt)
Silke Kübler, 6:14:58 h, 2035 AK W 45 (13015gesamt )
Max Schenck, 4:12:53 h, 2964 AK M 30 (19643 gesamt)
Oliver König, 4:17:34 h, 3536 AK M 45 (20596 gesamt)
Michael Bacher, 4:20:15 h, 3714 AK M 40 (21195 gesamt)

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Ganz andere Größenordnungen

Knapp 47 000 Läufer sind beim Berlin-Marathon an den Start gegangen. Mit seiner Zeit landete Stefan Kattner in seiner Altersklasse auf dem 150. Rang und belegte insgesamt den 835. Platz. „In Berlin geht es nicht um die Platzierung“, sagt er.

Zum Vergleich: In Ulm beim Einstein-Marathon wäre er mit dieser Zeit auf dem zweiten Platz gelandet, Thorben Dietz war dort mit 2:33:15 h der Gewinner des Hauptlaufes des Einstein-Marathons.