Zugegeben, bei der Spielgemeinschaft Herbrechtingen/Bolheim (SHB) wusste vor dem Spiel gegen den Angstgegner aus Gerhausen nicht so recht, wo sie steht. Zwei Niederlagen im neuen Jahr standen gegen Spitzenteams zu Buche. Dazu kam die schlechte Bilanz gegen den Mitaufsteiger vom Blautopf. Lediglich ein Erfolg aus den letzten vier Spielen stand für die SHB bis dahin zu Buche. Und: Das Hinspiel wurde in Gerhausen nach einer schwachen Angriffsleistung noch mit 21:27 verloren.
Vor über 350 Zuschauern begann das Heimspiel ausgeglichen. Die erfahrenen Gerhauser Rückraumakteure stellten zunächst ihr Visier gut ein, aber auch die Gastgeber hatten immer die richtige Antwort parat. Nach einem ausgeglichenen Beginn zog die SHB ab der 9. Minute das Tempo an. Gestützt auf Torhüter Alex Kovalchuk, der einen guten Tag erwischte und unter anderem in der ersten Halbzeit drei Strafwürfe parierte, hatte sie sich beim 12:7 durch den formstarken und sehr agilen Spielmacher Lars Braun eine komfortable Führung erarbeitet.
Vorentscheidung bereits zur Pause
Konzentriert spielten die Hausherren weiter ihre Angriffe aus und waren durch die verschiedenen Torschützen einfach schwer auszurechnen. Dennoch stachen die beiden Außenspieler Tristan Mannbeiß und Daniel Mezencev, die am Ende bei insgesamt 16 Treffern landeten, besonders heraus. Gerhausen machte sich durch unnötige Zeitstrafen gegen Ende der ersten Halbzeit das Leben selbst schwer und spielte den spielfreudigen SHB-Spielern damit in die Karten. Beim 20:13 zur Pause war schon eine kleine Vorentscheidung gefallen.
Einen perfekten Start legten die Gastgeber nach der Pause hin und enteilten den überforderten Gästen nach knapp fünf Minuten schon auf 25:15. Gerhausen stemmte sich gegen die drohende Kanter-Niederlage und kam zwar nochmal auf 21:28 heran, aber die Kräfte schwanden bei den routinierten Gästen und SHB-Coach Schmid wechselte munter durch. „Alle haben performt, wenn man bedenkt, dass ich Spieler sogar schonen konnte und die eingewechselten ebenfalls brutal gut gespielt haben. Das war schon überragend“, freute sich Schmid über die spielstarke Breite seines Kaders. Der Ball lief weiter, die Fehler waren kaum vorhanden und Tor um Tor wurde der Gegner, der vor knapp einem Jahr in der Bibrishalle mit der fast identischen Mannschaft noch mit neun Toren Unterschied triumphiert hatte, regelrecht aus der Halle geschossen. Am Ende standen 44 geworfene Tore gegen ein Team, welches man eigentlich viel stärker erwartet hatte.
Das hört man von mir selten, aber heute gibt es rein gar nichts zu meckern.
Sebastian Schmid, Trainer der SHB
Trainer Sebastian Schmid kam aus dem Schwärmen auf jeden Fall nicht heraus. „Das hört man von mir selten, aber heute gibt es rein gar nichts zu meckern“, lächelte der 44-Jährige und fuhr ungewohnt euphorisch fort: „Wenn wir so wie heute spielen, was sicher nicht immer vorkommt, dann gibt es keine Mannschaft in der Liga, die uns schlagen kann.“ Die Mannschaft wird für die tolle Leistung wieder entsprechend belohnt. „Die Wette bleibt natürlich bestehen. Heute wird auf dem Fasching gefeiert und am Dienstag wird gekickt“, steht Schmid zu seiner Zusage bei entsprechender Leistung den Handball gegen den Fußball zu tauschen.
Eine willkommene Abwechslung für seine Spieler, die am kommenden Samstag in Winzingen beim Tabellenvorletzten einen weiteren Schritt Richtung Klassenerhalt machen wollen. Mit 13:17 Punkten klettert die SHB auf den 10. Tabellenplatz und spielt für einen Aufsteiger weiterhin eine starke Saison.
Namen und Zahlen zum Spiel
SHB: Gehringer und Kovalchuk im Tor; Buntz (3), Mannbeiß (9), T. Kraft, Ruoff (2), Braun (8), Lindenmaier (2), Englisch, R. Kraft, Mailänder (2), Mezencev (7), Soderer (4), Jäger (4), Ackermann (3/3)
Zeitstrafen: SHB 4 (T. Kraft 2, Ruoff, Jäger); Gerhausen 8
Strafwürfe: SHB 3 (alle verwandelt); Gerhausen 6 (3 verwandelt)
Zuschauer: 350
Schiedsrichter: Leandros Buri und Benjamin Hof vom SKV Eglosheim

