Doppel- und dreifach Autsch! Vor den besinnlichen Festtagen kassierten die Landesliga-Handballer der HSG Oberkochen/Königsbronn im äußerst umkämpften Spitzenspiel beim TV Treffelhausen eine 36:39-Niederlage. Dabei verletzte sich Niklas Engel nicht nur schwer an der Schulter. Der 26-Jährige wird dem Team des Trainergespanns Tim und Joachim Hoga aller Voraussicht nach auch den Rest der Saison fehlen.
„Das war ein Schock für uns alle“, sagt Tim Hoga über seinen Abwehrchef, der sich die Verletzung bei einem eher normalen Zweikampf zugezogen hatte. Engel wiederum beschreibt die Szene wie folgt: „Es war eine alltägliche Abwehrbewegung. Ich wollte meinen Gegenspieler weiterschieben, dabei habe ich mir die Schulter ausgekugelt.“ Sofort sei ihm klar gewesen, dass etwas Größeres passiert ist, sagt der Oberkochener.
Das war echt ein bisschen verrückt.
Niklas Engel, über den Umstand, dass sich seine ausgekugelte Schulter sich von selbst wieder einrenkte
Auf der Auswechselbank kamen ihm zwei Physiotherapeutinnen zu Hilfe, eine vom gastgebenden TV Treffelhausen, eine von der HSG. Und während alle auf den Notarzt warteten, geschah ein kleines vorweihnachtliches Wunder: Engel bewegte sich leicht, um besser zu sitzen – dabei sprang seine Schulter mehr oder weniger von allein wieder rein. „Das war echt ein bisschen verrückt und eine unbewusste Aktion“, sagt der Abwehrspieler, der im Familienunternehmen als Vertriebs- und Außendienstmitarbeiter tätig ist. Zum einen schauten seine Mitspieler verwundert. Zum anderen sagt Niklas Engel: „Es war Glück im Unglück. Es soll schlimmer sein, wenn die Schulter von jemandem von außen wieder eingerenkt wird.“
Sofort wurden spezifische Tests (Kopf- und Druckbewegungen) von den Physiotherapeutinnen durchgeführt. Dann war klar: Der bestellte Notarzt konnte wieder abbestellt werden. Für Niklas Engel ging es mit seinem Vater und seiner Schwester ins Krankenhaus und am darauffolgenden Tag bereits ins MRT. Weil zwei Haltebänder im Schultergelenk gerissen sind, wird Niklas Engel der HSG eine lange Zeit fehlen. Noch unklar sei, ob die Verletzung konservativ oder mittels einer Operation behandelt wird. „So oder so werde ich ein halbes bis ein dreiviertel Jahr ausfallen“, bedauert er.

„Für uns ist es ein herber Schlag. Sein Ausfall tut uns weh“, sagt Tim Hoga. Schließlich nimmt Engel in der Abwehr im Mittelblock eine entscheidende Rolle ein. Ohnehin tat sich die HSG Oberkochen/Königsbronn bei der Abwehrarbeit schwer und kassierte in bislang elf Saisonspielen 331 Gegentore. Mit Abstand die meisten der Spitzenteams. Kein Wunder also, dass Coach Tim Hoga sagt: „Unser Schwerpunkt liegt auf der Abwehr.“
Durch den Ausfall von Niklas Engel wird es innerhalb der Mannschaft eine Rotation geben. Roman Alfes und Julian Oltersdorf, zwei Spieler aus der zweiten Mannschaft, die immer mal wieder bei der „Ersten“ ausgeholfen haben, gehören jetzt fest zum Kader des Landesligateams und sollen vornehmlich auf Rechtsaußen eingesetzt werden. Von dieser Position wiederum rückt Timo Grohsler in die Abwehr. Ob er im kommenden Auswärtsspiel bei der MTG Wangen II (Samstag, 18 Uhr) dabei sein kann, ist allerdings noch offen.
Wir haben keine Ambitionen nach oben.
Tim Hoga, Trainer der HSG Oberkochen/Königsbronn
Rein tabellarisch betrachtet ist die HSG Oberkochen/Königsbronn als Vierter weiterhin im Aufstiegsrennen dabei. Tim Hoga sagt aber, wohl auch um Druck von seiner Mannschaft zu nehmen: „Wir haben keine Ambitionen nach oben. Für uns gilt es jetzt, zunächst die Ausfälle zu kompensieren (weiterhin fällt auch Kevin Pharion aus) und ins neue Handballjahr gut reinzufinden.“ Zugleich warnt der 35-Jährige vor dem kommenden Gegner, den er als unangenehm bezeichnet. „Wangen hat viele junge und hungrige Spieler, die noch in der zweithöchsten A-Junioren-Spielklasse antreten. Es ist immer schwer zu sagen, wer von ihnen am Samstag dabei sein wird.“
Vor Ort wird auf jeden Fall Niklas Engel sein. „Das lasse ich mir nicht entgehen“, sagt der verletzte Abwehrspieler, der zurzeit alles mit dem linken Arm und der linken Hand macht. So ist zum Beispiel Autofahren noch nicht möglich – auch deswegen wird er im eingesetzten Bus Platz nehmen (siehe Infokasten). 2020 war Niklas Engel aufgrund einer Schulterverletzung (Riss der Rotatorenmanschette) schon einmal länger ausgefallen. Auch dieses Mal wird er zielstrebig an seinem Comeback arbeiten. Damit aus dem Autsch ein Aha wird…
Fans können im Bus nach Wangen mitfahren
Für das Auswärtsspiel bei der MTG Wangen II haben Fans der HSG Oberkochen/Königsbronn die Möglichkeit, im Bus mitzufahren. Treffpunkt ist am Samstag, 10. Januar, die Herwartsteinhalle in Königsbronn. Der Bus fährt um 14.45 Uhr ab.

