Mit den Pflichtaufgaben ist es immer so eine Sache. Da tritt die SG Herbrechtingen/Bolheim (SHB) beim Vorletzten der Tabelle an und hat das Hinspiel zu Hause klar mit 42:25 gewonnen. Was soll da denn groß schiefgehen? Da lauern eben die Gefahren, den Gegner zu unterschätzen, vor denen Trainer Sebastian Schmid im Vorfeld gewarnt hatte. „Die sind heiß und wollen Revanche“, hatte der 44-Jährige im Vorbericht des Gegners gelesen. Und tatsächlich trat die Dreier-Spielgemeinschaft zunächst deutlich energischer als noch vor vier Monaten in der Bibrishalle auf. Schmid, der personell bis auf den verletzten Luca Hauser in Bestbesetzung angetreten war, musste schon nach zehn Minuten beim 3:8-Rückstand früh die erste Auszeit nehmen. „Wieder haben wir zu Beginn auswärts ein anderes Gesicht gezeigt als zu Hause“, ärgerte sich der SHB-Coach.
Ein anschließender Sechs-Tore-Lauf der Gäste durch fünf verschiedene SHB-Schützen hellte die Miene des Trainers zusehends auf und endlich war der Aufsteiger im Spiel. Der Ball lief nun deutlich flüssiger und auch die Chancenverwertung wurde besser. Vor allem der gut aufgelegte Rückraumschütze Patrick Jäger konnte mit seinen gefürchteten Würfen glänzen, und so ging die SHB mit einer beruhigenden 16:12-Führung in die Pause.
Ein perfekter Start in die zweite Halbzeit für die SHB
Der stark spielende und spätere zehnfache Torschütze Lars Braun bescherte den Gästen mit seinen beiden Treffern einen perfekten Start in die zweite Hälfte. Die Hausherren gaben sich aber nicht auf, sondern kamen in der Folge auf drei Treffer (22:25) nach 43 gespielten Minuten heran. Wieder vergab die SHB zu viele Chancen. Zudem wurde der Torhüter sträflich allein gelassen. Trainer Sebastian Schmid nahm die Auszeit, um seine Mannschaft erneut zu beruhigen und den Lauf der Hausherren zu stoppen.
Rückraumshooter Luis Soderer übernahm jetzt Verantwortung und traf dreimal in Folge zum 29:23, was das Spiel zwar etwas beruhigte, aber noch nicht entschied, denn die Gastgeber gaben sich weiter nicht auf. Knapp sieben Minuten vor dem Ende stand es 31:28 und erneut musste Schmid reagieren. Dieses Mal wurde der SHB-Coach etwas lauter bei seiner Ansprache und mahnte eindringlich, die letzten Minuten konzentriert zu Ende zu spielen. Seine Mannschaft setzte dies um und siegte mit 34:31. Die Freude über den ersten Auswärtserfolg war groß, zudem machte die SHB einen Sprung auf einen einstelligen Tabellenplatz (Rang neun).
Insgesamt haben wir heute zu viele Chancen liegen gelassen, aber wir haben einen weiteren wichtigen Schritt gemacht.
Sebastian Schmid, Trainer der SHB
Trainer Sebastian Schmid war gewohnt sachlich bei seiner Analyse zum Spiel. „Ich bin froh über den ersten Auswärtssieg, und es war insgesamt in Ordnung, was wir hinbekommen haben“, so der 44-Jährige, der aber natürlich auch schonungslos den Finger in die Wunde legte. „Insgesamt haben wir heute zu viele Chancen liegen gelassen, aber wir haben einen weiteren wichtigen Schritt gemacht.“ Man könnte bei der SHB auch sagen: Pflichtaufgabe gemeistert.
Namen und Zahlen zum Spiel
SHB: Gehringer und Kovalchuk im Tor; Buntz, Mannbeiß (1/1), T. Kraft (1), Ruoff (2), Braun (10/2), Lindenmaier, Englisch (1), R. Kraft (4/1), Mailänder, Mezencev (3), Soderer (5), Jäger (7), Akermann
Zeitstrafen: SHB 4 (Mezencev 2, Braun, Jäger); HSG 7
Rote Karte: Mück (HSG/13. Minute)
Strafwürfe: SHB 8 (4 verwandelt); HSG 3 (alle verwandelt)
Zuschauer: 200
Schiedsrichter: Koray Bahadir und Cemre Tuna

