Auch kurz vor Weihnachten gab es keine Punkte für die Oberliga-Handballerinnen der SG Herbrechtingen/Bolheim. Beim 28:38 gegen den VfL Waiblingen II lag der Aufsteiger nach 18 Minuten noch aussichtsreich mit 13:7 in Führung. Die breitere Bank und das größere Selbstvertrauen des Gegners gaben aber letztlich den Ausschlag für die erneut schmerzliche Niederlage. Mit nur zwei Siegen aus elf Spielen beendet die SHB das Jahr als Vorletzter, aber noch mit allen Chancen auf den Klassenerhalt.
Am Ende fehlen die Kräfte
„Weihnachtsgeschenke gab es leider keine für die Mädels“, beginnt ein enttäuschter SHB-Trainer Sebastian Kieser kurz nach dem Abpfiff seine Analyse zur Kanterniederlage. Wie so oft in den zurückliegenden Spielen waren seine mental und körperlich angeschlagenen Spielerinnen eine Halbzeit auf Augenhöhe, teilweise sogar die bessere Mannschaft. Aber in der Endphase lassen dann stets die Kräfte nach. „Es tut mir einfach leid für die Mädels“, so der SHB-Coach, der in diesem wichtigen Spiel wiederum einige Stammkräfte ersetzen musste.
Zum letzten Spiel des Jahres setzte die SHB einen Fanbus ein, um möglichst viele Unterstützer nach Waiblingen zu locken. Die sahen dann auch einen guten Start. Die „Tigers“, welche an sechster Stelle der Tabelle stehen und den Unterbau ihres Zweitligateams bilden, agierten zu Beginn eher zahnlos. „Das sah anfangs sehr gut aus, mit einem tollen Angriff und einer gut gestaffelten Abwehr“, sagt Kieser, der dann aber mit ansehen musste, wie der schöne Vorsprung von sechs Toren nach 18 Minuten (13:7) zusehends schmolz.
Den Gegner eingeladen
Zwar waren die Chancen weiterhin da, aber die SHB-Frauen scheiterten jetzt immer wieder am eigenen Unvermögen oder an der gegnerischen Torhüterin. Das routinierte und eingespielte Waiblinger Team konnten das Spiel noch in der ersten Hälfte drehen und sogar mit einer 16:15-Führung in die Pause gehen.
„In der zweiten Halbzeit sind wir irgendwie gar nicht mehr ins Spiel gekommen“, resümierte Kieser und tatsächlich hatte man den Eindruck, dass seine Mannschaft irgendwann selbst nicht mehr an einen so wichtigen positiven Abschluss der verkorksten Hinserie glaubte. „Wir haben den Gegner dann vermehrt zu Gegenstößen eingeladen. Ich habe noch versucht, die Abwehr umzustellen, aber auch mangels Alternativen von der Bank konnten wir nicht mehr dagegen halten“, so der SHB-Coach.
Am Ende war es zwar mit 28:38 eine deutliche Niederlage, aber wenn man die Ausfallliste betrachtet und bedenkt, dass die Spielgemeinschaft über weite Strecken gut mithalten konnte, bleibt doch die Hoffnung auf eine Wende im neuen Jahr. „Das Spiel endete vielleicht mit ein paar Toren zu hoch“, ärgerte sich Kieser. Die Flinte ins Korn werfen, will der Trainer aber nicht. „Fakt ist, dass wir in der Rückrunde bei fünf Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz noch alles selber in der Hand haben“, so Kieser.
Der Kampfgeist ist ungebrochen
Sein Plan für die Weihnachtspause steht: „Wir werden jetzt regenerieren, am 3. Januar wieder ins Training einsteigen und bis zum ersten Spiel am 17. Januar dreimal die Woche trainieren.“ Der erfahrene 46-jährige Coach ist sich sicher, dass der momentane Tabellenplatz nicht die Leistung seiner Mannschaft widerspiegelt. „Die Köpfe müssen frei werden und dann werden wir auch hoch motiviert und mit neuem Kampfgeist in die Rückrunde starten. Wir sind keineswegs chancenlos und haben noch einige Heimspiele, aber wir müssen jetzt schleunigst anfangen zu punkten“, so Kieser.
Bei der SG Herbrechtingen/Bolheim bleibt man trotz der schlechten Vorrunde jedenfalls gelassen. „Wir werden uns in der Pause alle zusammen setzen und über die Vorrunde sprechen“, so Teammanagerin Angelika Biller, die zwar etwas ratlos und enttäuscht wirkt, aber zumindest ihren Kampfgeist nicht verloren hat. „Ich hoffe, dass die Mannschaft mit ihrem Trainer die Kurve bekommt und in der Rückrunde die nötigen Punkte holen wird“, so Biller. Zudem hofft sie, dass sich die personelle Situation in der Pause verbessert. Transfers in der Weihnachtspause wären zwar dringend nötig, aber geplant sind keine und dürften auch sehr schwer für ein Oberligateam zu realisieren sein.
Namen und Zahlen
VfL Waiblingen II – SG Herbrechtingen/Bolheim 38:28 (16:15)
SHB: Serwe-Hug und Hirsch im Tor; Fleischer (2), Sahin (1), Schweda (8), Blickle (2), Braun (1), Brachert (6/3), Schönefeldt (1), Lindenmaier (3), Frey (2), Siller (2)
Zeitstrafen: SHB 3 (Sahin, Schweda, Frey) – Waiblingen 0
Strafwürfe: SHB 4/3 verwandelt – Waiblingen 3/3
Zuschauer: 57
Schiedsrichter: Henrik Becker und Niklas Braiger

