Herbrechtingen / Edgar Deibert Mit dem 34-jährigen Keeper konnte Landesliga-Absteiger SHB einen namhaften Neuzugang verpflichten. Im Interview erzählt der Dillinger von miesen Würfen, einer gesunden Rauheit und Wurfbildern.

Er macht doch noch weiter, zum Glück für die Spielgemeinschaft Herbrechtingen/Bolheim. Eigentlich wollte Adi Konkel seine Karriere beenden. Doch da die SHB stark um ihn geworben hat, insbesondere Kapitän Michael Kling, der den Torhüter aus gemeinsamen Zeiten bei Blaustein gut kennt, gab Konkel sein Okay für eine weitere Saison.

Herr Konkel, haben Sie einen an der Klatsche?

(überlegt) Ein wenig, hätte ich gesagt. Wenn man sich ins Tor stellt und sich aus zwei Metern abwerfen lässt, dann muss man schon ein wenig einen an der Klatsche haben. Die Bälle kommen schließlich mit 80, 90 km/h.

Und wie ist das dann?

Man ist so unter Körperspannung und so voller Adrenalin, dass man das gar nicht wahrnimmt. Man nimmt die Geschwindigkeit nicht wahr, man nimmt den Aufprall nicht wahr. Es tut in dem Moment auch gar nicht weh. Der schlimmste Ball ist eigentlich der, den man nicht sieht. Einer, der vom Pfosten abprallt, schlägt ein wie eine Bombe. Aber wenn der Ball von vorne kommt und man ihn sieht und darauf vorbereitet ist, macht es einem gar nichts aus.

 Darf man da auch Angst haben?

Nein, darf man nicht. Denn dann verletzt man sich. Wenn man Angst hat, ist man nicht unter Körperspannung. Dann zieht man zurück. So entstehen auch die Verletzungen.

Hatten Sie denn schon mal Angst?

Anfangs ja. Als der Schritt aus der Jugend in den Herrenbereich kam, wo die Bälle härter kamen und mieser geworfen wurden. Teilweise auch auf den Kopf, weil die Routiniers einen einschüchtern wollten. Aus solchen Situationen lernt man und geht auch stärker daraus hervor. Jetzt habe ich nie Angst.

Wie groß ist überhaupt die Chance, einen Ball abzuwehren?

Das kommt auf meine Abwehr an. Und wie gut der Schütze nach dem Wurfbild wirft. Wir Torhüter bereiten uns auch mit Videostudium vor. Dann können wir teilweise Wurffallen stellen. Wenn man weiß, dass ein Spieler tendenziell immer ins kurze Eck wirft, dann stellt man den Block ins lange und der Torwart wartet auf den Ball im kurzen. Ein cleverer Schütze schaut einen aber aus. Die Chancen variieren zwischen 0 und 80 Prozent.

Gibt es auch in der Landesliga schon eine Videoschulung?

In der Landesliga beginnt es damit. In der Württembergliga hatten wir einmal die Woche eine Videobesprechung. Aus zwei, drei Spielen haben wir Torhüter analysiert, welche Vorlieben die Schützen haben.

 Was ist schlimmer: ein Kopftreffer oder ein Treffer in die Genitalien?

Genitalien.

Tragen Torhüter einen Tiefschutz?

Ja. Wenn man wirklich einen auf den Sack kriegt, hat man Bauchschmerzen. Dann trifft’s halt nicht die Hoden, sondern dann tut eben die Magengrube weh. Das ist aber wirklich selten. Im Jahr sind es vielleicht zwei, drei Treffer.

Warum wollten Sie überhaupt Torhüter werden?

Wir haben in der Jugend keinen gehabt. Mein Papa war damals Trainer und hat ein Plädoyer gehalten, um irgendwen aus der Mannschaft zu motivieren, ins Tor zu gehen. Er hat aber nicht damit gerechnet, dass ich mich freiwillig melde. Das Plädoyer war so stark, dass ich mich berufen gefühlt habe.

Wie alt waren Sie da?

7, 8 Jahre. Ich war damals der beste Feldspieler und habe mit Abstand die meisten Tore gemacht. Ich war gut im Feld und bin dann ins Tor.

Was muss ein Torhüter mitbringen?

Ganz viel Ehrgeiz und Lernwillen. Und er muss fleißig sein. Er sollte in gewissen Maßen auch schlau sein, weil man viel mit Wurfbildern und solchen Dingen arbeitet.

Muss man einen Spagat können?

Nein, das habe ich auch nie gekonnt. Aber man muss sich ganz viel dehnen und daran arbeiten.

Was sind Sie denn für ein Typ?

Auf dem Spielfeld megaehrgeizig, laut und auch aufbrausend. Aber im Privatleben bin ich eher ein ruhiger Zeitgenosse, der gerne Spaß hat mit seinen Mitmenschen. Ich würde mich als sympathischen Kerle bezeichnen.

Stauchen Sie Ihre Vorderleute auch ab und zu zusammen?

Ja klar. Vollgas! Im Privatleben bin ich ganz ruhig und locker. Und auf dem Feld bin ich ganz anders. Ich wurde auch schon von Zuschauern angesprochen, warum ich meine Mitspieler zusammenscheiße. Das ist halt so, weil ich im Tunnel bin. Meine Mitspieler wissen auch, dass es nicht böse gemeint ist. Aber das ist eben die Härte und die Rauheit. Da hat man einfach einen anderen Ton drauf und schreit.

Wie wurden Sie bei der SHB aufgenommen? Hatten einige womöglich großen Respekt?

Respekt ja, aber die Jungs begegnen mir auf Augenhöhe. Ich bilde mir wirklich null auf etwas ein. Es sind alles sympathische Jungs, ich habe mich sofort wohlgefühlt. Gegen ein paar habe ich auch schon gespielt. Viele sind halb so alt wie ich.

Wie ist die Rolle als „Opa“? Schließlich sind Sie neben Dennis Wurelly (35) der zweitälteste Spieler.

Ja mei, ich sag mal: Gerade meinen Torwartkollegen gebe ich gerne Tipps, ohne als der große Oberlehrer zu wirken. Sie nehmen das dankbar an. Das erinnert mich schon an mich selber. Ich war mit 17, 18 in Wertingen. Damals war Torhüter Herbert Reitenauer 36, 37. Da war es nicht anders. Ich war für jeden Tipp dankbar. Man will sich ja verbessern und ist neugierig.

Wie würden Sie Ihre Karriere beschreiben?

(überlegt) Ich finde, dass ich aus meinen Möglichkeiten ziemlich viel gemacht habe. Von daher bin ich ganz glücklich, so wie es gelaufen ist. Auch über die Zeit in Blaustein. Klar gab es auch Phasen, in denen man sich denkt: Jetzt fährst du fünfmal die Woche 60, 70 Kilometer einfach, das kostet viel Zeit. Rückblickend bin ich megadankbar für die Zeit, weil ich Freunde fürs Leben kennengelernt habe.

Und was macht den Reiz Ihres neuen Vereins aus?

Dass es eine ganz junge Truppe ist und dass es eine Herausforderung wird, in der Landesliga zu bestehen. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Vereinen, gerade in Blaustein, wo wir immer um den Aufstieg spielen wollten, ist es bei der SHB wirklich ganz anders. Wir wollen den Klassenerhalt so schnell wie möglich sichern. Und ich möchte dabei der jungen Truppe mit Erfahrung weiterhelfen.

Stationen einer Karriere: mit Blaustein Aufstieg in die BWOL

Adalbert Konkel, der in Dillingen lebt,  wird von allen immer nur Adi gekannt. In seiner Karriere hat er für den TV Lauingen in der Jugend gespielt, bei den Aktiven für den TSV Wertingen, den TSV Burgau (beide Oberliga Schwaben), den TV Brenz (Konkel wollte unter Trainer Richard Moser spielen).

Wegen Trainer Stefan Hofmeister zog es Konkel anschließend zum SC Vöhringen in die Württembergliga. Nach einer kurzen ersten Rückkehr zum TV Brenz (2010/11) verbrachte Konkel seine erfolgreichste Zeit beim TSV Blaustein (2011 bis 2017), mit dem er in die BWOL aufstieg.

Es folgte die zweite Rückkehr zum TV Brenz, den er Anfang 2019 Richtung TSV Niederraunau (Landesliga) verließ, um dort mit seinem Bruder Lukas Konkel (früher TV Steinheim) aufzulaufen.

Trotz der vielen Stationen habe es immer gute Gründe für einen Wechsel gegeben, betont Adi Konkel. „Ich bin mit allen Vereinen im Guten auseinandergegangen“, sagt der 34-Jährige.

Verletzungen gab es auch einige: Neben 14 Bänderrissen auch eine Hüft-OP (angeborener Hüftschaden). Insgesamt nimmt Konkel alles aber gelassen hin.