Aufsteiger bleibt in der Verbandsliga

31:30 beim TSV Betzingen: Wie sich die Handballer der SG Herbrechtingen/Bolheim mit einem dramatischen Comeback den Klassenerhalt sicherten

Die Handballer der Spielgemeinschaft Herbrechtingen/Bolheim spielen nach einem 31:30-Erfolg in Betzingen auch nächste Saison in der Verbandsliga. Wie die Mannschaft nach einem Zehn-Tore-Rückstand noch zurückkam und was sie sich laut Trainer Sebastian Schmid jetzt mehr als verdient hat.

Mit einer fulminanten Aufholjagd haben sich die Handballer der SG Herbrechtingen/Bolheim den Auswärtssieg beim TSV Betzingen und damit den Klassenerhalt in der Verbandsliga gesichert. „Das war ein unglaubliches Spiel für alle, die dabei waren und das erleben durften“, sagte der sichtlich ergriffene SHB-Coach Sebastian Schmid nach dem Spiel. Knapp 14 Minuten vor Schluss lag die Mannschaft des Trainergespanns Sebastian Schmid und Michael Kling noch mit 18:28 hinten. In den Schlussminuten drehten die Gäste aber noch einmal richtig auf.

Die Vorzeichen waren vor dem Spiel klar: Insgesamt hatte man noch vier Matchbälle zum Ligaverbleib, dazu konnte man personell aus dem Vollen schöpfen. Zudem ging das Hinspiel mit 34:21 klar an die SHB. Was sollte also noch groß schiefgehen? Doch da war noch das absolute Harzverbot in der Betzinger Sporthalle, das schon so manches Team zur Verzweiflung gebracht hatte. Nur drei Heimspiele hatten die Betzinger in dieser Saison bis dato verloren, und so wollte die SHB nicht unvorbereitet in dieses Spiel gehen. „Wir hatten unter der Woche eine gemeinsame Trainingseinheit mit dem Heidenheimer SB, die ihre harzfreien Bälle mitbrachten“, erzählte Schmid schmunzelnd, der wie seine Mannschaft wusste, dass Heidenheim in der Halle am Werkgymnasium ebenfalls harzfrei spielen muss. Der Effekt trat anfangs aber leider noch nicht ein.

SHB gegen Betzingen: Ausgeglichene erste Halbzeit

Das Spiel gestaltete sich in den ersten Minuten sehr zäh und mit etlichen Führungswechseln. Keine Mannschaft konnte sich absetzen, und man ahnte bereits, dass es ein Geduldsspiel bis zum Ende werden würde. Mit 14:14 wurden die Seiten gewechselt, was den Spielverlauf auch widerspiegelte. Die zweite Hälfte startete zunächst so, wie die erste aufgehört hatte. Beim 16:18 nach 35 Minuten kam dann ein Bruch ins Spiel der SHB. „Wir haben schlechte Entscheidungen getroffen, waren zu zaghaft in der Abwehr und haben vorn total unvorbereitet abgeschlossen“, erklärte Schmid nach dem Spiel. Betzingen legte einen 7:0-Lauf hin und zog zwischenzeitlich auf 28:18 davon. Der SHB-Coach reagierte mit einer Auszeit. „Wir sind nicht laut oder hektisch geworden, sondern ich habe die Abwehr noch einmal umgestellt und gesagt, dass wir ruhig bleiben und es gemeinsam lösen“, so Schmid. Und urplötzlich ging ein großer Ruck durch die Gäste.

Luis Soderer agierte vorgezogen in der Abwehr, und so wollte man den Gegner aus dem Konzept bringen – mit Erfolg. Die Gastgeber wurden aufgrund der energischen Spielweise der SHB immer nervöser und gaben reihenweise die Bälle her. Angeführt vom überragenden Soderer, der vier seiner sechs Treffer in den letzten zehn Minuten erzielte, und Spielmacher Lars Braun, der gewohnt umsichtig seine Mitspieler in Szene setzte, holte man Treffer um Treffer auf. Als der flinke und formstarke Daniel Mezencev knapp zwei Minuten vor dem Ende zum 30:30-Ausgleich einwarf, stand die komplette SHB-Bank Kopf. Der Routinier Pascal Mailänder war es dann, der knapp 40 Sekunden vor dem Ende unter großem Jubel den Siegtreffer markierte. Der letzte Angriff der Hausherren brachte nichts mehr ein, und frenetisch wurden der Sieg und der Ligaverbleib gefeiert. Und das als Aufsteiger mit noch drei verbleibenden Spielen.

Schmid gibt klares Ziel für SHB-Endspurt vor

„Solch ein Spiel hat von uns sicher noch keiner erlebt“, sagte Schmid lachend und gab seiner Mannschaft für Montag trainingsfrei. „Der Ligaverbleib ist eine schöne Sache, und die Mannschaft darf am Montag grillen, ein paar Bier auf den Klassenerhalt trinken, und ab Dienstag bereiten wir uns auf das nächste Spiel vor“, so der 45-Jährige, der noch ein ehrgeiziges Ziel ausgibt: „Wir wollen kein Spiel mehr verlieren und den sechsten Tabellenplatz festigen.“

Einen „großen Dank“ schickte der SHB-Trainer noch an Trainer und Spieler des HSB für das harzfreie Training: „Sie wurden von uns zum letzten Heimspiel eingeladen.“

Namen und Zahlen

Es spielten: Gehringer und Kovalchuk im Tor; Buntz, Mannbeiß, Hauser (3), T. Kraft, Ruoff (1), Braun (6), Englisch (1), R. Kraft, Mailänder (3), Mezencev (5), Soderer (6), Jäger (3), Akermann (3/3)

Zeitstrafen: SHB: 4 (Soderer 2, Mezencev, Jäger), TSV Betzingen: 3  (Rote Karte: 59.)

Strafwürfe: SHB: 4 (3 verwandelt), TSV Betzingen: 6 (4 verwandelt)

Zuschauer: 200 

Schiedsrichter: Marco Pink und Christian Zeller