Leipzig / THOMAS GRÜNINGER 56 Minuten lang konnte der 1. FC Heidenheim am Mittwochabend dank des Führungstreffers durch Robert Leipertz den souveränen Zweitliga-Spitzenreiter RB Leipzig ärgern, dann brachen alle Dämme und am Ende waren die Heidenheimer mit dem 1:3 noch gut bedient. „Wir hätten gerne etwas mitgenommen, und ich denke, dass hat man in der ersten Halbzeit auch gesehen. Da hat die Mannschaft an ihre Chance geglaubt. Bis zum 1:1 haben wir ein gutes Spiel gemacht, am Ende konnten wir dem Leipziger Druck nicht mehr standhalten“, resümierte Frank Schmidt, der folgerichtig auch von einem verdienten Sieg für den Tabellenführer sprach.

Überraschend stand bei den Heidenheimern Kevin Müller im Tor und absolvierte sein erstes Punktspiel für die Heidenheimer. Grund für den Torwarttausch waren heftige Zahnschmerzen, die sich bei Stammkeeper Jan Zimmermann über Nacht eingestellt hatten. „Er kam mit einem völlig verschwollenen Gesicht zum Frühstück“, berichtete Schmidt. An einen Einsatz seiner Nummer eins sei nicht zu denken gewesen, auch wenn es dank Leipziger Mithilfe möglich war, noch schnell einen Zahnarzttermin zu bekommen.

Ein weiteres Novum bei den Heidenheimern: Kapitän Marc Schnatterer gehörte erstmals in dieser Saison nicht der Anfangself an. Wegen des zu erwartenden laufintensiven Spiels schonte Schmidt seinen Spielführer zunächst und brachte angesichts der englischen Woche  frische Kräfte. „Wir wollten das Zentrum stark machen“, begründete Schmidt seine Maßnahme, mit Julius Reinhardt, Norman Theuerkauf und Marcel Titsch-Rivero gleich drei nominelle Sechser im Mittelfeld aufzubieten.



Diese Rechnung ging lange Zeit auf. Zwar waren die Leipziger wie erwartet von Beginn an spielbestimmend, doch die Heidenheimer Defensive ließ nur wenig gefährliche Szenen für die „Roten Bullen“ zu und verteidigte clever. Auf Seiten des FCH setzte man auf Konterchancen, und der erste Gegenangriff brachte in der 21. Minute auch gleich die Führung.

Nach einem starken Pass von Julius Reinhardt auf Denis Thomalla, wartete der Neuzugang klug ab und passte dann zum aufgerückten Robert Leipertz, der im dritten Spiel hintereinander als Torschütze glänzen konnte. Seinem satten Schuss aus rund 18 Metern hatte RB-Keeper Peter Gulacsi nichts entgegenzusetzen. „Besser kann man einen Konter nicht ausspielen“, freute sich Schmidt über die gelungene Aktion.

Selbstbewusst agierten die Heidenheimer weiter, warteten vor allem in der Abwehr mit einer konzentrierten Leistung auf und verteidigten den Vorsprung relativ ungefährdet  bis zur Pause. „Wir hatten zu wenig Tempo im Spiel“, haderte Leipzigs Coach Ralf Rangnick und schwor seine Schützlinge zur Pause neu ein.

Das zeigte Wirkung: In der 56. Minute glichen die Sachsen aus, hatten dabei allerdings auch Glück, dass der Schuss von Dominik Kaiser durch Timo Beermann noch unglücklich abgefälscht wurde. Kevin Müller wurde so auf dem falschen Fuß erwischt. In der Folge wurden die Hausherren immer stärker, erhöhten den Druck und gingen nur fünf Minuten nach dem Ausgleich in Führung.



Der im zweiten Durchgang nicht mehr zu haltende Spielgestalter Emil Forsberg passte dem Torschützen Yussuf Poulsen den Ball mit einem technischen Kabinettstückchen in den Lauf, und der ließ Müller keine Chance. Nach dieser schwedisch-dänischen Kombination war klar, dass es nun für den FCH schwer werden würde, noch etwas Zählbares mitzunehmen.

Dennoch ärgerte sich Schmidt darüber, dass seine Truppe durch einen Kopfball von Marvin Compper nach einer Ecke von Kaiser in der 83. Minute mit 1:3 in Rückstand geriet und damit endgültig aus dem Rennen war. „Beim Stand von 1:2 hätten wir immer die Chance gehabt, nochmals zurückzukommen“, meinte Schmidt angesichts des Gegentreffers aus einer Standardsituation – und dachte dabei möglicherweise an das in letzter Minute gesicherte 2:2 in Kaiserslautern.

Fast im Minutententakt kamen die Leipziger in dieser Phase zu guten Torgelegenheiten und hätten auch noch höher gewinnen können. Der eingewechselte Schnatterer war an den wenigen vielversprechenden Offensivaktionen für die Gäste im zweiten Durchgang beteiligt, doch letztlich war RB Leipzig nach der Pause eindeutig Chef im Ring und ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Am Sonntag, 6. März, hoffen die Heidenheimer nun, im Heimspiel gegen den FC St. Pauli schnell wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Mathias Wittek wird für diese Partie allerdings nicht zur Verfügung stehen. Er holte sich in Leipzig nach einem Foulspiel die fünfte Gelbe Karte ab und ist gegen die Hamburger gesperrt.