Immer mitten in die Fresse rein: Wer jetzt an ein Lied der Band „Die Ärzte“ denkt, hat entweder einen guten Musikgeschmack. Oder ist etwas älter. Oder beides. Immer in die Fresse – das könnte man denken, wenn man auf die Anzahl der Gegentore schaut, die die Fußballer des FV Sontheim in der Landesliga kassiert haben. 49 in 16 Spielen, heißt also im Durchschnitt mehr als drei pro Spiel. Ein gewichtiger Grund dafür, weshalb die Sontheimer Schlusslicht der Liga sind. Wobei es der Tabellenvorletzte MTV Stuttgart auf 47 Gegentore bringt. Kein Wunder also, dass im direkten Duell acht Tore fielen, aus Sontheimer Sicht ging die Partie aber 3:5 aus.
Mit Lazar Savic bekommt der FV Sontheim mehr Stabilität in der Abwehr
Seitdem hat der FVS aber deutlich weniger „in die Fresse“, wenn man bei diesem Bild bleiben möchte, bekommen. Vor der Winterpause folgten ein 1:1 gegen Maichingen und mit dem 1:0 gegen Sindelfingen der erste Saisonsieg. Jetzt soll die Abwehrkette, die bislang immer wieder umgebaut werden musste, einen weiteren Stabilitätsanker erhalten: Mit Lazar Savic ist ein Innenverteidiger neu dabei. „Wir haben einen gesucht, er wird uns sicherlich guttun. Er hat bereits angedeutet, dass er eine Verstärkung sein kann“, sagt Trainer Sebastian Knäulein über den Neuzugang.

Im Amateurfußball durchaus üblich: Savic stieß über Kontakte zum FV Sontheim. Bislang lief der 19-Jährige für Srbija Ulm (Landesliga Staffel 4, Sontheim spielt in der Staffel 2) auf, kam hier aber nicht so oft zum Einsatz. Mit Sontheims Torhüter Tom Ebert und Nico Gölz besuchte Lazar Savic die Valckenburgschule in Ulm (berufliches Gymnasium). Gölz und Savic studieren zudem gemeinsam Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation.
Nicht ganz unwichtig: Die Ulmer hätten sich bezüglich einer Ablöse kooperativ gezeigt, erzählt Sontheims Coach Knäulein. Während der Winter-Transferperiode (anders als im Sommer) sind Ablösesummen frei verhandelbar. „In den meisten Fällen sind sie so hoch, dass es keinen Sinn ergibt“, sagt Knäulein.
So bekomme ich mehr zu tun und habe die Chance, mich zu beweisen.
Lazar Savic, Neuzugang des FV Sontheim, über die Anzahl der Gegentore
Doch wurde der junge Neuzugang nicht von der enormen Anzahl an Gegentoren abgeschreckt? „Im Gegenteil“, sagt Lazar Savic. „So bekomme ich mehr zu tun und habe die Chance, mich zu beweisen“, so der Ulmer, der seine Stärken auch im Spielaufbau sieht. Kein Wunder bei dem Vorbild: Savic nennt Nemanja Vidic (ehemals bei Manchester United und serbischer Kapitän) als Vorbild.

Warum Sontheims Trainer Sebastian Knäulein an Joshua Kimmich denken muss
Zudem haben sich die Sontheimer in der Offensive verstärkt. Georg Geith, Schwager von Caner Otabasi, hatte nach seinem Umzug nach Dillingen nach einem neuen Verein gesucht (spielte zuvor bei der TSG Pasing/bei München). Geith, der im Sturm oder auf der Zehnerposition im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, habe ebenfalls bereits gute Ansätze gezeigt, sagt Sebastian Knäulein. Der Sontheimer Trainer mahnt aber zur Geduld: „Georg hat zuletzt wenig gespielt. Wir werden ihn erst einmal heranführen müssen“, so der 44-jährige Sontheimer Coach.
Vereine mit einem Kunstrasen sind im Vorteil
Apropos wenig gespielt: Aufgrund der winterlichen Wetterverhältnisse konnten die Sontheimer am vergangenen Freitag, 13. Februar, mit Ball auf dem Rasenplatz trainieren. Zuvor konnten sie nur wenig mit dem Ball machen. Oder wie Knäulein es ausdrückt: „Wir sind durchs Dorf gejoggt. Da war kaum etwas Fußballspezifisches dabei.“ Die Rasenplätze auf dem Hülenberg waren sehr matschig. „Wir hätten alles umgegraben und hätten dann bis April darauf nicht mehr trainieren können. Da sind Vereine mit Kunstrasenplätzen im Vorteil.“
Dennoch bestritt der FV Sontheim zuletzt auch Testspiele – auswärts auf Kunstrasenplätzen. „Wir brauchen Ballkontakte, die Fußballfitness“, sagt Knäulein, der die Ergebnisse der Freundschaftsspiele daher auch nicht überwerten möchte. Jetzt stehen noch drei Testspiele an: gegen den TSV Buch (in Illertissen), beim SV Jungingen und beim FV Unterkochen.
Wir waren in vielen Spielen dran. Und vielleicht haben wir jetzt etwas mehr Glück und nicht jeder Fernschuss ist gleich ein Gegentor.
Sebastian Knäulein, Trainer des FV Sontheim
Mit dem ersten Spiel des neuen Jahres (Samstag, 7. März, beim SC Geislingen) geht das Projekt Klassenerhalt weiter. Elf Punkte haben die Sontheimer Rückstand auf den Relegationsplatz. Knäulein glaubt weiterhin fest an den Klassenerhalt (jetzt bloß nicht an „Don’t Stop Believin’“ von „Journey“ denken). „Wir waren in vielen Spielen dran. Und vielleicht haben wir jetzt etwas mehr Glück und nicht jeder Fernschuss ist gleich ein Gegentor“, so der Trainer. „Wir haben uns im taktischen Bereich stark verbessert. Wir dürfen nicht aufgeben – dann kommen die Ergebnisse von allein.“
Tim Urban macht gute Fortschritte
Nach seinem Kreuzbandriss ist Tim Urban beim FV Sontheim wieder dabei und soll laut Trainer Sebastian Knäulein langsam herangeführt werden. Urban soll mit seiner Dynamik das Team weiterbringen. Ruben Ertle benötige, ebenfalls nach einem Kreuzbandriss, dagegen wohl mehr Zeit. Aufgrund seiner Tätigkeit als Jugendtrainer beim FCH könne der 26-Jährige nur eingeschränkt trainieren.


