Nereheim / Edgar Deibert Sven Palinkas ist überraschend nicht mehr Coach des Tabellenführers. Der Verein präsentiert mit Erdal Kalin einen neuen Coach, der aber noch letzte Vertragsdetails klären möchte.

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und im Fußball sowieso. Als Erdal Kalin im Juni 2018 mit dem FV Sontheim durch einen 4:1-Heimsieg gegen den SV Neresheim die Meisterschaft in der Bezirksliga sicherte, dachte er sicher nicht daran, dass er knapp acht Monate später eben den SVN übernehmen könnte. Den Verein um Kapitän Denis Werner, der an jenem Tag durch sein Tor zum zwischenzeitlichen 1:2 in der 86. Minute Sontheim kurz zittern ließ.

Die Neresheimer spielten damals befreit auf, weil sie letztlich doch überraschend schon vor dem letzten Spieltag vorzeitig den Klassenerhalt sicher hatten. Schließlich hatten sich die Härtsfelder auf beeindruckende Art und Weise vom zwischenzeitlich vorletzten auf den zwölften Platz vorgeschoben.

Vom vorletzten Platz nach ganz oben

Zu verdanken hatten es die Neresheimer einem ohnehin starken Kader und Sven Palinkas, der im März 2018 das Traineramt übernahm – und am letzten Spieltag in Sontheim auch als Spieler auf dem Platz stand. In der aktuellen Saison führte der 37-Jährige das Team sogar ganz nach oben, Neresheim hat nach 16 Spieltagen als Spitzenreiter vier Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz.

Umso mehr überrascht es, dass Sven Palinkas nicht mehr Trainer des SVN ist. „Am vergangenen Donnerstag habe ich einen Anruf gekriegt, am Freitag habe ich das Training nicht mehr geleitet“, sagt Palinkas. Erste Gerüchte machten schnell die Runde. Es war dabei wie so oft ein Stochern im Nebel: Wieso, weshalb, warum ist Palinkas nicht mehr Coach?

Kein Grund für einen Trainerwechsel?

Dabei kann Stefan Aubele durchaus nachvollziehen, wie es auf Außenstehende wirken könnte: „Wir haben vier Punkte Vorsprung. Da gibt es keinen Grund, den Trainer zu wechseln“, fast der Abteilungsleiter die Meinung, die in Fußballerkreisen vorherrscht, zusammen. Der Verein begründet die Trennung offiziell damit, dass Palinkas aus privaten und beruflichen Gründen auf eigenen Wunsch zurückgetreten sei und den SVN „im gegenseitigen Einvernehmen“ verlässt.

Palinkas selbst wollte sich gegenüber der HZ zu Gründen nicht groß äußern. Allerdings wird gerade durch sein Schweigen deutlich, dass er nicht freiwillig gegangen ist. Denn dem Vernehmen nach handelt er sich nicht um einen Rücktritt, sondern um eine Entlassung. Am vergangenen Donnerstag endete die Ära Palinkas, am Tag darauf wurde Kalin der Mannschaft bereits vorgestellt.

Wie ist die Rolle des Teams?

Etwas Licht ins Dunkel könnte ein Blick auf das Verhalten des Teams bringen. Mannschaften kommt nämlich, wie immer bei Trainerwechseln, eine große Rolle zu. Schließlich könnten Führungsspieler sich für einen Verbleib des aktuellen Trainers stark machen. Doch nach HZ-Informationen blieb dies im Fall des SVN aus. Im Gegenteil, dem Vernehmen nach sei Kalin Wunschtrainer vieler Spieler gewesen. Andererseits sollen aber viele wegen der Trennung von Palinkas überrascht gewesen sein.

Nach seinem Weggang vom FV Sontheim nach dem Gewinn der Meisterschaft und des Pokals trainierte Kalin den TSV Essingen, musste beim Verbandsligisten aber bereits nach 16 Spielen wieder gehen. Seitdem stand der 47-Jährige auf dem Wunschzettel vieler Vereine, dem Vernehmen nach zuletzt auch beim SV Mergelstetten (Kreisliga A3).

Kalin hat noch nicht zu 100% zugesagt

Kalin bestätigte gegenüber der HZ, dass er die Mannschaft des SVN trainiert, sagte aber auch – im Gegensatz zum SVN, dass letzte Vertragsdetails noch geklärt werden müssten. Gestern Abend war die Gelegenheit dazu, schließlich war SVN-Abteilungsleiter Aubele bis Montag im Urlaub.

Dass die Aufgabe Kalin reizt, steht außer Frage. Schließlich könnte ihm mit dem SVN der Aufstieg in die Landesliga gelingen. Es wäre Kalins zweiter Aufstieg innerhalb eines Jahres. Zu verdanken hätte er es dann auch Sven Palinkas, der laut SVN-Abteilungsleiter Aubele die Mannschaft im vergangenen Jahr „sensationell“ zum Klassenerhalt geführt hat. Nun dürfen Fußballinteressierte gespannt sein, wo und in welcher Funktion sie Palinkas wiedersehen werden.

Rücktritt und Neuzugang beim SV Neresheim

Michael Weiss, zweiter Abteilungs- und zweiter Spielleiter des SVN, ist nach Bekanntgabe der Trennung von Trainer Sven Palinkas, zurückgetreten. Sein Entschluss hing mit dieser Entscheidung zusammen, bestätigte Weiss gestern gegenüber der HZ. Darüber hinaus wollte er sich aber nicht äußern

.

Edis Yoldas (3 Tore und 7 Vorlagen in 13 Spielen) wechselte in der Winter-Transferphase zum SV Neresheim vom Ligakonkurrenten VfL Gerstetten.

Da die Wechselprämien im Winter nicht festgeschrieben sind, mussten sich die Vereine auf eine Transfersumme einigen. Diese wird nach Einschätzung von Kennern in diesem Fall zwischen 2000 und 3000 Euro gelegen haben