Fußball-Kreisliga A3

Shootingstar: Wie sich der TSV Gussenstadt vom Abstiegskandidaten zum Spitzenteam gewandelt hat

Alle Achtung! Der TSV Gussenstadt ist nicht mehr wiederzuerkennen. In der vergangenen Saison schafften die Fußballer gerade noch so den Klassenerhalt in der Kreisliga A3. In dieser Spielzeit ärgern sie regelmäßig auch die Spitzenteams. Wie es dazu gekommen ist, erklären Spielertrainer Patrick Schwarz und Kapitän Sebastian Ulshöfer: 

Was für eine miese Bilanz: „Arg viel schlechter geht es eigentlich nicht“, sagt Patrick Schwarz rückblickend. Mit seiner Mannschaft belegte der Trainer des TSV Gussenstadt nach der Hinserie der vergangenen Saison den vorletzten Platz in der Kreisliga A3. Die Anzahl der Gegentore (36) war dabei nicht einmal der negative Ausreißer. Die Gussenstadter hatten nur elf Treffer selbst erzielt – absoluter Negativrekord.

Knapp ein Jahr später: Nach 16 von 30 Spielen liegt der TSV Gussenstadt auf Rang fünf, hat nur 24 Gegentore hinnehmen müssen, dafür aber 25 geschossen. Und hat jetzt schon genauso viele Punkte wie nach der gesamten vergangenen Saison (26). Was hat sich also geändert? „Eigentlich nicht so viel“, sagt Schwarz. „Als wir letzte Saison dringestanden haben, lief einiges gegen uns“, so der 30-Jährige, der eine 1:3-Niederlage beim FC Härtsfeld als Beispiel nimmt. „Wir haben da zwei Elfmeter verschossen. Das war sinnbildlich.“ Am zweiten Spieltag der laufenden Saison feierte Gussenstadt einen 2:1-Erfolg bei der SG Herbrechtingen/Bolheim – es war der erste Auswärtserfolg nach über einem Jahr.

Was ist also anders? „Uns hatte das Selbstvertrauen gefehlt. Es ist auch eine Kopfsache. Jetzt können wir wieder frei aufspielen, das Teamgefühl und auch die Disziplin sind besser“, nennt Schwarz dann doch einige Punkte, die sich zum Positiven verändert haben. Und nicht ganz unwichtig: Der Trainer ist – so weit das überhaupt möglich ist – wieder fit und steht selbst auch als Spieler auf dem Platz. Fünf Tore in zwölf Einsätzen sind keine schlechte Bilanz.

Auf dem Kunstrasenplatz in Söhnstetten gab es einige Schneebrocken. Foto: Rudi Penk

„Es macht Spaß. Auch wenn ich mich das ein oder andere Mal quälen musste“, sagt Schwarz, der vor einigen Jahren einen Kreuzbandriss erlitten hatte. „Er ist nicht der größte Läufer, das wissen wir ja“, sagt Sebastian Ulshöfer über seinen Trainer. „Mit ihm ist es aber ein ganz anderes Spiel“, lässt der TSV-Kapitän auf den Seitenhieb ein Lob folgen. „Patrick strahlt Ruhe aus, gibt uns Sicherheit. Er kommuniziert auch anders“, führt Ulshöfer aus.

Ich wusste selbst nicht, dass ich Kopfballtore machen kann.

Patrick Schwarz, Trainer des TSV Gussenstadt, im Scherz über sich selbst

Der Spielertrainer läuft nämlich in der Innenverteidigung als Stabilisator auf. „So kann ich den Ball auch besser verteilen. Und die jungen Wilden können sich vorne entfalten“, erklärt Schwarz, dem als Innenverteidiger drei Treffer per Kopf gelangen. „Ich wusste selbst nicht, dass ich Kopfballtore machen kann“, nimmt er sich selbst auf den Arm. Die Position in der Innenverteidigung ist ihm aber bekannt. Bereits in der Jugend des VfB Stuttgart und später beim Regionalligateam von Hannover 96 war er Innenverteidiger.

Macht sowohl in Lauf- als auch Fußballschuhen eine gute Figur: Gussenstadts Kapitän Sebastian Ulshöfer. Foto: Rudi Penk

Und weil Patrick Schwarz in der Innenverteidigung aufläuft, musste Kapitän und Kumpel Sebastian Ulshöfer auf die Sechserposition im defensiven Mittelfeld vorrücken. „Das ist ja das Gute, dass ich der Trainer bin“, sagt Schwarz mit einem Augenzwinkern. Denn: Auf der Sechs, wie es in der Fußballersprache heißt, muss man mehr laufen. Ulshöfer hat sich allerdings schnell mit der neuen Position angefreundet. „Auf der Sechs macht es mir deutlich mehr Spaß. Da ist man mehr am Spiel beteiligt“, erklärt der 32-Jährige.

Was dem Kapitän auch aufgefallen ist: Die Trainingsbeteiligung ist anders. Am Ende der vergangenen Saison haben gleich zehn Spieler aufgehört. „Wir waren sonst 25 im Training. Jetzt sind es 17, 18“, erzählt Ulshöfer, um nachzuschieben: „Mindestens 12, 13 Spieler davon gehören aber zum Kader der ersten Mannschaft. In der letzten Saison waren es fünf bis acht.“ Somit habe sich nicht nur die Trainingsqualität verbessert. Auch läuferisch sei das Team deutlich besser als in der Vorsaison.

Freude über den Fotografen? Gussenstadts Trainer Patrick Schwarz hatte bereits das Testspiel seines Teams im Kopf. Foto: Rudi Penk

Diese Disziplin streicht auch Patrick Schwarz hervor. Der Trainer hat an die Mannschaft appelliert – und belohnt Einsatz: Wer fleißig trainiert, der soll auch spielen, heißt es beim TSV Gussenstadt. „Im Training kann man eine Einheit formen“, ist Schwarz überzeugt.

Der (neue) Erfolg spricht für sich: Zwar haben die Gussenstadter acht Punkte Rückstand auf den Tabellenzweiten VfL Gerstetten (und bereits 17 auf Spitzenreiter Türkspor Heidenheim). Allerdings konnte der TSV mit den über ihm stehenden Teams mithalten. Beim Tabellenvierten Königsbronn/Oberkochen gab’s ein 4:4, gegen den Tabellenzweiten Gerstetten einen 1:0-Sieg. Im Heimspiel gegen Ligaprimus Türkspor Heidenheim musste sich Gussenstadt mit 0:1 geschlagen geben. „Auch in der Rückrunde wollen wir dranbleiben“, sagt Patrick Schwarz, um nachzuschieben: „Und die Spitzenteams wieder ärgern.“

Patrick Schwarz bleibt auch in der kommenden Saison Trainer

Beim TSV Gussenstadt bleibt Patrick Schwarz auch in der kommenden Saison Trainer. Der 30-Jährige hat seine Zusage gegeben. Dem 30-Jährigen sei es wichtig gewesen, dass routinierte Spieler wie Sebastian Ulshöfer oder Hannes May ebenfalls noch weitermachen wollen.