Heidenheim / Sandra Gallbronner Der 16-Jährige Christian Lindel steht seit Herbst als Schiedsrichter auf dem Platz. Dass seine Entscheidungen angezweifelt werden, nimmt er gelassen.

Vollidiot“, „blinde Sau“, „Pfeife“ – Beleidigungen solcher Art sind auf den Fußballplätzen des Amateurbereichs gegenüber Schiedsrichtern häufiger zu hören. Doch bei solch vermeintlich harmlosen Pöbeleien bleibt es nicht immer, auch mit Drohungen müssen die Unparteiischen zurechtkommen können. Dennoch entscheiden sich Jahr für Jahr junge Fußballfans dazu, Schiedsrichter zu werden. Einer von ihnen ist der 16-Jährige Christian Lindel aus Oggenhausen, der seit einem halben Jahr Spiele im Kreis Heidenheim pfeift.

Seitdem er neun ist, spielt Lindel bei der TSG Nattheim, mittlerweile in der B-Jugend. Nach sechs Jahren als Spieler war ihm das nicht mehr genug: „Ich wollte den Fußball nicht nur aus Spielersicht, sondern auch von der anderen Seite sehen.“ Gemeinsam mit seinem Mannschaftskollegen und Freund Marco Kümmel, dessen Vater ebenfalls Schiri ist, entschied sich der Realschüler im Sommer des Vorjahres künftig die Trillerpfeife in die Hand zu nehmen.

Erster Einsatz in Herbrechtingen

Über einen zweiwöchigen Kurs, der mit einer schriftlichen Prüfung und einem Leistungstest abgeschlossen wird, ließ sich Lindel bei der Schiedsrichtergruppe Heidenheim ausbilden. Im Herbst war es dann so weit: Lindel pfiff bei der D-Jugend in Herbrechtingen – sein erster Einsatz. „Ich war schon ein wenig aufgeregt“, gesteht er. Doch es sei alles gut gelaufen. Ein Betreuer am Spielfeldrand beobachtete den jungen Schiedsrichter und gab ihm nach der Partie Tipps. Seither hat Lindel etwa 16 Spiele gepfiffen.

Doch bekommt der Sportler das Pfeifen und eigene Spiele zeitlich unter einen Hut? Bislang schon. Denn Lindel pfeift hauptsächlich bei der E-, D- und C-Jugend, die samstags spielen. Er selbst steht mit der B-Jugend hingegen meist sonntags auf dem Platz.

„Nächstes Jahr könnte es allerdings problematisch werden“, so der Zehntklässler, der dann nämlich in der A-Jugend spielt. Und die hat ihre Einsätze ebenfalls samstags. Was dann? „Entweder gehe ich direkt vom Pfeifen in mein Spiel oder ich mache nur mein eigenes Spiel.“ Die Antwort auf die Frage, was er machen würde, wenn er sich zwischen dem Fußballspielen und dem Schiri-Job entscheiden müsste, fällt dem Sportler leicht: „Ich würde niemals das Kicken aufgeben.“

Zuschauer werden häufig laut

Denn eines steht für Lindel fest: „Ich spiele dann doch lieber selber. Das macht mehr Spaß und man wird nicht so oft angeschrien.“ Häufig würden ihm Zuschauer falsche Entscheidungen vorwerfen und das durchaus lautstark äußern. Lindel nimmt es hin: „Das wird bei allen Schiris gemacht, egal wie alt diese sind.“ Bislang sei es auch nie ernster geworden. Dennoch möchte der Fußballer auch in naher Zukunft nur bei Jüngeren und nicht etwa bei der A-Jugend pfeifen. „Gleichaltrige oder Ältere respektieren einen dann doch nicht so“, ist sich Lindel sicher.

Sein eigener Respekt vor der neuen verantwortungsvollen Aufgabe ist schnell verflogen. Nun sieht Lindel vor allem die Vorteile, die er aus seiner Tätigkeit als Unparteiischer ziehen kann: „Als Schiri muss man ziemlich schnell Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Das hilft mir auch, wenn ich selber spiele.“

Schiedsrichter-Neulingskurs 2019

Der diesjährige Kurs für Schiedsrichter-Anwärter der Schiedsrichtergruppe Heidenheim findet vom 5. bis 24. Juli im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Heidenheim statt. Der Lehrgang ist in neun Schulungsabende mit jeweils rund zwei Stunden aufgeteilt. Am 17. Juli findet die Regelprüfung statt, am 24. Juli folgt die Nachholprüfung und Besprechung. Interessierte können zum allgemeinen Infoabend am Freitag, 28. Juni, von 19 bis 21 Uhr kommen.