Alexander Zorniger ist nicht mehr Trainer bei Rasenballsport Leipzig. Der 47-Jährige wurde am Mittwoch Vormittag freigestellt. Zorniger hatte den Retortenklub 2012 in der vierten Liga übernommen und mit ihm zwei Aufstiege in Folge geschafft.
 
Der von Sportdirektor Ralf Rangnick gewünschte direkte Sprung in die Bundesliga ist derzeit trotz millionenschwerer Einkäufe aber in Gefahr, RB hatte den Rückrunden-Auftakt 0:2 bei Erzgebirge Aue verloren und liegt derzeit in der Tabelle auf Rang sieben. Auf den dritten Rang hat der Klub fünf Punkte Rückstand.

Bereits nach dem Spiel in Aue hatte Rangnick deutliche Kritik an seinem Trainer geübt ("Wir haben nicht so gespielt, wie ich das erhofft und erwartet habe, wir müssen uns in der Spielweise und in der taktischen Ausrichtung verbessern") und damit einen Fingerzeig auf die Entlassung gegeben. Das diese nun so schnell vonstattenging, war aber doch überraschend. Zumal Rangnick vor dem Aue-Spiel eine Entlassung noch kategorisch ausgeschlossen hatte.

Am Dienstagabend war Zorniger von der Klubführung zu einem Gespräch einbestellt worden. In der Nacht zum Mittwoch wurde dann seine Entlassung beschlossen. Bereits am folgenden Vormittag verabschiedete sich der Coach von seinen Spielern. Rangnick hatte Zorniger mitgeteilt, dass im Sommer ein neuer Mann den Trainerposten übernehmen würde. Daraufhin entschied sich Zorniger, das Kapitel RB sofort zu beenden. Zudem soll es zuletzt auch immer öfter Spannungen zwischen Trainer und Sportdirektor gegeben haben.

IFrame"Es war nach dieser intensiven und erfolgreichen Zeit nicht einfach, diese Entscheidung zu treffen", sagte Zorniger: "Doch aufgrund der mir gegenüber offen kommunizierten Absicht, im Sommer eine Veränderung vorzunehmen, ist es besser, jetzt sofort einen Cut zu machen." Zorniger, 1967 in Mutlangen geboren, ist seit 2009 im Profifußball tätig. Damals wurde er Co-Trainer von Markus Babbel beim VfB Stuttgart, die beiden hatten sich beim Trainerlehrgang kennengelernt. 2010 übernahm er den Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach, ehe er zu RB gelotst wurde.

Wer auf Zorniger folgt, ist noch unklar. Seit Monaten aber ist Thomas Tuchel als RB-Trainer im Gespräch. Der ehemalige Mainzer Coach hatte im Sommer sein Amt beim Bundesligaklub niedergelegt und ist seitdem ohne Anstellung. Dass er die Mannschaft im Sommer übernehmen soll, gilt nach den aktuellen Vorgängen als ausgemacht.

Zunächst gibt es aber eine Übergangslösung mit einem Nachwuchstrainer. Achim Beierlorzer, der zuletzt die U-17-Junioren trainierte, übernimmt vorerst die Mannschaft. Tuchel könnte dann ab Sommer übernehmen.

Auch der 1. FC Heidenheim trifft seit einiger Zeit regelmäßig auf Leipzig. Vergangene Saison setzte sich das Team von Trainer Frank Schmidt als Drittliga-Meister gegen seinen ärgsten Herausforderer, der die Spielzeit als Tabellenzweiter abschloss, durch.

Auch in der aktuellen Zweitliga-Saison kam es schon zu einem Aufeinandertreffen beider Teams. Im Hinspiel in Leipzig holte der 1. FC Heidenheim beim 1:1 einen Punkt. Die Führung durch Heidenheims Innenverteidiger Mathias Wittek in der 21. Minute hatte RB-Kapitän Dominik Kaiser nur zehn Minuten später mit einem sehenswerten direkt verwandelten Freistoß egalisiert. Ein Traumtor, bei dem FCH-Trainer Frank Schmidt seinem Torhüter Jan Zimmermann keinen Vorwurf machen konnte. "Da applaudiere ich auch als Gästetrainer", sagte Schmidt im Anschluss an die Partie.

Leipzigs Ex-Trainer Alexander Zorniger und Heidenheims Coach Frank Schmidt schätzen sich sehr. Auch wenn bei Aufeinandertreffen kleine Neckereien nie ausblieben. So wurden die beiden bei der Pressekonferenz nach dem Hinspiel auf ihr erstes Trainer-Duell angesprochen. Schmidt – damals noch Interimscoach des HSB – erinnerte sich dabei an ein Derby Ende September 2007 in der Oberliga gegen den 1. FC Normannia Gmünd, den Zorniger wiederum damals betreut hatte.

"Wir haben 2:1 gewonnen", so Schmidt. Woraufhin Zorniger ein liebevoll gemeintes A**** entglitt. Und beide erinnerten sich dann auch noch gut an einen talentierten Spieler, der damals auf Gmünder Seite in der 59. Minute eingewechselt worden war: Dominik Kaiser, genau wie Zorniger ein gebürtige Mutlanger. "Er durfte damals noch keine Freistöße schießen, das hat sein Bruder gemacht", erinnerte sich Schmidt, fügte aber taktisch klug an: "An alle Spiele gegen Alex erinnere ich mich auch nicht mehr, es steht jetzt bestimmt unentschieden."

Doch allzu harmonisch durfte es an besagtem Montagabend dann aber auch nicht werden. Auf die Frage eines Journalisten, ob dem FCH nicht bekannt gewesen sei, dass Dominik Kaiser ein sehr guter Freistoßschütze sei, antwortete Schmidt gewohnt herausfordernd: "Sie meinen, ich habe meinen Job nicht gemacht?"

So gut in Fahrt, verlangte der Heidenheimer Coach sogleich nach einem Sportredakteur der "Leipziger Volkszeitung". Dieser hatte nämlich in seiner Vorschau aufs Spiel behauptet, sowohl Zorniger als auch Schmidt gingen mit "aufblasbaren Taktiktafeln" ins Bett. Zwar war der betreffende Journalist nicht mehr zugegen, dennoch stellte Schmidt unmissverständlich klar: "Ich habe keine aufblasbare Taktiktafel in meinem Bett."

Sein Gegenüber Alexander Zorniger übrigens auch nicht. Allerdings machte der 46-Jährige den FCH-Coach darauf aufmerksam, dass der betreffende Journalist für seine eher lockere Schreibe bekannt sei.

In nächster Zeit werden Journalisten wohl auf Neckereien dieser Art verzichten müssen.