Von hinten, von ganz hinten, gibt beim VfL Gerstetten ein Neuzugang die Anweisungen: Ibrahim Aladji Tandjigora ist, Stand jetzt, die neue Nummer eins beim Bezirksligisten. Damit löst er Denis Baum ab, der kürzertritt, seinem Verein aber weiterhin zur Verfügung steht.

In der vergangenen Saison war „Ibrah“ Stammkeeper beim AC Milan Heidenheim (Kreisliga A3), nun wagt der 25-Jährige den Sprung in die nächsthöhere Klasse. „Wir haben eine gute Saison gespielt, waren aber nur Zweiter. Ich möchte so hoch wie möglich spielen“, sagt Tandjigora in erstaunlich gutem Deutsch.

Zumindest dafür, dass er nie einen Sprachkurs besucht hat, wie der Torhüter aus Mali erklärt. Die deutsche Sprache habe er sich schlichtweg selbst beigebracht, auf der Straße. „Es gibt da ein Sprichwort“, fügt Tandjigora an: „Wenn du willst, kannst du alles schaffen. Auch im Fußball.“

Flucht aus Mali vor dem Krieg

Vor einigen Jahren sei er aufgrund des Krieges in Mali aus der Hauptstadt Bamako (knapp 1,8 Millionen Einwohner) geflohen. Da er in Mali eine Fußball-Akademie besucht habe, spielte Tandjigora zunächst eine Zeit lang in Polen, ehe er ins Allgäu zum FC Füssen kam.

Über den SV Rieden am Forggensee landete er schließlich im Landkreis Heidenheim, wo er eine Anstellung bei der Firma „Walcher“ fand, ehe sein Vertrag aufgrund der Corona-Pandemie im Juli auslief, wie er bedauert. Nun hoffe er, dass der VfL ihm bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle behilflich sein werde. Zuletzt habe er eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer beendet. „Ich warte auf meine Chance“, betont er.

Sohn beim FCH? Warum, nicht?

Tandjigora, der mit seiner Freundin und einem elf Monate alten Sohn in Heidenheim lebt, ist allerdings ein positiv denkender Mensch. So möchte er mit dem VfL nicht nur so gut wie möglich in der Saison abschneiden. Sein Sohn könnte ja eines Tages beim FCH spielen. „Als Torwart. Oder als Stürmer“, wie er sagt.