Heidenheim / Mathias Ostertag Michael Storm ist nicht nur Hotelmanager, sondern seit Anfang des Jahres auch Obmann der Schiedsrichtergruppe Heidenheim. Die Nachwuchsförderung ist sein Kernanliegen.

Vorbild Yannick Eberhardt: Der 22-Jährige Student ist der Vorzeigeschiedsrichter der Schiedsrichtergruppe (SRG) Heidenheim, seit Saisonstart pfeift der Burgberger regelmäßig Fußballspiele in der Oberliga Baden-Württemberg und könnte zur Saison 2017/18 sogar in die Regionalliga aufrücken, die vom Deutschen-Fußball-Bund (DFB) verantwortet wird. Mit gerade einmal 22 Jahren.

Damit hätte Eberhardt innerhalb kürzester Zeit (mit 13 Jahren pfiff er erstmals ein Fußballspiel) enorme Sprünge gemacht. „Was Yannick macht, wie er auf dem Platz Persönlichkeit ausstrahlt, das ist absolut vorbildlich“, adelt ihn der seit Januar amtierende neue Schiedsrichter-Obmann Michael Storm.

95 aktive und 40 passive Schiedsrichter

Yannick Eberhardt ist aber nur einer von derzeit 95 aktiven Schiedsrichtern in der SRG. Zwar dürfen weitere 40 Referees aus Altersgründen nicht mehr zur Pfeife greifen, aber da gibt es ja zum Beispiel auch noch Obmann Storm, der mit seinen 30 Jahren im besten Schiedsrichter-Alter ist. Obgleich er schnell betont, eine ähnliche Karriere wie der Burgberger Eberhardt nicht mehr in Angriff nehmen zu wollen. „Das lässt meine Zeit nicht zu. Viel wichtiger ist es, dass wir die jungen Kollegen in unserer Schiedsrichtergruppe unterstützen, dass wir sie heranführen an ihre Aufgaben und nach oben pushen.“

Mit 15 Jahren stand Michael Storm erstmals als 23. Mann auf einem Fußballfeld. Zuvor hatte er selbst Fußball gespielt, nachdem er aber eine Ausbildung zum Hotelfachmann im Frankfurter Marriott-Hotel begonnen hatte, fehlte ihm dafür schlicht die Zeit. „Also dachte ich mir, ich gehe nun auf den Sportplatz und pfeife.“ Zumal er auch das zusätzliche Taschengeld pro gepfiffener Partie gut gebrauchen konnte. „Und: Man erhält als Schiedsrichter freien Eintritt in jedes Bundesliga-Fußballstadion“, sagt er schmunzelnd.

Als Referee stieg Storm in Hessen zügig auf, schaffte es immerhin bis in die dortige Bezirksoberliga. „Das ist vom Niveau her wie die Landesliga hier.“ Der Beruf spannte ihn erneut zeitlich ein, weshalb er eine Pause einlegen musste. Von Frankfurt ging es nach Köln, München, Wien, bevor er vor vier Jahren nach Heidenheim kam und als Hotelmanager im damaligen NH-Hotel (heute Taste Hotel) die Verantwortung übernahm. „Irgendwann hat es mich wieder gejuckt, pfeifen zu wollen.“

Also absolvierte Storm 2014 in seiner neuen Heimat seinen zweiten Neulingskurs. Seither ist er in der Schiedsrichtergruppe voll eingespannt. 2015 wurde er in den Schiedsrichterausschuss gewählt, Anfang 2017 übernahm er das Amt des Obmanns. Von seinem Vorgänger Daniel Grandy – dieser hatte, wie berichtet, Ende vergangenen Jahres sein Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt – hatte er zuvor bereits einen Teil der Aufgaben, etwa die Einteilung der Aktiven-Spielklassen, übernommen.

Mit der Übernahme des Obmann-Amts wurde auch der Schiedsrichterausschuss personell erweitert: verschiedene Kollegen arbeiten nun Storm in Sachen Einteilung der Schiedsrichter auf Aktiven- oder Seniorenspiele zu, kümmern sich um die Präsenz in sozialen Medien und auf der Homepage, organisieren Schiedsrichterschulungen und erledigen die allerwichtigste Aufgabe: die Gewinnung der Referees von morgen. „Es gibt so viele schöne Seiten am Dasein als Schiri“, wirbt Storm um Neumitglieder. „Je höher man kommt, umso angenehmer wird das Pfeifen.“ Zumal man ab der Landesliga nicht mehr alleine, sondern im Dreiergespann unterwegs sei.

Schiedsrichtergewinnung ist das eine Thema, ein anderes ist die Heranführung jüngerer Kollegen an die höheren Fußballklassen. Da die SRG Heidenheim im Vergleich zu anderen Gruppen im Württembergischen Fußballverband relativ klein ist, steht den Heidenheimern zum Beispiel in der Bezirksliga nur ein Schiedsrichterplatz zur Verfügung. Diesen besetzt derzeit Can Daler (TSG Schnaitheim), dem Storm einen Sprung in höherklassige Ligen zutraut. „Ich möchte dass unsere Gruppe deutlich größer wird und wir so einen zweiten Platz in der Bezirksliga erhalten.“

Image der Schiris verbessern

Ansonsten geht es Michael Storm vor allem darum, dass die Zusammenarbeit mit den Fußballvereinen im Bezirk Kocher-Rems enger und kooperativer wird – auch im Hinblick auf das Image der Referees: „Der Schiri ist immer der Depp, wird meist von außerhalb des Spielfelds dumm angepöbelt. Ich erhoffe mir, dass von allen Beteiligten wieder mehr Respekt auf und neben dem Platz herrscht.“

Vielleicht wird Michael Storm ein respektvolles Miteinander schon bei seinem nächsten Einsatz erleben können. Alle zwei Wochen streift er sich das Schiri-Dress über und pfeift ein Spiel in einer der unteren Fußballligen. Wo er das nächste Mal auf dem Platz zu finden sein wird, verrät er aber nicht.

Was ist eigentlich ein Obmann?

Obmann ist eine Bezeichnung für Vorsitzende, Präsidenten oder Anführer einer Fraktion, Sektion, Gruppe oder eines Vereins. Ein Schiedsrichterobmann steht also einer Schiedsrichtergruppe vor.

Dem Obmann der Schiedsrichtergruppe Heidenheim beispielsweise unterstehen 95 aktive und 40 passive Schiedsrichter. Er teilt die Schiedsrichter den anstehenden Spielen zu, organisiert Veranstaltungen, vertritt die Gruppe in der Öffentlichkeit und ist sowohl Ansprechpartner für die Schiedsrichter als auch für die Vereine.