Fußball

Einzige Schiedsrichterin im Landkreis Heidenheim hört auf: So blickt die Schnaitheimerin Elke Steinke zurück

Sie ist nicht auf den Mund gefallen: Mit Elke Steinke hat die einzige Schiedsrichterin des Landkreises Heidenheim ihre Laufbahn beendet. Nach 651 Spielen. Welche Tipps die 67-Jährige hat, was ihre Lieblingssprüche waren und wie sie den Spieltag in der Bezirksliga tippt:

Rambo, Kampfsau. Zwei Ausdrücke, die durchaus zum Vokabular von Elke Steinke gehören. „Manche sagen, dass ich eine eher kernige Frau bin“, so die Schnaitheimerin, die für den SV Mergelstetten gepfiffen hat. 26 Jahre, 651 Spiele. Am Ende der vergangenen Saison hat Steinke die Pfeife an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. „651 Spiele. Wahnsinn. Das ist ein Ding, dass ich so lange ausgehalten habe“, sagt die 67-Jährige im Scherz.

Im Einsatz: Elke Steinke. Foto: Christian Thumm

Viele Jahre hat sie Fußball gespielt, für den SV Mergelstetten. „Ich war schon ein Rambo, aber immer fair. Ich habe mir halt nicht alles gefallen lassen“, erklärt Steinke, die in der Jugend ihre Tochter Claudia trainiert und später mit ihr auch zusammengespielt hat. „Sie hatte es nicht immer leicht mit mir. Vom eigenen Kind erwartet man ja immer mehr“, sagt Elke Steinke.

„Besonders als Frau brauchst du Erfahrung und ein gewisses Alter. Sonst spielen sie mit dir s‘ Michele.“

Elke Steinke

1997 ging es los mit der Schiedsrichterei. „Als Schiri habe ich auch mein Ding durchgezogen. Auf dem Sportplatz wusste ich mir immer zu helfen“, sagt Steinke. Wichtig: „Besonders als Frau brauchst du Erfahrung und ein gewisses Alter. Sonst spielen sie mit dir s‘ Michele“, so Steinke mit dem Verweis auf Spieler und Spielerinnen. „Man braucht Schneid. Ich wusste aber von Anfang an: Ich habe die Macht. Und das habe ich vor Spielen auch immer den Mannschaften in der Kabine gesagt.“ Ihr damaliger Lehrwart Wolfgang Brenner (Dischingen) habe ihr das beigebracht: „Ich bin der Schiri. Ohne mich läuft kein Spiel.“

Sexistische Sprüche gegenüber Schiedsrichterin

So einfach ist das? Wohl eine Typfrage. Erst vor einigen Jahren, es sei fünf oder sechs Jahre her gewesen, sagt Steinke, habe ein älterer Zuschauer gerufen: „A Weib gehört an den Kochherd, aber nicht auf den Sportplatz.“ Ein Grund, sich zu verkriechen? Nicht für Elke Steinke. „Ich habe dem besagten Herrn nach dem Spiel auf die Schulter getippt und ihm gesagt: Ich bin zwar ein Weib, habe aber die gleichen Regeln wie Männer.“ Der Adressat habe ganz schön verdutzt geschaut. „Irgendwas ist mir immer eingefallen“, sagt Steinke. Ihre Geheimwaffe: „Wenn die Buben immer alles besser wissen, habe ich manchmal gesagt: 'Wir brauchen junge Schiedsrichter. Ich melde dich an.' Dann sind sie meistens ruhig gewesen.“

Da geht's lang: Elke Steinke als Schiedsrichterin. Foto: Christian Thumm

Sie vermisse die Schiedsrichterei, die sie schweren Herzens aufgegeben habe. „Ich konnte mich da ausleben und meine Meinung vertreten“, sagt Steinke. Und sie fühle sich auch nicht so alt. Aber: „Es zwickt hier und da. Ich war ja bei Wind und Wetter im Einsatz. Immer in kurzen Hosen. Und nun ist das zweite Enkele (Fynn) da.“ Im Notfall könnte sie aber noch einspringen. „Ich bin ja noch als Schiedsrichterin qualifiziert. Und ich weiß, dass Schiedsrichter immer gebraucht werden“, sagt Elke Steinke.

Was sie sich vorstellen kann, ist es Mädchen und Frauen zu werben und an die Schiedsrichterei heranzuführen. „Wir haben ja keine Schiedsrichterinnen. Das schläft ja leider ein. Die Mädels brauchen aber keine Angst zu haben“, sagt Steinke, die ein ideales Alter zwischen 25 und 30 Jahren sieht.

„Habe fertig.“

Lieblingsspruch von Elke Steinke nach Spielen

Heute ist Steinke gerne mit ihrem Mischlingshund Sunny unterwegs. Sie schaut sich ab und an auch Fußballspiele an (und achtet eher auf die Schiedsrichter) und wird erkannt. „Aber so viele Frauen, die Schiedsrichter sind, kommen ja nicht aus dem Kreis Heidenheim“, sagt Steinke – und lacht. Sie war zuletzt die einzige. Ihr Lieblingsspruch nach Spielen war: „Habe fertig.“ Der gilt nun auch für ihre Schiedsrichterkarriere.

So tippt Elke Steinke den Spieltag am Sonntag, 28. April

SG Heldenfingen/Heuchlingen – TV Neuler (Tipp: 2:1)
„Neuler hat eine starke Mannschaft, das wird eine knappe Geschichte. Heldenfingen lässt es sich aber nicht mehr nehmen und wird Meister“, sagt Elke Steinke.

TSG Schnaitheim – TV Steinheim (Tipp: 2:1)
„Für beide Mannschaften wird es mit dem Klassenerhalt schwierig“, so Steinke, die sich die Partie vielleicht mit Hund Sunny anschauen wird.

FV Sontheim – TSG Nattheim (Tipp: 2:2)
„Sontheim ist daheim gut, da ist immer Action. Es wird viele Tore geben.“

Die Schiedsrichtergruppe Heidenheim

81 aktive Schiedsrichter (dazu kommen noch passive) hat die Schiedsrichtergruppe Heidenheim. In der Saison 2022/23 waren es 74.

Elke Steinke kam mit 22 Jahren zum Fußball. Sie trug die Trikots des SV Mergelstetten und des TV Steinheim und spielte als Verteidigerin und Torhüterin.

Eine Zeit lang trainierte sie nach der Übungseinheit bei den Frauen auch bei den Männern (AH) mit. „Wegen des Tempos, die haben eine ganz andere Spielart“, sagt Steinke, die auch mit ihrer
Tochter Claudia in Mergelstetten zusammenspielte. Beim SVM beendete Elke Steinke auch ihre Karriere.
Als Trainerin betreute Steinke Mädchenteams (B- und C-Jugend), als Torwartcoach auch Jungenmann-
schaften (B- bis D-Jugend).

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